Stickstoffbilanz – Bedeutung & Proteinstoffwechsel
Die Stickstoffbilanz beschreibt das Verhältnis zwischen Stickstoffaufnahme und -ausscheidung im Körper und ist ein wichtiger Marker für den Proteinstoffwechsel.
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Die Stickstoffbilanz beschreibt das Verhältnis zwischen Stickstoffaufnahme und -ausscheidung im Körper und ist ein wichtiger Marker für den Proteinstoffwechsel.
Was ist die Stickstoffbilanz?
Die Stickstoffbilanz (auch N-Bilanz genannt) ist ein medizinisches und ernährungswissenschaftliches Konzept, das das Verhältnis zwischen der über die Nahrung aufgenommenen Stickstoffmenge und der über Urin, Stuhl, Schweiß und andere Wege ausgeschiedenen Stickstoffmenge beschreibt. Da Stickstoff ein wesentlicher Bestandteil von Aminosäuren und damit aller Proteine ist, gilt die Stickstoffbilanz als direkter Indikator für den Proteinstoffwechsel des Körpers.
Vereinfacht gilt: Wird mehr Stickstoff aufgenommen als ausgeschieden, befindet sich der Körper in einer positiven Stickstoffbilanz. Wird mehr ausgeschieden als aufgenommen, liegt eine negative Stickstoffbilanz vor. Sind Aufnahme und Ausscheidung gleich, spricht man von Stickstoffgleichgewicht oder Stickstoffäquilibrium.
Biologische Grundlagen
Proteine bestehen aus Aminosäuren, die alle eine Aminogruppe (-NH₂) enthalten und damit Stickstoff liefern. Im Körper werden Proteine kontinuierlich ab- und aufgebaut. Beim Abbau von Aminosäuren wird der Stickstoff in Form von Harnstoff über die Nieren ausgeschieden. Die Stickstoffbilanz ermöglicht es daher, Rückschlüsse auf den Auf- und Abbau von Körperproteinen zu ziehen.
- Stickstoffgehalt von Protein: Protein enthält durchschnittlich etwa 16 % Stickstoff. Daraus ergibt sich der häufig verwendete Umrechnungsfaktor 6,25: 1 g Stickstoff entspricht ca. 6,25 g Protein.
- Stickstoffaufnahme: Wird überwiegend über Nahrungsproteine zugeführt.
- Stickstoffausscheidung: Erfolgt hauptsächlich über den Urin (als Harnstoff), aber auch über Stuhl, Schweiß und Haut.
Arten der Stickstoffbilanz
Positive Stickstoffbilanz (Anabolismus)
Eine positive Stickstoffbilanz bedeutet, dass mehr Stickstoff aufgenommen als ausgeschieden wird. Der Körper baut also mehr Protein auf als ab. Dies ist physiologisch erwünscht in Phasen wie:
- Wachstum (Kinder und Jugendliche)
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Muskelaufbau durch gezieltes Krafttraining
- Rekonvaleszenz nach Erkrankungen oder Operationen
Negative Stickstoffbilanz (Katabolismus)
Eine negative Stickstoffbilanz bedeutet, dass mehr Stickstoff ausgeschieden als aufgenommen wird. Der Körper baut Körperprotein ab, was auf Muskelverlust hindeuten kann. Ursachen hierfür sind unter anderem:
- Unzureichende Proteinzufuhr oder Gesamtkaloriendefizit
- Schwere Erkrankungen, Infektionen oder Sepsis
- Schwere Verbrennungen oder Traumata
- Längeres Fasten oder Mangelernährung
- Krebserkrankungen (Tumorkachexie)
- Hochdosierte Glukokortikoid-Therapie
Stickstoffgleichgewicht
Gesunde Erwachsene mit ausgewogener Ernährung befinden sich idealerweise im Stickstoffgleichgewicht: Die Aufnahme entspricht der Ausscheidung, und die Körperproteinmasse bleibt stabil.
Klinische Bedeutung
Die Bestimmung der Stickstoffbilanz ist in der klinischen Ernährungsmedizin ein wichtiges Werkzeug, insbesondere in folgenden Bereichen:
- Intensivmedizin: Überwachung des Katabolismus bei schwerkranken Patienten
- Onkologie: Beurteilung des Ernährungszustandes bei Tumorpatienten
- Sportmedizin und Sporternährung: Optimierung der Proteinzufuhr für Leistungssportler
- Geriatrie: Prävention von Sarkopenie (altersbedingtem Muskelverlust)
- Postoperative Versorgung: Sicherstellung einer adäquaten Proteinversorgung zur Wundheilung
Messung der Stickstoffbilanz
Die Stickstoffbilanz wird mithilfe folgender Formel berechnet:
N-Bilanz = N-Aufnahme (g/Tag) - N-Ausscheidung (g/Tag)
Die Stickstoffaufnahme lässt sich aus dem Proteingehalt der Nahrung berechnen (Proteinmenge ÷ 6,25). Die Stickstoffausscheidung wird hauptsächlich über den Harnstoff-Stickstoff im 24-Stunden-Urin gemessen, wobei ein pauschaler Korrekturwert von ca. 2-4 g/Tag für nicht-renale Verluste (Stuhl, Schweiß, Haut) addiert wird.
Empfehlungen zur Proteinzufuhr
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für gesunde Erwachsene eine Proteinzufuhr von 0,8 g pro kg Körpergewicht pro Tag, um ein Stickstoffgleichgewicht aufrechtzuerhalten. In Phasen erhöhten Bedarfs (Wachstum, Sport, Erkrankung) kann der Bedarf auf 1,2 bis 2,0 g pro kg Körpergewicht und Tag ansteigen.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr - Protein. 2. Auflage, 2017. www.dge.de
- Deutz NEP et al.: Protein intake and exercise for optimal muscle function with aging - Recommendations from the ESPEN Expert Group. Clinical Nutrition, 2014; 33(6): 929-936.
- Waterlow JC: Protein turnover with special reference to man. Quarterly Journal of Experimental Physiology, 1984; 69(3): 409-438.
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