Hyperkoagulabilität – Ursachen, Symptome & Therapie
Hyperkoagulabilität bezeichnet eine erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes, die das Risiko für Thrombosen und Embolien steigert. Sie kann angeboren oder erworben sein.
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Hyperkoagulabilität bezeichnet eine erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes, die das Risiko für Thrombosen und Embolien steigert. Sie kann angeboren oder erworben sein.
Was ist Hyperkoagulabilität?
Hyperkoagulabilität (auch: gesteigerte Gerinnungsneigung oder Thrombophilie) beschreibt einen Zustand, bei dem das Blut schneller oder stärker gerinnt als normal. Dies erhöht das Risiko, dass sich unerwünschte Blutgerinnsel (Thromben) in den Blutgefäßen bilden. Solche Gerinnsel können Blutgefäße verstopfen und zu lebensbedrohlichen Erkrankungen wie einer tiefen Venenthrombose (TVT) oder einer Lungenembolie führen.
Ursachen
Hyperkoagulabilität kann angeboren (primär) oder erworben (sekundär) sein.
Angeborene (primäre) Ursachen
- Faktor-V-Leiden-Mutation: Eine der häufigsten genetischen Ursachen; das Protein Faktor V reagiert nicht ausreichend auf gerinnungshemmende Signale.
- Prothrombin-Mutation (G20210A): Erhöhte Menge des Gerinnungsfaktors Prothrombin im Blut.
- Protein-C- oder Protein-S-Mangel: Diese natürlichen Gerinnungshemmer sind vermindert oder funktionsgestört.
- Antithrombin-III-Mangel: Verminderter Spiegel eines wichtigen Hemmstoffs der Blutgerinnung.
Erworbene (sekundäre) Ursachen
- Antiphospholipid-Syndrom (Autoimmunerkrankung mit Bildung gerinnungsfördernder Antikörper)
- Schwangerschaft und Wochenbett
- Einnahme von östrogenhaltigen Verhütungsmitteln oder Hormonersatztherapie
- Bettlägerigkeit oder Immobilisierung (z. B. nach Operationen)
- Krebserkrankungen (Malignome)
- Herzinsuffizienz, nephrotisches Syndrom, entzündliche Darmerkrankungen
- Rauchen, starkes Übergewicht (Adipositas)
Symptome
Hyperkoagulabilität selbst verursacht häufig keine direkten Beschwerden. Symptome treten erst auf, wenn sich ein Blutgerinnsel gebildet hat:
- Tiefe Venenthrombose (TVT): Schwellung, Schmerzen, Rötung und Wärme, meist in einem Bein
- Lungenembolie: Plötzliche Atemnot, Brustschmerzen, Herzrasen, Bluthusten
- Schlaganfall oder TIA: Plötzliche Lähmungen, Sprachstörungen, Sehprobleme
- Herzinfarkt: Brustschmerzen, Ausstrahlung in Arm oder Kiefer, Schweißausbrüche
- Wiederkehrende Fehlgeburten (bei Antiphospholipid-Syndrom)
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und Laboruntersuchungen:
- Blutbild und Gerinnungstests (z. B. Quick-Wert/INR, aPTT, D-Dimere)
- Genetische Tests auf Faktor-V-Leiden, Prothrombin-Mutation u. a.
- Bestimmung von Protein C, Protein S und Antithrombin III
- Antiphospholipid-Antikörper (z. B. Lupusantikoagulans, Anticardiolipin-Antikörper)
- Bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Doppler-Sonografie) oder CT-Angiografie bei Verdacht auf Thrombose
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der Ursache, dem Ausmaß der Gerinnungsstörung und dem individuellen Risikoprofil:
Medikamentöse Behandlung
- Antikoagulanzien (Blutverdünner): Heparin (kurzfristig, z. B. im Krankenhaus), Vitamin-K-Antagonisten (z. B. Marcumar) oder direkte orale Antikoagulanzien (DOAK, z. B. Rivaroxaban, Apixaban)
- Thrombozytenaggregationshemmer (z. B. Acetylsalicylsäure) in bestimmten Situationen
Allgemeine Maßnahmen
- Kompressionsstrümpfe bei Venenthrombose
- Frühmobilisation nach Operationen
- Gewichtsreduktion und Rauchentwöhnung
- Anpassung von Verhütungsmitteln bei bekannter Thrombophilie
Quellen
- Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie. Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA), 2023.
- Middeldorp S. et al. - Thrombophilia: an update. Thrombosis and Haemostasis, 2021; 121(12):1547-1554. PubMed PMID: 34320655.
- Kasper D. L. et al. (Hrsg.) - Harrison's Principles of Internal Medicine, 21. Auflage. McGraw-Hill, 2022.
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