Sialorrhö – Ursachen, Symptome und Behandlung
Sialorrhö bezeichnet übermäßigen Speichelfluss oder das Unvermögen, Speichel im Mund zu halten. Sie kann auf neurologische Erkrankungen oder andere Ursachen hinweisen.
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Sialorrhö bezeichnet übermäßigen Speichelfluss oder das Unvermögen, Speichel im Mund zu halten. Sie kann auf neurologische Erkrankungen oder andere Ursachen hinweisen.
Was ist Sialorrhö?
Sialorrhö (auch: Sialorrhoe, medizinisch auch als Hypersalivation bezeichnet) ist ein Zustand, bei dem vermehrt Speichel aus dem Mund austritt oder sich im Mund ansammelt, ohne kontrolliert geschluckt werden zu können. Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen ab: sialon (Speichel) und rhein (fließen). Obwohl gelegentlicher Speichelfluss normal ist – zum Beispiel beim Anblick von Essen – gilt ein anhaltender, unkontrollierter Speichelfluss als behandlungsbedürftiges Symptom.
Man unterscheidet zwischen echter Hypersalivation (tatsächlich erhöhte Speichelproduktion) und einer pseudohypersalivation (normale Speichelmenge, aber gestörtes Schluckvermögen). In der klinischen Praxis ist letztere deutlich häufiger.
Ursachen
Sialorrhö kann viele verschiedene Ursachen haben. Diese lassen sich grob in neurologische, medikamentöse und lokale Ursachen einteilen:
Neurologische Ursachen
- Morbus Parkinson: Eine der häufigsten Ursachen; die verlangsamten Schluckbewegungen führen zur Ansammlung von Speichel.
- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Muskelschwäche im Mund- und Rachenbereich beeinträchtigt das Schlucken.
- Zerebralparese: Häufig bei Kindern mit neuromuskulären Störungen.
- Schlaganfall: Schädigung von Hirnarealen kann die Schluckkontrolle beeinflussen.
- Multiple Sklerose (MS)
- Geistige Behinderung oder Entwicklungsstörungen
Medikamentöse Ursachen
- Antipsychotika (z. B. Clozapin)
- Cholinesterasehemmer (z. B. bei Alzheimer-Demenz)
- Bestimmte Antiepileptika
Lokale und andere Ursachen
- Entzündungen im Mund- und Rachenbereich
- Zahnungsbeschwerden bei Säuglingen
- Gastroösophagealer Reflux
- Schwangerschaft (hormonell bedingte vorübergehende Hypersalivation)
- Vergiftungen (z. B. durch Organophosphate)
Symptome
Das Leitsymptom ist das sichtbare Austreten von Speichel aus dem Mund (Drooling). Begleitend können folgende Beschwerden auftreten:
- Nasse oder gereizte Haut um den Mund (Mazeration)
- Mundgeruch durch bakteriellen Abbau des Speichels
- Schluckbeschwerden (Dysphagie)
- Sprechwerkzeugstörungen (Dysarthrie)
- Sozialer Rückzug und psychosoziale Belastung
- Aspirationsgefahr (Einatmen von Speichel in die Lunge)
Diagnose
Die Diagnose der Sialorrhö erfolgt in erster Linie klinisch durch Beobachtung und Anamnese. Ergänzend können folgende Maßnahmen eingesetzt werden:
- Speichelfluss-Messung: Quantifizierung der Speichelmenge über einen definierten Zeitraum
- Videofluoroskopie: Zur Beurteilung der Schluckfunktion
- Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf eine zugrunde liegende Erkrankung
- Drooling-Schweregrad-Skalen (z. B. Drooling Severity and Frequency Scale)
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad. Ein stufenweises Vorgehen ist üblich:
Konservative Maßnahmen
- Logopädie zur Verbesserung der Schluck- und Mundmotorikkontrolle
- Haltungskorrektur und Physiotherapie
- Verhaltenstherapeutische Ansätze
Medikamentöse Therapie
- Anticholinergika: Hemmen die Speichelproduktion (z. B. Scopolamin, Glycopyrronium). Zu beachten sind Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Verstopfung und kognitive Beeinträchtigungen.
- Botulinum-Toxin (Botulinumtoxin Typ A oder B): Injektion in die Speicheldrüsen (Parotis und/oder Glandula submandibularis) reduziert die Speichelproduktion. Wirkung hält meist 3–6 Monate an und muss wiederholt werden.
Chirurgische Therapie
- Verlagerung der Ausführungsgänge der Speicheldrüsen
- Entfernung einzelner Speicheldrüsen (Drüsenexzision)
- Durchtrennung von Nervenbahnen (Chorda-tympani-Neurektomie)
Die Wahl der Therapie hängt vom Allgemeinzustand des Patienten, der Grunderkrankung und dem Leidensdruck ab. Bei Kindern mit Zerebralparese etwa wird häufig eine Kombination aus Logopädie und Botulinumtoxin eingesetzt.
Quellen
- Meningaud J.P. et al. - Drooling of saliva: a review of the etiology and management options. Oral Surgery, Oral Medicine, Oral Pathology, Oral Radiology, and Endodontology, 2006.
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) - Leitlinien zu Morbus Parkinson und assoziierten Symptomen, aktuell gültige Version. Verfügbar unter: www.dgn.org
- World Health Organization (WHO) - International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF). Genf, 2001.
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