Pleuramesotheliom: Ursachen, Symptome & Therapie
Das Pleuramesotheliom ist ein seltener, bösartiger Tumor der Pleura (Brustfell). Es entsteht meist durch langjährige Asbestexposition und wird häufig erst spät diagnostiziert.
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Das Pleuramesotheliom ist ein seltener, bösartiger Tumor der Pleura (Brustfell). Es entsteht meist durch langjährige Asbestexposition und wird häufig erst spät diagnostiziert.
Was ist ein Pleuramesotheliom?
Das Pleuramesotheliom ist ein seltener, aber aggressiver bösartiger Tumor, der von den Mesothelzellen der Pleura – dem Brustfell, das die Lunge und den Brustraum auskleidet – ausgeht. Es handelt sich um die häufigste Form des Mesothelioms und macht rund 80 % aller Mesotheliomfälle aus. Aufgrund seiner langen Latenzzeit von 20 bis 50 Jahren nach der auslösenden Exposition wird die Erkrankung oft erst in fortgeschrittenen Stadien erkannt.
Ursachen und Risikofaktoren
Die mit Abstand häufigste Ursache des Pleuramesothelioms ist die Exposition gegenüber Asbestfasern. Asbest wurde bis in die 1990er Jahre in der Bauindustrie, im Schiffbau und in anderen Industriezweigen weit verbreitet eingesetzt. Die eingeatmeten Fasern lagern sich im Brustfell ab und verursachen chronische Entzündungen, die im Laufe der Jahrzehnte zur malignen Transformation führen können.
- Asbestexposition: Berufliche oder häusliche Exposition gegenüber Asbestfasern ist in über 80 % der Fälle die Hauptursache.
- Erionit-Exposition: Ein natürliches Mineral, das in bestimmten Regionen der Welt vorkommt und ebenfalls mit Mesotheliom assoziiert ist.
- Strahlentherapie: Eine frühere Bestrahlung des Brustkorbs kann in seltenen Fällen das Risiko erhöhen.
- Genetische Faktoren: Mutationen im BAP1-Gen erhöhen die individuelle Empfindlichkeit.
Symptome
Die Symptome des Pleuramesothelioms entwickeln sich schleichend und sind zunächst oft unspezifisch, was die frühe Diagnose erschwert:
- Anhaltender, einseitiger Brustschmerz
- Dyspnoe (Atemnot), häufig durch einen Pleuraerguss (Flüssigkeitsansammlung im Brustfell) bedingt
- Chronischer Husten
- Unerklärlicher Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit
- Fieber und Nachtschweiß
- Im fortgeschrittenen Stadium: Schluckbeschwerden und Heiserkeit durch Kompression benachbarter Strukturen
Diagnose
Die Diagnose eines Pleuramesothelioms erfordert mehrere Untersuchungsschritte:
Bildgebende Verfahren
Eine Computertomographie (CT) des Brustkorbs ist die wichtigste Erstuntersuchung und zeigt typischerweise einen Pleuraerguss, pleurale Verdickungen oder Plaques. Die MRT und PET-CT liefern ergänzende Informationen zur Tumorausdehnung und möglichen Metastasen.
Biopsie und Histologie
Die Sicherung der Diagnose erfolgt durch eine Gewebeentnahme (Biopsie), meist mittels videoassistierter Thorakoskopie (VATS). Die histologische Untersuchung unterscheidet drei Hauptsubtypen:
- Epitheloider Typ (häufigster, ca. 60 %, günstigste Prognose)
- Sarkomatoider Typ (aggressivster Verlauf, schlechteste Prognose)
- Biphasischer (gemischter) Typ
Labordiagnostik
Tumormarker wie Mesothelinpeptide (SMRP) und Fibulin-3 im Blut können als unterstützende Marker herangezogen werden, ersetzen jedoch nicht die histologische Sicherung.
Staging
Die Stadieneinteilung des Pleuramesothelioms erfolgt nach dem TNM-System (Tumor, Lymphknoten, Metastasen) der AJCC/UICC. Die Stadien I bis IV beschreiben die lokale Tumorausdehnung bis hin zu Fernmetastasen. Das Stadium bei Erstdiagnose beeinflusst die Therapieentscheidung und die Prognose maßgeblich.
Behandlung
Die Behandlung des Pleuramesothelioms ist multimodal und richtet sich nach Stadium, Subtyp sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.
Chemotherapie
Die Standarderstlinientherapie ist eine Kombination aus Cisplatin und Pemetrexed. Diese Kombination verlängert das mediane Überleben im Vergleich zur Monotherapie signifikant. Folsäure und Vitamin B12 werden begleitend zur Reduktion der Toxizität verabreicht.
Immuntherapie
Die Kombination aus Nivolumab und Ipilimumab (Checkpoint-Inhibitoren) hat in der CheckMate-743-Studie eine signifikante Überlebensverlängerung gegenüber der Chemotherapie gezeigt und ist als Erstlinientherapie zugelassen, insbesondere für den nicht-epitheloiden Subtyp.
Chirurgie
Operative Eingriffe wie die pleurektomische Dekortikation (P/D) oder die radikalere extrapleurale Pneumonektomie (EPP) werden in ausgewählten Fällen im Frühstadium in spezialisierten Zentren durchgeführt. Das Ziel ist die makroskopisch vollständige Resektion des Tumors.
Strahlentherapie
Die Strahlentherapie wird vor allem adjuvant nach einer Operation sowie zur Schmerzlinderung (palliativ) eingesetzt. Die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) ermöglicht eine präzisere Dosisapplikation.
Palliativmedizin
Bei fortgeschrittenem Mesotheliom steht die Lebensqualität im Vordergrund. Dazu gehören regelmäßige Pleurapunktionen oder die Anlage eines Pleuradauerkatheters zur Druckentlastung bei rezidivierenden Pleuraergüssen sowie eine adäquate Schmerztherapie.
Prognose
Die Prognose des Pleuramesothelioms ist insgesamt ungünstig. Das mediane Überleben beträgt je nach Subtyp und Stadium 9 bis 18 Monate. Der epitheloide Subtyp und ein frühes Erkrankungsstadium sind mit besseren Überlebensraten assoziiert. Aktuelle Fortschritte in der Immuntherapie verbessern die Prognose für einen Teil der Patienten.
Quellen
- Ettinger DS et al. - NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology: Malignant Pleural Mesothelioma, Version 2023. National Comprehensive Cancer Network (NCCN), 2023.
- Baas P et al. - First-line nivolumab plus ipilimumab in unresectable malignant pleural mesothelioma (CheckMate 743): a multicentre, randomised, open-label, phase 3 trial. The Lancet, 2021; 397(10272): 375-386.
- Deutsche Krebsgesellschaft - S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Mesothelioms, AWMF-Registernummer 026-019, 2019.
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