Phytotherapeutikum – pflanzliche Arzneimittel erklärt
Ein Phytotherapeutikum ist ein pflanzliches Arzneimittel, das aus Heilpflanzen oder deren Extrakten hergestellt wird und zur Vorbeugung oder Behandlung von Beschwerden eingesetzt wird.
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Ein Phytotherapeutikum ist ein pflanzliches Arzneimittel, das aus Heilpflanzen oder deren Extrakten hergestellt wird und zur Vorbeugung oder Behandlung von Beschwerden eingesetzt wird.
Was ist ein Phytotherapeutikum?
Ein Phytotherapeutikum (Plural: Phytotherapeutika, auch Phytopharmakon genannt) ist ein Arzneimittel pflanzlichen Ursprungs. Es wird aus Heilpflanzen, Pflanzenteilen oder deren Inhaltsstoffen gewonnen und medizinisch eingesetzt. Die Grundlage bildet die Phytotherapie – ein Teilgebiet der Medizin, das sich mit der Anwendung von Pflanzen und Pflanzenextrakten zur Behandlung und Vorbeugung von Erkrankungen befasst. Phytotherapeutika gelten als eines der ältesten Heilmittel der Menschheit und sind heute in der modernen Medizin anerkannte Arzneimittel.
Wirkmechanismus
Die therapeutische Wirkung von Phytotherapeutika beruht auf den in Pflanzen enthaltenen bioaktiven Sekundärstoffen, also Verbindungen, die die Pflanze zum eigenen Schutz bildet. Zu den wichtigsten Wirkstoffgruppen zählen:
- Flavonoide – antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften (z. B. in Kamille oder Holunderblüten)
- Alkaloide – nervenwirksame oder schmerzlindernde Stoffe (z. B. Coffein aus der Kaffeepflanze)
- Ätherische Öle – antiseptische und krampflösende Wirkung (z. B. Pfefferminzöl, Thymian)
- Gerbstoffe (Tannine) – zusammenziehende und entzündungshemmende Wirkung (z. B. in Eichenrinde)
- Glykoside – vielfältige Wirkungen, z. B. herzwirksam oder harntreibend (z. B. Herzglykoside aus dem Fingerhut)
- Saponine – schleimlösende Eigenschaften (z. B. in Efeu oder Schlüsselblume)
Phytotherapeutika wirken häufig durch ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Wirkstoffe – man spricht dabei vom sogenannten Vielstoffgemisch oder Synergieeffekt.
Anwendungsgebiete
Phytotherapeutika werden bei einer Vielzahl von Beschwerden und Erkrankungen eingesetzt. Typische Anwendungsgebiete umfassen:
- Erkältungskrankheiten: Echinacea, Thymian, Holunder
- Magen-Darm-Beschwerden: Kamille, Fenchel, Pfefferminze, Artischocke
- Schlaf- und Nervenstörungen: Baldrian, Hopfen, Passionsblume, Lavendel
- Lebererkrankungen: Mariendistel (Silymarin)
- Herzkreislaufbeschwerden: Weißdorn
- Depressive Verstimmungen: Johanniskraut
- Entzündliche Hauterkrankungen: Aloe vera, Ringelblume (Calendula)
- Harnwegsinfektionen: Bärentraube, Brennnessel
Darreichungsformen
Phytotherapeutika sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter:
- Tabletten und Kapseln mit standardisierten Pflanzenextrakten
- Tinkturen und Flüssigextrakte
- Tees (Aufgüsse und Abkochungen)
- Salben, Cremes und Gele zur äußerlichen Anwendung
- Tropfen und Sirupe
Zulassung und Qualität
In Deutschland und der Europäischen Union unterliegen Phytotherapeutika dem Arzneimittelrecht. Sie müssen entweder vollständig zugelassen oder als traditionelles pflanzliches Arzneimittel registriert sein. Die Zulassungsbehörde in Deutschland ist das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Auf europäischer Ebene bewertet der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) die Wirksamkeit und Sicherheit pflanzlicher Präparate.
Die Qualität eines Phytotherapeutikums wird durch die Standardisierung des Wirkstoffgehalts und die Einhaltung der Guten Herstellungspraxis (GMP) gewährleistet.
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Obwohl Phytotherapeutika als natürliche Mittel gelten, können sie Nebenwirkungen haben und mit anderen Arzneimitteln wechselwirken. Bekannte Beispiele sind:
- Johanniskraut kann die Wirkung von Verhütungsmitteln, Immunsuppressiva und Blutverdünnern abschwächen.
- Ginkgo biloba kann die Blutungszeit verlängern und sollte vor Operationen abgesetzt werden.
- Lakritze (Glycyrrhizin) kann bei hohem Konsum den Blutdruck erhöhen.
Patienten sollten ihren Arzt oder Apotheker stets über die Einnahme von Phytotherapeutika informieren, um unerwünschte Wechselwirkungen zu vermeiden.
Abgrenzung zu Nahrungsergänzungsmitteln
Phytotherapeutika sind von Nahrungsergänzungsmitteln mit pflanzlichen Inhaltsstoffen klar abzugrenzen. Während Arzneimittel einen klinisch nachgewiesenen Nutzen belegen müssen und einer strengen behördlichen Kontrolle unterliegen, gelten für Nahrungsergänzungsmittel weitaus geringere Anforderungen. Verbraucher sollten daher auf das Vorliegen einer Zulassung oder Registrierung als Arzneimittel achten.
Quellen
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Pflanzliche Arzneimittel. Verfügbar unter: www.bfarm.de
- European Medicines Agency (EMA), Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): Herbal medicinal products. Verfügbar unter: www.ema.europa.eu
- Wichtl M. (Hrsg.): Teedrogen und Phytopharmaka. Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage. 6. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2016.
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