Harnsäurestoffwechsel – Grundlagen & Störungen
Der Harnsäurestoffwechsel beschreibt den Abbau von Purinen im Körper, wobei Harnsäure als Endprodukt entsteht. Ein gestörter Stoffwechsel kann zu Gicht oder Nierensteinen führen.
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Der Harnsäurestoffwechsel beschreibt den Abbau von Purinen im Körper, wobei Harnsäure als Endprodukt entsteht. Ein gestörter Stoffwechsel kann zu Gicht oder Nierensteinen führen.
Was ist der Harnsäurestoffwechsel?
Der Harnsäurestoffwechsel bezeichnet den biochemischen Prozess, bei dem Purine – Bestandteile der Erbsubstanz (DNA und RNA) – im menschlichen Körper abgebaut werden. Das Endprodukt dieses Abbaus ist die Harnsäure (chemisch: 2,6,8-Trioxypurin). Harnsäure wird überwiegend über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden, ein kleinerer Anteil gelangt über den Darm nach außen.
Purine werden sowohl aus der Nahrung aufgenommen als auch vom Körper selbst synthetisiert und beim Zellabbau freigesetzt. Ein gut funktionierender Harnsäurestoffwechsel sorgt dafür, dass die Harnsäurekonzentration im Blut (Serumharnsäure) in einem gesunden Bereich bleibt. Erhöhte Werte werden als Hyperurikämie bezeichnet und können verschiedene Erkrankungen auslösen.
Biochemie und Ablauf des Stoffwechsels
Der Abbau von Purinen verläuft in mehreren Schritten:
- Purinbasen wie Adenin und Guanin werden zunächst zu Hypoxanthin bzw. Xanthin umgewandelt.
- Das Enzym Xanthinoxidase katalysiert die Oxidation von Hypoxanthin zu Xanthin und anschließend von Xanthin zu Harnsäure.
- Im Gegensatz zu vielen anderen Säugetieren besitzen Menschen kein funktionsfähiges Uricase-Enzym, das Harnsäure weiter zu dem besser löslichen Allantoin abbauen könnte. Deshalb ist der Mensch besonders anfällig für erhöhte Harnsäurewerte.
Regulierung der Harnsäurekonzentration
Die Harnsäurekonzentration im Blut wird durch das Gleichgewicht zwischen Produktion und Ausscheidung bestimmt. Wichtige Einflussfaktoren sind:
- Ernährung: Purinreiche Lebensmittel wie Innereien, Meeresfrüchte, Fleisch und bestimmte Hülsenfrüchte erhöhen die Harnsäureproduktion.
- Alkohol: Besonders Bier und Spirituosen hemmen die renale Harnsäureausscheidung und fördern deren Produktion.
- Flüssigkeitszufuhr: Ausreichend Trinken fördert die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren.
- Genetik: Erbliche Varianten in Genen, die Transportproteine für Harnsäure kodieren (z. B. URAT1, GLUT9), beeinflussen die Ausscheidungsfähigkeit erheblich.
- Medikamente: Bestimmte Diuretika (Entwässerungsmittel) sowie Aspirin in niedrigen Dosen können den Harnsäurespiegel erhöhen.
Störungen des Harnsäurestoffwechsels
Hyperurikämie
Von einer Hyperurikämie spricht man, wenn der Harnsäurespiegel im Blut dauerhaft erhöht ist (bei Männern über 6,8 mg/dl, bei Frauen über 6,0 mg/dl). Sie verläuft häufig ohne Beschwerden, kann aber langfristig zu ernsthaften Erkrankungen führen.
Gicht (Arthritis urica)
Wenn Harnsäurekristalle (Mononatriumurat-Kristalle) in Gelenken und umliegendem Gewebe abgelagert werden, entsteht Gicht. Typisch sind plötzliche, sehr schmerzhafte Gelenkentzündungen, häufig am Großzehengrundgelenk. Chronische Gicht kann zu Tophi (Harnsäureablagerungen unter der Haut) und Gelenkzerstörungen führen.
Urolithiasis (Harnsäurenierensteine)
Ein dauerhaft erhöhter Harnsäurespiegel oder ein zu saurer Urin kann zur Bildung von Harnsäurenierensteinen führen, die starke Schmerzen und Nierenprobleme verursachen können.
Lesch-Nyhan-Syndrom
Das Lesch-Nyhan-Syndrom ist eine seltene, erbliche Stoffwechselerkrankung, bei der ein Enzymdefekt (Mangel an HGPRT) zu einer massiven Überproduktion von Harnsäure führt und schwere neurologische Symptome verursacht.
Diagnose
Die Diagnose von Störungen des Harnsäurestoffwechsels erfolgt durch:
- Bluttest: Bestimmung des Serumharnsäurespiegels
- Urintest: Messung der Harnsäureausscheidung im 24-Stunden-Sammelurin
- Bildgebung: Ultraschall oder Röntgen zur Darstellung von Nierensteinen oder Gichttophi
- Gelenkpunktion: Nachweis von Uratkristallen in der Gelenkflüssigkeit bei Verdacht auf Gicht
Behandlung und Prävention
Ernährungsumstellung
Eine purinarme Ernährung, die Reduktion von Alkohol sowie ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind grundlegende Maßnahmen zur Senkung des Harnsäurespiegels. Empfohlen werden mageres Fleisch in Maßen, viel Gemüse, fettarme Milchprodukte und Kaffee (in moderaten Mengen).
Medikamentöse Therapie
- Xanthinoxidase-Hemmer (z. B. Allopurinol, Febuxostat): Hemmen das Schlüsselenzym des Harnsäureabbaus und senken damit die Harnsäureproduktion.
- Urikosurika (z. B. Benzbromaron, Probenecid): Fördern die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren.
- Colchicin und NSAR: Werden bei akuten Gichtanfällen zur Entzündungshemmung eingesetzt.
Quellen
- Zöllner N., Gröbner W. (Hrsg.) – Purine Metabolism in Man. Springer-Verlag, Berlin (1984).
- Richette P., Doherty M. et al. – 2016 updated EULAR evidence-based recommendations for the management of gout. Annals of the Rheumatic Diseases, 76(1):29–42 (2017). PubMed PMID: 27457514.
- World Health Organization (WHO) – Diet, Nutrition and the Prevention of Chronic Diseases. WHO Technical Report Series 916, Geneva (2003).
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