Hämolyseindex – Definition und Bedeutung
Der Hämolyseindex gibt an, wie stark eine Blutprobe durch den Zerfall roter Blutkörperchen beeinträchtigt ist. Er beeinflusst die Zuverlässigkeit vieler Laborwerte.
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Der Hämolyseindex gibt an, wie stark eine Blutprobe durch den Zerfall roter Blutkörperchen beeinträchtigt ist. Er beeinflusst die Zuverlässigkeit vieler Laborwerte.
Was ist der Hämolyseindex?
Der Hämolyseindex ist ein Messwert in der klinischen Labordiagnostik. Er beschreibt das Ausmaß der Hämolyse in einer Blutprobe – also den Grad, in dem rote Blutkörperchen (Erythrozyten) zerstört wurden und ihr Inhalt, insbesondere das rote Blutfarbstoffprotein Hämoglobin, in das Blutserum oder Blutplasma ausgetreten ist. Eine hämolytische Probe ist optisch meist rötlich bis rosa gefärbt.
Laboratorien bestimmen den Hämolyseindex routinemäßig als Teil der sogenannten Probenqualitätskontrolle. Er gehört neben dem Lipämieindex (Trübung durch Fette) und dem Ikterusindex (Gelbfärbung durch Bilirubin) zu den drei wichtigsten Interferenzindizes in der Labormedizin.
Wie wird der Hämolyseindex gemessen?
Die Messung erfolgt photometrisch – das bedeutet, ein Gerät misst, wie viel Licht einer bestimmten Wellenlänge durch die Probe hindurchgeht. Freigesetztes Hämoglobin absorbiert Licht in einem charakteristischen Wellenlängenbereich (um 410–415 nm sowie um 540 nm). Aus diesem Absorptionswert berechnet das Analysengerät automatisch den Hämolyseindex.
Das Ergebnis wird häufig in Einheiten wie mg/dL freiem Hämoglobin oder als dimensionsloser Index-Wert angegeben, wobei die genauen Schwellenwerte je nach Analysesystem und Labor variieren können.
Ursachen erhöhter Hämolyse in einer Blutprobe
Die Hämolyse in einer Laborprobe kann verschiedene Ursachen haben:
- Präanalytische Ursachen (vor der Analyse): unsachgemäße Blutentnahme, zu starkes Schütteln der Probe, falsche Lagerungstemperatur, zu langes Stehenlassen vor der Verarbeitung, zu dünne Nadeln oder zu starkes Ansaugen mit der Spritze
- In-vivo-Hämolyse (im Körper des Patienten): Erkrankungen wie hämolytische Anämie, Transfusionsreaktionen, Verbrennungen, mechanische Herzklappen oder bestimmte Infektionen können zur Zerstörung roter Blutkörperchen im Körper führen
- Transportbedingte Hämolyse: Erschütterungen oder Temperaturschwankungen beim Transport der Probe ins Labor
Klinische Bedeutung und Auswirkungen auf Laborwerte
Ein erhöhter Hämolyseindex ist klinisch bedeutsam, weil freigesetztes Hämoglobin und andere Zellinhaltsstoffe der Erythrozyten (z. B. Kalium, Laktatdehydrogenase, Aspartat-Aminotransferase) die Messergebnisse zahlreicher Laborparameter verfälschen können.
Typische Laborwerte, die durch Hämolyse beeinflusst werden:
- Kalium: Wird durch Hämolyse stark erhöht (Pseudohyperkaliämie), da Erythrozyten sehr viel Kalium enthalten
- Laktatdehydrogenase (LDH): Wird falsch-hoch gemessen
- Aspartat-Aminotransferase (AST/GOT): Erhöht durch Freisetzung aus Erythrozyten
- Hämoglobin und Hämatokrit: Können verfälscht sein
- Bilirubin: Kann durch die Eigenfarbe des Hämoglobins interferieren
- Troponin und andere Herzmarker: Können in ihrer Messung beeinträchtigt sein
Laboratorien legen für jeden Parameter individuelle Grenzwerte des Hämolyseindex fest, ab denen ein Testergebnis als nicht verwertbar gilt oder mit einem entsprechenden Kommentar versehen wird.
Umgang mit hämolytischen Proben im Labor
Wenn der Hämolyseindex einer Probe die definierten Grenzwerte überschreitet, hat das Labor mehrere Optionen:
- Ablehnung der Probe und Anforderung einer erneuten Blutentnahme
- Ausgabe des Ergebnisses mit einem Warnhinweis auf die eingeschränkte Aussagekraft
- Mathematische Korrektur des Messwerts, sofern validierte Korrekturalgorithmen verfügbar sind
In der Praxis wird bei vielen Proben zunächst geprüft, ob die Hämolyse präanalytisch (also durch einen Fehler bei der Entnahme oder Verarbeitung) oder in-vivo (also durch eine echte Erkrankung) verursacht wurde. Dies ist klinisch relevant, da eine in-vivo-Hämolyse selbst ein wichtiger diagnostischer Hinweis sein kann.
Bedeutung für Patienten
Für Patientinnen und Patienten hat ein erhöhter Hämolyseindex meistens keine direkte gesundheitliche Bedeutung – er ist in der Regel ein Hinweis auf eine technische Beeinträchtigung der Blutprobe. In solchen Fällen kann eine erneute Blutentnahme notwendig sein. Nur wenn eine in-vivo-Hämolyse vorliegt, d. h. wenn im Körper selbst rote Blutkörperchen zerstört werden, ist dies ein medizinisch ernst zu nehmendes Zeichen, das weiterer Abklärung bedarf.
Quellen
- Lippi G, Plebani M, Di Somma S, Cervellin G. Hemolyzed specimens: a major challenge for emergency departments and clinical laboratories. Critical Reviews in Clinical Laboratory Sciences, 2011; 48(3): 143–153.
- Simundic AM, Bölenius K, Cadamuro J et al. Joint EFLM-COLABIOCLI Recommendation for venous blood sampling. Clinical Chemistry and Laboratory Medicine, 2018; 56(12): 2015–2038.
- Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL). Leitlinien zur Präanalytik. www.dgkl.de (abgerufen 2024).
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