Postaggressionssyndrom – Ursachen, Symptome & Therapie
Das Postaggressionssyndrom beschreibt die systemische Stressreaktion des Körpers nach schweren Verletzungen, Operationen oder Infektionen. Es umfasst Stoffwechsel- und Organveränderungen, die die Genesung beeinflussen.
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Das Postaggressionssyndrom beschreibt die systemische Stressreaktion des Körpers nach schweren Verletzungen, Operationen oder Infektionen. Es umfasst Stoffwechsel- und Organveränderungen, die die Genesung beeinflussen.
Was ist das Postaggressionssyndrom?
Das Postaggressionssyndrom (PAS) bezeichnet die komplexe, systemische Reaktion des menschlichen Organismus auf starke körperliche Belastungen wie schwere Verletzungen (Trauma), ausgedehnte operative Eingriffe, schwere Infektionen (Sepsis) oder Verbrennungen. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort aggressio (Angriff) ab und beschreibt bildlich den Angriff auf den Körper durch diese auslösenden Ereignisse. Die Reaktion ist eine phylogenetisch alte Überlebensstrategie des Organismus, die jedoch in ihrer überschießenden Form zu ernsthaften Komplikationen führen kann.
Ursachen und auslösende Faktoren
Das Postaggressionssyndrom wird durch eine Vielzahl schwerer körperlicher Noxen ausgelöst. Zu den häufigsten Auslösern zählen:
- Schwere Traumata: Polytrauma, Schädel-Hirn-Trauma, Frakturen
- Chirurgische Eingriffe: Große abdominal- oder thoraxchirurgische Operationen
- Schwere Infektionen: Sepsis, Peritonitis, Pneumonie
- Verbrennungen: Ausgedehnte thermische Verletzungen
- Schockzustände: Hämorrhagischer, septischer oder kardiogener Schock
- Pankreatitis: Schwere akute Bauchspeicheldrüsenentzündung
Der gemeinsame Nenner all dieser Auslöser ist eine massive Aktivierung des Neuroendokriniums sowie des Immun- und Gerinnungssystems.
Pathophysiologie und Phasen
Das Postaggressionssyndrom verläuft in charakteristischen Phasen, die sich in Stoffwechsel- und Organfunktionsänderungen widerspiegeln:
Ebb-Phase (Schockphase)
In den ersten Stunden nach dem auslösenden Ereignis kommt es zur sogenannten Ebb-Phase. Der Körper reagiert mit einem Abfall des Herzminutenvolumens, einem reduzierten Energieverbrauch und einer Zentralisierung des Kreislaufs. Die Körpertemperatur sinkt, der Stoffwechsel wird gedrosselt, um lebenswichtige Organe zu schützen.
Flow-Phase (Hypermetabole Phase)
Nach der initialen Schockphase folgt die Flow-Phase, die durch einen stark erhöhten Stoffwechsel (Hypermetabolismus) gekennzeichnet ist. In dieser Phase kommt es zu:
- Erhöhtem Grundumsatz und gesteigertem Sauerstoffverbrauch
- Katabolismus: Abbau von Muskeleiweiß zur Energiegewinnung (negative Stickstoffbilanz)
- Erhöhten Blutglukosespiegeln (Stressdiabetes)
- Fieber und systemischer Entzündungsreaktion (SIRS – Systemic Inflammatory Response Syndrome)
- Freisetzung von Stresshormonen wie Cortisol, Adrenalin, Noradrenalin und Glukagon
- Erhöhter Ausschüttung von Zytokinen wie TNF-alpha, Interleukin-1 und Interleukin-6
Anabole Erholungsphase
Wenn das auslösende Ereignis erfolgreich behandelt wird und keine Komplikationen auftreten, folgt die anabole Erholungsphase mit allmählicher Normalisierung des Stoffwechsels, Wiederaufbau von Muskelgewebe und Regeneration der Organfunktionen.
Klinische Symptome
Das Postaggressionssyndrom manifestiert sich durch ein breites Spektrum klinischer Zeichen:
- Fieber oder Hypothermie
- Tachykardie (beschleunigter Herzschlag)
- Tachypnoe (beschleunigte Atmung)
- Erhöhte oder erniedrigte Leukozytenanzahl im Blut
- Muskelschwund (Sarkopenie) und Gewichtsverlust
- Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker)
- Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts
- Gerinnungsstörungen bis hin zur disseminierten intravasalen Koagulation (DIC)
In schweren Fällen kann das Postaggressionssyndrom zu einem Multiorganversagen (MOV) führen, bei dem mehrere lebenswichtige Organe wie Lunge, Niere, Leber und Herz gleichzeitig in ihrer Funktion beeinträchtigt sind.
Diagnose
Die Diagnose des Postaggressionssyndroms basiert auf klinischen Befunden und Laborparametern. Typische diagnostische Maßnahmen umfassen:
- Laboruntersuchungen: Blutbild, Entzündungsmarker (CRP, Procalcitonin, IL-6), Blutzucker, Laktat, Albumin, Harnstoffstickstoff (als Marker des Eiweißkatabolismus)
- Vitalparameter-Monitoring: Herzfrequenz, Atemfrequenz, Körpertemperatur, Blutdruck
- Organfunktionsparameter: Kreatinin (Niere), Transaminasen (Leber), Troponin (Herz), Blutgasanalyse (Lunge)
- SOFA-Score (Sequential Organ Failure Assessment): Klinisches Bewertungssystem zur Erfassung des Organversagens
Behandlung und intensivmedizinisches Management
Die Behandlung des Postaggressionssyndroms ist multidisziplinär und zielt darauf ab, die Ursache zu behandeln, die Organfunktionen zu stabilisieren und den Katabolismus zu begrenzen:
Kausale Therapie
Vorrangig ist die Behandlung des auslösenden Ereignisses, z. B. chirurgische Sanierung eines Infektionsherdes, Antibiotikatherapie bei Sepsis oder operative Versorgung von Verletzungen.
Intensivmedizinische Supporttherapie
- Hämodynamische Stabilisierung: Volumentherapie, Vasopressoren bei Schock
- Beatmungstherapie: Lungenprotektive Beatmung bei Atemversagen
- Nierenersatztherapie: Dialyse bei akutem Nierenversagen
- Blutzuckerkontrolle: Insulintherapie zur Normoglykämie
Ernährungstherapie
Eine angepasste Ernährungstherapie ist essenziell, um den Katabolismus zu begrenzen und die Regeneration zu fördern. Leitlinien (z. B. der ESPEN) empfehlen:
- Frühzeitige enterale Ernährung (über den Magen-Darm-Trakt) innerhalb von 24–48 Stunden nach dem Ereignis
- Ausreichende Protein- und Kalorienzufuhr angepasst an den Hypermetabolismus
- Supplementierung mit spezifischen Nährstoffen wie Glutamin, Omega-3-Fettsäuren und Antioxidanzien
- Parenterale Ernährung (über die Vene) nur bei Kontraindikation gegen enterale Ernährung
Frühzeitige Mobilisation und Physiotherapie
Um dem Muskelschwund entgegenzuwirken, wird eine frühzeitige Mobilisation und physiotherapeutische Betreuung der Patientinnen und Patienten empfohlen.
Prognose
Die Prognose des Postaggressionssyndroms hängt stark von der Schwere des auslösenden Ereignisses, dem Alter, den Vorerkrankungen und der Qualität der intensivmedizinischen Versorgung ab. Durch moderne Intensivmedizin, frühzeitige Ernährungstherapie und konsequentes Organfunktionsmonitoring konnte die Sterblichkeit in den letzten Jahrzehnten deutlich gesenkt werden. Dennoch bleibt das Multiorganversagen als schwerste Komplikation mit einer hohen Mortalität verbunden.
Quellen
- Weissman C. - The metabolic response to stress: an overview and update. Anesthesiology. 1990;73(2):308-327. PubMed PMID: 2200312.
- Singer P. et al. - ESPEN guideline on clinical nutrition in the intensive care unit. Clinical Nutrition. 2019;38(1):48-79. doi:10.1016/j.clnu.2018.08.037.
- Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. 268. Auflage. De Gruyter, Berlin 2020.
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