Stapedius-Reflex – Funktion, Messung und Diagnose
Der Stapedius-Reflex ist eine unwillkürliche Schutzreaktion des Mittelohrs, bei der sich der Steigbügelmuskel bei lauten Geräuschen anspannt und so das Innenohr vor Schäden schützt.
Interesse an regelmäßigen Tipps & Infos rund um Gesundheit? Regelmäßigen Tipps & Infos rund um Gesundheit Spare 15% auf FloralWissenswertes über "Stapedius-Reflex"
Der Stapedius-Reflex ist eine unwillkürliche Schutzreaktion des Mittelohrs, bei der sich der Steigbügelmuskel bei lauten Geräuschen anspannt und so das Innenohr vor Schäden schützt.
Was ist der Stapedius-Reflex?
Der Stapedius-Reflex (auch akustischer Reflex oder Mittelohrreflex genannt) ist eine unwillkürliche Schutzreaktion des Mittelohrs. Dabei zieht sich der Musculus stapedius – der kleinste Skelettmuskel des menschlichen Körpers – reflexartig zusammen, wenn das Ohr einem lauten Schall ausgesetzt wird. Diese Kontraktion versteift die Gehörknöchelchenkette im Mittelohr und reduziert die Schallübertragung zum Innenohr, um dieses vor Überlastung zu schützen.
Anatomische Grundlagen
Das Mittelohr enthält drei kleine Knochen, die sogenannten Gehörknöchelchen: Hammer (Malleus), Amboss (Incus) und Steigbügel (Stapes). Der Musculus stapedius setzt am Steigbügel an und wird vom Nervus facialis (7. Hirnnerv) innerviert. Der afferente (zuleitende) Schenkel des Reflexbogens verläuft über den Nervus cochlearis (Teil des 8. Hirnnerven), während der efferente (ableitende) Schenkel über den Nervus facialis läuft. Dieser Reflexbogen verläuft beidseitig, sodass ein lautes Geräusch auf einer Seite einen Reflex in beiden Ohren auslöst.
Funktion und Bedeutung
Der Stapedius-Reflex erfüllt mehrere wichtige Aufgaben:
- Lärmschutz: Schutz des empfindlichen Innenohrs vor lauten Geräuschen und möglichen Hörschäden.
- Unterdrückung von Eigengeräuschen: Beim Sprechen, Kauen oder Schlucken dämpft der Reflex die Übertragung dieser Eigengeräusche.
- Verbesserung des Sprachverstehens: Durch Dämpfung niederfrequenter Anteile kann das Sprachverstehen in lauter Umgebung verbessert werden.
Da der Reflex mit einer Latenzzeit von etwa 25–150 Millisekunden reagiert, bietet er keinen vollständigen Schutz vor sehr plötzlichen, impulsartigen Lärmereignissen wie Schüssen oder Explosionen.
Klinische Messung: Stapedius-Reflexmessung (Impedanzaudiometrie)
Der Stapedius-Reflex wird im Rahmen der Impedanzaudiometrie (Tympanometrie) gemessen. Dabei wird ein Messton ins Ohr eingeleitet, und die Änderung der akustischen Impedanz (des Widerstands) des Trommelfells bei Reflexauslösung wird aufgezeichnet.
Reflexschwelle
Die Reflexschwelle ist die niedrigste Schallintensität, bei der der Reflex ausgelöst wird. Bei Normalhörenden liegt sie typischerweise bei 70–100 dB über der individuellen Hörschwelle. Eine erhöhte oder ausbleibende Reflexschwelle kann auf verschiedene Erkrankungen hinweisen.
Kontralateraler und ipsilateraler Reflex
Man unterscheidet zwischen dem ipsilateralen Reflex (Reizung und Messung auf derselben Seite) und dem kontralateralen Reflex (Reizung auf einer Seite, Messung auf der anderen). Diese Unterscheidung ist diagnostisch bedeutsam.
Diagnostische Bedeutung
Die Stapedius-Reflexmessung ist ein wichtiges Hilfsmittel in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO) und Neurologie. Folgende Befunde sind klinisch relevant:
- Fehlender Reflex: Kann auf eine Schallleitungsschwerhörigkeit, eine Läsion des Nervus facialis oder des Nervus cochlearis, oder eine Erkrankung des Hirnstamms hinweisen.
- Erhöhte Reflexschwelle: Hinweis auf eine Schallempfindungsschwerhörigkeit (sensorineuraler Hörverlust).
- Reflex-Decay (Reflexadaptation): Ein Abfall des Reflexes bei anhaltender Stimulation kann auf eine retrocochleäre Pathologie, z. B. ein Akustikusneurinom (Vestibularisschwannom), hinweisen.
- Diagnose von Fazialisparesen: Da der Efferenzschenkel über den Nervus facialis verläuft, hilft die Messung bei der Lokalisation von Fazialisläsionen.
Stapedius-Reflex und Hörgeräte/Cochlea-Implantate
Bei Personen mit Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten wird der Stapedius-Reflex zur Überprüfung der Reizverarbeitung und zur Anpassung der Geräteeinstellungen genutzt. Die elektiv ausgelöste Reflexmessung hilft dabei, optimale Stimulationsparameter festzulegen.
Quellen
- Probst R., Grevers G., Iro H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 3. Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart, 2008.
- Silbernagl S., Despopoulos A.: Taschenatlas Physiologie. 8. Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart, 2012.
- Katz J. (Hrsg.): Handbook of Clinical Audiology. 7. Auflage. Wolters Kluwer, Philadelphia, 2015.
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