Bacteriocin – Definition, Wirkung und Bedeutung
Bacteriocine sind antimikrobielle Peptide, die von Bakterien produziert werden, um konkurrierende Bakterienstämme abzutöten. Sie gelten als vielversprechende Alternative zu klassischen Antibiotika.
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Bacteriocine sind antimikrobielle Peptide, die von Bakterien produziert werden, um konkurrierende Bakterienstämme abzutöten. Sie gelten als vielversprechende Alternative zu klassischen Antibiotika.
Was sind Bacteriocine?
Bacteriocine (auch: Bakteriocine) sind ribosomale synthetisierte antimikrobielle Peptide oder Proteine, die von Bakterien produziert und ausgeschieden werden. Ihre primäre Funktion besteht darin, nah verwandte oder konkurrierende Bakterienstämme abzutöten bzw. in ihrem Wachstum zu hemmen. Bacteriocine kommen sowohl bei gramnegativen als auch bei grampositiven Bakterien vor und spielen eine wichtige Rolle im mikrobiellen Wettbewerb innerhalb von Ökosystemen wie dem menschlichen Darm.
Wirkmechanismus
Bacteriocine wirken über verschiedene molekulare Mechanismen auf Zielbakterien ein:
- Porenbildung in der Zellmembran: Viele Bacteriocine, wie etwa Nisin, bilden Poren in der Zellmembran von Bakterien. Dies führt zum Austritt von Ionen und anderen lebenswichtigen Molekülen, was den Zelltod verursacht.
- Hemmung der Zellwandsynthese: Bestimmte Bacteriocine greifen in die Biosynthese von Peptidoglykan ein, einem wesentlichen Bestandteil der bakteriellen Zellwand.
- Degradation von DNA oder RNA: Einige Bacteriocine, sogenannte Nucleasen, zerstören die genetische Information der Zielzelle.
- Hemmung der Proteinbiosynthese: Weitere Vertreter blockieren ribosomale Prozesse und verhindern so die Proteinsynthese im Zielbakterium.
Klassifikation
Bacteriocine werden anhand ihrer biochemischen Eigenschaften in verschiedene Klassen eingeteilt:
- Klasse I (Lantibiotika): Kleine, hitzestabile Peptide mit ungewöhnlichen Aminosäuren, z. B. Nisin. Produziert von grampositiven Bakterien.
- Klasse II: Kleine, hitzestabile, nicht-lantibiotische Peptide, unterteilt in mehrere Unterklassen (IIa, IIb, IIc).
- Klasse III: Große, hitzelabile Proteine mit enzymatischer Aktivität, z. B. Lysine.
- Bacteriocine gramnegativer Bakterien: Colicine und Microcine, die von Escherichia coli und verwandten Bakterien produziert werden.
Medizinische und klinische Bedeutung
Angesichts der weltweit zunehmenden Antibiotikaresistenz gewinnen Bacteriocine als potenzielle therapeutische Alternativen stark an Bedeutung. Zu den wichtigsten Anwendungsbereichen zählen:
- Behandlung multiresistenter Erreger: Bacteriocine wie Nisin zeigen Aktivität gegen methicillinresistente Staphylococcus aureus (MRSA) und andere problematische Keime.
- Lebensmittelsicherheit: Nisin ist als Lebensmittelzusatzstoff (E234) zugelassen und wird zur Konservierung von Käse und anderen Molkereiprodukten eingesetzt.
- Probiotika und Darmgesundheit: Bacteriocin-produzierende Milchsäurebakterien wie Lactobacillus-Spezies spielen eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung einer gesunden Darmflora, indem sie pathogene Keime verdrängen.
- Wundbehandlung und Dermatologie: Topische Anwendungen von Bacteriocinen werden erforscht, um Wundinfektionen durch resistente Bakterien zu bekämpfen.
Vorteile gegenüber klassischen Antibiotika
Bacteriocine bieten gegenüber herkömmlichen Antibiotika mehrere potenzielle Vorteile:
- Enge Wirkspektren: Sie bekämpfen gezielt bestimmte Bakterienstämme, ohne die gesamte Mikrobiota zu stören.
- Geringeres Resistenzentwicklungspotenzial im Vergleich zu manchen Breitbandantibiotika.
- Biologisch abbaubar durch Proteasen im menschlichen Körper.
- Gute Verträglichkeit bei lokaler Anwendung.
Aktuelle Forschung und Ausblick
Die Erforschung von Bacteriocinen befindet sich in einer dynamischen Phase. Zahlreiche klinische und präklinische Studien untersuchen ihre Eignung als Therapeutika, Konservierungsstoffe und Bestandteile von Probiotika. Gentechnische Methoden ermöglichen zudem die gezielte Optimierung von Bacteriocinen hinsichtlich Stabilität, Wirksamkeit und Wirkspektrum. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betrachtet die Entwicklung neuer antimikrobieller Wirkstoffe als globale Priorität, und Bacteriocine stellen dabei einen vielversprechenden Forschungsansatz dar.
Quellen
- Cotter, P. D., Ross, R. P., Hill, C. (2013). Bacteriocins - a viable alternative to antibiotics? Nature Reviews Microbiology, 11(2), 95-105.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO) (2017). Global priority list of antibiotic-resistant bacteria. WHO Press, Genf.
- Alvarez-Sieiro, P. et al. (2016). Bacteriocins of lactic acid bacteria: extending the family. Applied Microbiology and Biotechnology, 100(7), 2939-2951.
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