Picornaviridae – RNA-Viren, Erreger und Erkrankungen
Picornaviridae ist eine Familie kleiner RNA-Viren, zu der bekannte Krankheitserreger wie Polio-, Rhino- und Enteroviren gehören. Sie verursachen Erkrankungen der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts und des Nervensystems.
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Picornaviridae ist eine Familie kleiner RNA-Viren, zu der bekannte Krankheitserreger wie Polio-, Rhino- und Enteroviren gehören. Sie verursachen Erkrankungen der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts und des Nervensystems.
Was sind Picornaviridae?
Picornaviridae ist eine große Familie von kleinen, nicht umhüllten RNA-Viren. Der Name leitet sich aus dem Italienischen pico (klein) und dem Englischen RNA ab. Diese Virenfamilie umfasst zahlreiche medizinisch bedeutsame Erreger, die eine Vielzahl von Erkrankungen beim Menschen und bei Tieren verursachen können. Bekannte Gattungen sind unter anderem Enterovirus (z. B. Poliovirus, Coxsackievirus), Rhinovirus (häufigste Ursache des Erkältungsschnupfens) und Hepatovirus (Hepatitis-A-Virus).
Eigenschaften und Aufbau
Picornaviren sind sehr klein (ca. 27–30 nm) und besitzen ein einzelsträngiges RNA-Genom mit positiver Polarität (Plus-Strang-RNA). Sie haben kein Lipid-Hüllmembran, was sie widerstandsfähiger gegenüber Fettlösungsmitteln und Austrocknung macht. Das Kapsid (Proteinhülle) ist ikosaedrisch aufgebaut und schützt das genetische Material.
- Genomgröße: ca. 7.000–8.500 Nukleotide
- Kein Hüllmembran (non-enveloped)
- Ikosaedrisches Kapsid
- Plus-Strang-RNA-Genom
Klassifikation und wichtige Gattungen
Die Familie Picornaviridae ist in zahlreiche Gattungen unterteilt. Medizinisch besonders relevant sind:
- Enterovirus: Umfasst Polioviren (Erreger der Kinderlähmung), Coxsackieviren (u. a. Hand-Fuß-Mund-Krankheit), Echoviren und das Enterovirus D68 (Atemwegserkrankungen).
- Rhinovirus: Häufigste Ursache des Schnupfens und von Erkältungskrankheiten beim Menschen; über 100 Serotypen bekannt.
- Hepatovirus: Das Hepatitis-A-Virus verursacht eine akute Leberentzündung, die meist über kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel übertragen wird.
- Parechovirus: Kann bei Säuglingen und Kleinkindern schwere systemische Infektionen verursachen.
- Aphthovirus: Erreger der Maul- und Klauenseuche bei Nutztieren.
Übertragungswege
Die Übertragung von Picornaviren erfolgt je nach Gattung auf unterschiedliche Weise:
- Fäkal-oral: Hauptübertragungsweg für Enteroviren und das Hepatitis-A-Virus. Erreger werden über kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel aufgenommen.
- Tröpfcheninfektion: Rhinoviren werden vorwiegend durch Atemtröpfchen und direkten Kontakt mit infizierten Sekreten übertragen.
- Kontaktinfektion: Direkte Berührung mit infizierten Personen oder kontaminierten Oberflächen.
Verursachte Erkrankungen
Picornaviren sind für eine breite Palette von Erkrankungen verantwortlich:
- Erkältung und Rhinitis (Rhinoviren)
- Poliomyelitis (Kinderlähmung) durch Polioviren
- Hand-Fuß-Mund-Krankheit (Coxsackieviren)
- Herpangina (Coxsackieviren)
- Aseptische Meningitis und Enzephalitis (Enteroviren)
- Hepatitis A (Hepatitis-A-Virus)
- Myokarditis (Herzmuskelentzündung) durch Coxsackieviren
- Schwere Atemwegsinfektionen durch Enterovirus D68
Diagnose
Die Diagnose von Picornavirus-Infektionen erfolgt durch verschiedene labordiagnostische Methoden:
- PCR (Polymerase-Kettenreaktion): Goldstandard zur direkten Erregerdiagnostik in Stuhl-, Rachenabstrich-, Blut- oder Liquorproben.
- Virusanzucht: Kulturelle Anzucht in Zellkulturen, wird heute seltener eingesetzt.
- Serologie: Nachweis spezifischer Antikörper (z. B. bei Hepatitis A).
Behandlung und Prävention
Für die meisten Picornavirus-Infektionen stehen keine spezifischen antiviralen Therapien zur Verfügung. Die Behandlung erfolgt meist symptomatisch:
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Ruhe
- Fiebersenkende Medikamente bei Bedarf
- Intensivmedizinische Maßnahmen bei schweren Verläufen (z. B. Atemunterstützung bei Poliomyelitis)
Präventiv stehen für einige Picornaviren Schutzimpfungen zur Verfügung:
- Polio-Impfung: Hochwirksamer Schutz durch inaktiviertes (IPV) oder orales (OPV) Poliovirus-Vakzin; die WHO strebt die globale Ausrottung der Poliomyelitis an.
- Hepatitis-A-Impfung: Inaktivierter Impfstoff mit sehr guter Schutzwirkung, empfohlen für Risikogruppen und Reisende.
Allgemeine Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen, sicheres Trinkwasser und sichere Lebensmittelzubereitung sind entscheidend zur Prävention fäkal-oral übertragener Picornaviren.
Quellen
- World Health Organization (WHO): Poliomyelitis Fact Sheet. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/poliomyelitis (2023)
- Flint SJ, Racaniello VR, Skalka AM et al. - Principles of Virology, 4th Edition. ASM Press, Washington D.C. (2015)
- Knipe DM, Howley PM (Hrsg.) - Fields Virology, 7th Edition. Lippincott Williams and Wilkins, Philadelphia (2021)
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