Sellick-Handgriff – Krikoiddruck in der Anästhesie
Der Sellick-Handgriff ist ein medizinisches Manöver, bei dem Druck auf den Ringknorpel ausgeübt wird, um bei der Narkoseeinleitung eine Aspiration zu verhindern.
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Der Sellick-Handgriff ist ein medizinisches Manöver, bei dem Druck auf den Ringknorpel ausgeübt wird, um bei der Narkoseeinleitung eine Aspiration zu verhindern.
Was ist der Sellick-Handgriff?
Der Sellick-Handgriff (auch Krikoiddruck oder Krikoidkompression genannt) ist ein in der Anästhesie angewandtes Manöver, bei dem gezielter Druck auf den Ringknorpel (Cartilago cricoidea) des Kehlkopfes ausgeübt wird. Ziel ist es, die dahinterliegende Speiseröhre (Ösophagus) zu komprimieren und so das Einströmen von Mageninhalt in die Luftwege (Aspiration) während der Narkoseeinleitung zu verhindern. Das Manöver wurde 1961 vom britischen Anästhesisten Brian Arthur Sellick beschrieben und trägt seitdem seinen Namen.
Anwendung und Durchführung
Der Sellick-Handgriff wird typischerweise im Rahmen einer Rapid Sequence Induction (RSI) – der sogenannten schnellen Narkoseeinleitung – eingesetzt. Diese Technik wird bei Patienten angewendet, bei denen ein erhöhtes Aspirationsrisiko besteht, zum Beispiel bei:
- Notfalloperationen mit nicht nüchternen Patienten
- Schwangerschaft
- Adipositas (starkes Übergewicht)
- Bekannter gastroösophagealer Refluxkrankheit
- Ileus (Darmverschluss)
Bei der Durchführung legt eine geschulte Hilfsperson Daumen und Zeigefinger (oder Daumen und Mittelfinger) an den Ringknorpel des Patienten und übt einen definierten Druck von etwa 30 Newton nach posterior (nach hinten) aus. Dadurch wird der Ösophagus gegen die Halswirbelsäule gedrückt und verschlossen, solange bis der Atemweg durch einen Endotrachealtubus gesichert ist.
Wirkmechanismus
Der Ringknorpel ist der einzige vollständig geschlossene Knorpelring des Kehlkopfes. Durch Druck auf diesen Knorpel wird der direkt dahinter verlaufende Ösophagus gegen die Halswirbelsäule komprimiert. Dies soll verhindern, dass Mageninhalt (Säure, Speisereste) in den Rachen aufsteigt und von dort in die Lunge gelangt – eine lebensbedrohliche Komplikation, die als Aspirationspneumonie bekannt ist.
Kontroversen und aktueller Stellenwert
Obwohl der Sellick-Handgriff jahrzehntelang als Standardmaßnahme galt, wird sein Nutzen in der modernen Anästhesie zunehmend kritisch hinterfragt. Mehrere Studien zeigen, dass:
- Die Wirksamkeit bei der Aspirationsprävention nicht eindeutig belegt ist
- Ein zu hoher Druck die Intubation erschweren kann
- Die korrekte Durchführung schwierig und trainingsabhängig ist
- In einigen Fällen der Ösophagus nicht vollständig verschlossen wird
Dennoch ist der Sellick-Handgriff in vielen Kliniken und Leitlinien (z. B. in der Notfallmedizin und Geburtshilfe) weiterhin Teil des Standardprotokolls der RSI, sofern er korrekt und von geschultem Personal durchgeführt wird. Einige aktuelle Leitlinien empfehlen, den Druck bei Intubationsschwierigkeiten sofort aufzuheben.
Risiken und Kontraindikationen
Bei falscher Anwendung kann der Sellick-Handgriff Nachteile mit sich bringen:
- Erschwerung der Laryngoskopie (Kehlkopfspiegelung) und Intubation
- Verschlechterung der Sicht auf die Stimmbänder
- Mögliche Verletzung des Ringknorpels bei übermäßigem Druck
Kontraindiziert ist das Manöver bei bekanntem oder vermutetem Halswirbelsäulentrauma, instabiler Halswirbelsäule sowie bei aktiv erbrechendem Patienten, da in diesem Fall das Risiko einer Ösophagusruptur bestehen kann.
Quellen
- Sellick B.A. - Cricoid pressure to control regurgitation of stomach contents during induction of anaesthesia. Lancet, 1961; 2(7199): 404-406.
- Algie C.M. et al. - Effectiveness and risks of cricoid pressure during rapid sequence induction for endotracheal intubation. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2015.
- Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) - Leitlinien zur Atemwegssicherung, aktuelle Fassung.
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