Hutchinson-Gilford-Syndrom – Progerie erklärt
Das Hutchinson-Gilford-Syndrom ist eine extrem seltene genetische Erkrankung, die eine beschleunigte Alterung bei Kindern verursacht. Betroffene altern etwa sieben Mal schneller als normal.
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Das Hutchinson-Gilford-Syndrom ist eine extrem seltene genetische Erkrankung, die eine beschleunigte Alterung bei Kindern verursacht. Betroffene altern etwa sieben Mal schneller als normal.
Was ist das Hutchinson-Gilford-Syndrom?
Das Hutchinson-Gilford-Syndrom (kurz: HGS), auch bekannt als Progerie oder Progeria infantilis, ist eine extrem seltene und schwerwiegende genetische Erkrankung, die durch eine dramatisch beschleunigte Alterung des Körpers gekennzeichnet ist. Kinder mit dieser Erkrankung entwickeln bereits in den ersten Lebensjahren körperliche Merkmale, die typischerweise erst bei alten Menschen auftreten. Weltweit sind zu jedem Zeitpunkt nur etwa 350 bis 400 Kinder von dieser Erkrankung betroffen.
Ursachen
Die Erkrankung wird durch eine Punktmutation im LMNA-Gen verursacht, das auf Chromosom 1 liegt. Dieses Gen kodiert das Protein Lamin A, einen wesentlichen Bestandteil der Kernlamina, die den Zellkern stabilisiert. Durch die Mutation entsteht eine fehlerhafte, verkürzte Version von Lamin A, die als Progerin bezeichnet wird. Progerin lagert sich in der Kernmembran ab, stört deren Funktion und führt zu einer beschleunigten Zellalterung sowie zum vorzeitigen Zelltod.
Die Mutation tritt in der Regel spontan auf (de-novo-Mutation) und wird nicht von den Eltern vererbt. Die Erkrankung folgt einem autosomal-dominanten Erbgang.
Symptome
Betroffene Kinder sehen bei der Geburt meist unauffällig aus. Im Verlauf des ersten und zweiten Lebensjahres treten charakteristische Merkmale auf:
- Stark verlangsamtes Wachstum und sehr geringes Körpergewicht
- Verlust des Unterhautfettgewebes (Lipodystrophie)
- Auffallend kleines Gesicht mit unverhältnismäßig großem Schädel
- Hervorstehende Augen und unvollständiger Lidschluss
- Kleiner Kiefer und verzögerter oder ausbleibender Zahnwechsel
- Hohe, piepsige Stimme
- Verlust der Kopf- und Körperbehaarung (Alopezie)
- Sichtbare Venen unter der Haut
- Verhärtung und Verdickung der Haut (Sklerodermie-artige Veränderungen)
- Gelenksteife und Hüftluxationen
- Fortschreitende Atherosklerose (Verkalkung der Blutgefäße)
Die geistige Entwicklung der betroffenen Kinder ist in der Regel vollkommen normal.
Diagnose
Die Diagnose wird klinisch auf Grundlage der typischen körperlichen Merkmale gestellt und durch einen Gentest (molekulargenetische Analyse des LMNA-Gens) bestätigt. Bildgebende Verfahren wie Echokardiografie und Gefäßuntersuchungen werden eingesetzt, um das Ausmaß der kardiovaskulären Beteiligung zu beurteilen. Eine Pränataldiagnostik ist bei bekannter Mutation theoretisch möglich, jedoch aufgrund der in der Regel spontanen Entstehung der Mutation selten indiziert.
Behandlung
Eine ursächliche Heilung des Hutchinson-Gilford-Syndroms ist bislang nicht möglich. Die Behandlung zielt darauf ab, die Lebensqualität zu verbessern und die Lebenserwartung zu verlängern.
Medikamentöse Therapie
Im Jahr 2020 wurde Lonafarnib (Handelsname: Zokinvy) von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA als erstes spezifisch zugelassenes Medikament zur Behandlung der Progerie genehmigt. Lonafarnib ist ein Farnesyltransferase-Inhibitor, der die Anreicherung von Progerin in der Kernmembran reduziert. Klinische Studien haben gezeigt, dass Lonafarnib die durchschnittliche Lebenserwartung um etwa 2,5 Jahre verlängern kann.
Weitere Massnahmen
- Niedrig dosierte Acetylsalicylsaeure zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen
- Statine und andere Medikamente zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Physiotherapie zur Erhaltung der Gelenkbeweglichkeit
- Ernaehrungsberatung und Unterstuetzung bei der Gewichtszunahme
- Regelmaessige kardiologische Ueberwachung
Prognose
Die Lebenserwartung bei Hutchinson-Gilford-Syndrom ist stark eingeschränkt. Das durchschnittliche Sterbealter liegt ohne Behandlung bei etwa 13 bis 14 Jahren. Die häufigste Todesursache ist ein Herzinfarkt oder Schlaganfall infolge der fortschreitenden Atherosklerose. Mit der Einführung von Lonafarnib konnte die Lebenserwartung statistisch verbessert werden.
Quellen
- Gordon LB et al. - Association of Lonafarnib Treatment vs No Treatment With Mortality Rate in Patients With Hutchinson-Gilford Progeria Syndrome. JAMA. 2018;319(16):1687-1695.
- Hennekam RC - Hutchinson-Gilford Progeria Syndrome: Review of the Phenotype. American Journal of Medical Genetics Part A. 2006;140A:2603-2624.
- Progeria Research Foundation (PRF) - About Progeria. www.progeriaresearch.org (Stand: 2024).
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