Hiatus levatorius – Anatomie und klinische Bedeutung
Der Hiatus levatorius ist eine anatomische Öffnung im Beckenboden, durch die Harnröhre, Vagina und Rektum verlaufen. Er spielt eine zentrale Rolle für die Beckenbodengesundheit.
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Der Hiatus levatorius ist eine anatomische Öffnung im Beckenboden, durch die Harnröhre, Vagina und Rektum verlaufen. Er spielt eine zentrale Rolle für die Beckenbodengesundheit.
Definition und Anatomie
Der Hiatus levatorius (auch als Levatorspalt oder Hiatus genitalis bezeichnet) ist eine schlitzförmige Öffnung im Musculus levator ani, dem zentralen Muskel des Beckenbodens. Durch diese Öffnung treten beim Mann die Harnröhre und das Rektum hindurch, bei der Frau zusätzlich die Vagina. Der Hiatus levatorius wird vorne von den medialen Anteilen des Musculus pubococcygeus begrenzt und bildet den Durchtritt für lebenswichtige Strukturen des kleinen Beckens.
Die Größe und Form des Hiatus levatorius ist klinisch bedeutsam: Ein vergrößerter oder insuffizienter Hiatus steht im Zusammenhang mit Beckenbodendysfunktionen wie Beckenorganprolaps oder Harninkontinenz.
Klinische Bedeutung
Der Hiatus levatorius ist ein zentraler Bestandteil der Beckenbodendiagnostik und -therapie. Seine Größe wird in der klinischen Praxis häufig mittels transperinealer oder translabionskopischer Ultraschalluntersuchung sowie mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) gemessen. Eine vergrößerte Querschnittsfläche des Hiatus levatorius gilt als Risikofaktor für verschiedene urogynäkologische Erkrankungen.
Normwerte und Veränderungen
Beim transperinealen Ultraschall wird die Fläche des Hiatus levatorius im maximalen Valsalva-Manöver gemessen. Eine Fläche von mehr als 25 cm² wird in der Literatur als vergrößert (sog. Ballooning) betrachtet und ist mit einem erhöhten Risiko für Beckenorganprolaps assoziiert.
Ursachen einer Erweiterung des Hiatus levatorius
- Vaginale Entbindung: Besonders traumatische Geburten, wie die Entbindung mit Geburtszange oder Vakuumextraktion, können zu einer Überdehnung oder einem Riss des Musculus levator ani führen.
- Alterungsprozesse: Mit zunehmendem Alter verlieren die Beckenbodenstrukturen an Elastizität und Muskeltonus.
- Chronisch erhöhter intraabdomineller Druck: Adipositas, chronische Obstipation oder anhaltender Husten können den Beckenboden dauerhaft belasten.
- Genetische Disposition: Eine kongenitale Bindegewebsschwäche kann die Stabilität des Hiatus levatorius beeinflussen.
Assoziierte Erkrankungen und Beschwerden
- Beckenorganprolaps (POP): Absenkung von Blase, Gebärmutter oder Rektum durch den erweiterten Hiatus levatorius.
- Harninkontinenz: Belastungsinkontinenz durch unzureichende Beckenbodenunterstützung.
- Stuhlinkontinenz: Schwächung der Schließmuskelkomplexe durch veränderte Anatomie.
- Chronische Beckenschmerzen: Muskelverspannungen oder -risse im Bereich des Musculus levator ani.
Diagnose
Die Beurteilung des Hiatus levatorius erfolgt in erster Linie durch bildgebende Verfahren:
- Transperinealer Ultraschall (TPUS): Standardmethode zur Messung der Hiatus-Fläche in Ruhe und unter Belastung (Valsalva-Manöver). Nicht-invasiv, gut verfügbar und kostengünstig.
- Magnetresonanztomografie (MRT): Ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Beckenbodenstrukturen, insbesondere bei der Beurteilung von Muskelrissen (Avulsionen) des Musculus levator ani.
- Klinische Untersuchung: Palpation und funktionelle Tests des Beckenbodens durch spezialisierte Fachärzte, z. B. Urogynäkologen oder Proktologen.
Behandlung und Therapie
Die Behandlung richtet sich nach dem zugrunde liegenden Problem und dem Ausmaß der Dysfunktion:
Konservative Therapie
- Beckenbodentraining (Kegel-Übungen): Gezielte Kräftigung des Musculus levator ani und der umgebenden Beckenbodenmuskulatur.
- Physiotherapie: Spezialisierte Beckenbodentherapie durch ausgebildete Physiotherapeuten, ggf. mit Biofeedback.
- Pessartherapie: Einsatz von Pessaren bei Beckenorganprolaps zur mechanischen Unterstützung.
Operative Therapie
- Rekonstruktive Beckenbodenoperationen: Bei ausgeprägtem Beckenorganprolaps können operative Eingriffe (z. B. Kolporrhaphie, sakrospinale Fixation) erforderlich sein.
- Levatorplastik: Operative Raffung und Rekonstruktion des Musculus levator ani bei schweren Rissen.
Quellen
- Dietz HP. Pelvic floor ultrasound: a review. Am J Obstet Gynecol. 2010;202(4):321-334.
- Ashton-Miller JA, DeLancey JO. Functional anatomy of the female pelvic floor. Ann N Y Acad Sci. 2007;1101:266-296.
- Bump RC, Mattiasson A, Bo K et al. The standardization of terminology of female pelvic organ prolapse and pelvic floor dysfunction. Am J Obstet Gynecol. 1996;175(1):10-17.
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