Sensibilität – Definition und Störungen
Sensibilität bezeichnet die Fähigkeit des Nervensystems, Reize aus der Umwelt und dem Körperinneren wahrzunehmen und weiterzuleiten. Sie ist Grundlage für Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfinden.
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Sensibilität bezeichnet die Fähigkeit des Nervensystems, Reize aus der Umwelt und dem Körperinneren wahrzunehmen und weiterzuleiten. Sie ist Grundlage für Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfinden.
Was ist Sensibilität?
Sensibilität beschreibt im medizinischen Sinne die Fähigkeit des Nervensystems, sensorische Reize – also Informationen aus der Körperoberfläche, den Organen und der Umgebung – aufzunehmen, weiterzuleiten und zu verarbeiten. Sie ist ein zentrales Element der neurologischen Funktion und ermöglicht es dem Menschen, die eigene Körperwahrnehmung sowie Umweltreize bewusst zu erleben.
In der Neurologie wird Sensibilität als Oberbegriff für alle empfindungsvermittelnden Prozesse verwendet. Sie umfasst sowohl die somatische Sensibilität (Körpergefühl) als auch die viszerale Sensibilität (Wahrnehmung aus den inneren Organen).
Arten der Sensibilität
Oberflächensensibilität
Die Oberflächensensibilität, auch epikritische und protopathische Sensibilität genannt, umfasst die Wahrnehmung von Reizen an der Körperoberfläche:
- Berührungsempfinden (Taktilität)
- Schmerzempfinden (Nozizeption)
- Temperaturempfinden (Thermästhesie)
- Zwei-Punkt-Diskrimination – die Fähigkeit, zwei nahe beieinanderliegende Reize als getrennt wahrzunehmen
Tiefensensibilität
Die Tiefensensibilität, auch Propriozeption genannt, vermittelt Informationen aus Muskeln, Sehnen, Gelenken und dem Gleichgewichtsorgan:
- Lagesinn – Wahrnehmung der Körperstellung im Raum
- Bewegungssinn – Wahrnehmung aktiver und passiver Bewegungen
- Vibrationsempfinden (Pallästhesie)
- Kraftsinn – Einschätzung des eigenen Kraftaufwands
Viszerale Sensibilität
Die viszerale Sensibilität betrifft die Wahrnehmung aus den inneren Organen, etwa Dehnungs-, Druck- oder Schmerzreize aus Magen, Darm oder Blase. Diese Empfindungen sind oft weniger präzise lokalisierbar als Oberflächenreize.
Anatomische Grundlagen
Die Sensibilität wird durch ein komplexes Netzwerk aus Rezeptoren, peripheren Nerven, Rückenmark und Gehirn vermittelt. Spezialisierte Rezeptoren in der Haut, den Muskeln und Organen nehmen Reize auf und leiten diese über afferente Nervenfasern ins zentrale Nervensystem weiter. Dort werden die Signale im somatosensorischen Kortex des Großhirns verarbeitet und bewusst erlebt.
Wichtige Leitungsbahnen im Rückenmark sind der Hinterstrang (für Tast- und Vibrationsempfinden) und der Vorderseitenstrang (für Schmerz und Temperatur).
Störungen der Sensibilität
Sensibilitätsstörungen können durch Schädigungen auf verschiedenen Ebenen des Nervensystems entstehen – von den peripheren Nerven bis zum Gehirn. Typische Störungsformen sind:
- Hypästhesie – verminderte Empfindungswahrnehmung
- Anästhesie – vollständiger Verlust der Empfindung
- Hyperästhesie – gesteigerte, oft unangenehme Empfindlichkeit
- Dysästhesie – verzerrte, abnorme Empfindungen (z. B. Kribbeln, Brennen)
- Parästhesie – spontane Missempfindungen ohne äußeren Reiz (z. B. Taubheitsgefühl, Ameisenlaufen)
- Allodynie – Schmerzempfindung bei normalerweise nicht schmerzhaften Reizen
Ursachen von Sensibilitätsstörungen
Sensibilitätsstörungen können viele Ursachen haben, darunter:
- Polyneuropathie – z. B. bei Diabetes mellitus, Alkoholabhängigkeit oder Vitaminmangel
- Schlaganfall – bei Schädigung sensorischer Hirnareale
- Multiple Sklerose – durch Entmarkung nervaler Leitungsbahnen
- Bandscheibenvorfälle – durch Nervenwurzelkompression
- Karpaltunnelsyndrom und andere Engpasssyndrome
- Rückenmarksschädigungen – z. B. nach Traumata oder Tumoren
Diagnose
Die neurologische Untersuchung der Sensibilität umfasst verschiedene standardisierte Tests:
- Prüfung des Berührungsempfindens mit Wattebausch oder Pinsel
- Schmerzprüfung mit einem Nadelstimulator
- Temperaturprüfung mit warmen und kalten Gegenständen
- Vibrationsprüfung mit einer Stimmgabel (Pallästhesiometrie)
- Prüfung des Lage- und Bewegungssinns
- Elektrophysiologische Untersuchungen wie Elektroneurographie (ENG) und evozierte Potenziale (SEP)
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache der Sensibilitätsstörung. Mögliche Maßnahmen sind:
- Behandlung der Grunderkrankung (z. B. Blutzuckereinstellung bei Diabetes)
- Physiotherapie und Ergotherapie zur Verbesserung der Wahrnehmung und Kompensation
- Medikamentöse Schmerztherapie bei neuropathischen Schmerzen (z. B. Gabapentin, Pregabalin)
- Sensibilitätstraining und sensorische Rehabilitationsübungen
- Operative Eingriffe bei mechanischen Nervenkompressionensyndromen
Quellen
- Trepel, M. – Neuroanatomie: Struktur und Funktion. 7. Auflage, Elsevier Urban und Fischer, 2021.
- Mumenthaler, M.; Mattle, H. – Neurologie. 13. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2013.
- World Health Organization (WHO) – International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF). WHO Press, Genf, 2001.
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