Phenothiazin – Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
Phenothiazin ist eine chemische Grundstruktur, auf der eine wichtige Klasse von Psychopharmaka basiert. Phenothiazine werden vor allem als Antipsychotika und Antiemetika eingesetzt.
Tipps & Infos zu Gesundheitsthemen Tipps & Infos zu GesundheitsthemenWissenswertes über "Phenothiazin"
Phenothiazin ist eine chemische Grundstruktur, auf der eine wichtige Klasse von Psychopharmaka basiert. Phenothiazine werden vor allem als Antipsychotika und Antiemetika eingesetzt.
Was ist Phenothiazin?
Phenothiazin bezeichnet sowohl eine chemische Grundverbindung als auch eine ganze Klasse von Arzneistoffen, die auf dieser Struktur aufbauen. Die Phenothiazine gehören zu den ältesten und bedeutendsten Psychopharmaka und wurden erstmals in den 1950er Jahren therapeutisch eingesetzt. Sie spielten eine revolutionäre Rolle in der Behandlung psychiatrischer Erkrankungen, insbesondere der Schizophrenie.
Wirkmechanismus
Phenothiazine wirken hauptsächlich als Dopamin-D2-Rezeptor-Antagonisten. Das bedeutet, sie blockieren bestimmte Andockstellen im Gehirn, an denen der Botenstoff Dopamin wirkt. Durch diese Blockade werden psychotische Symptome wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen gelindert.
Je nach Wirkstoff können Phenothiazine zusätzlich folgende Rezeptoren beeinflussen:
- Histamin-H1-Rezeptoren (sedierender, beruhigender Effekt)
- Muskarinische Acetylcholin-Rezeptoren (anticholinerge Wirkung, z. B. Mundtrockenheit)
- Alpha-adrenerge Rezeptoren (Blutdrucksenkung)
Medizinische Anwendungsgebiete
Phenothiazine werden in verschiedenen medizinischen Bereichen eingesetzt:
- Psychiatrie: Behandlung von Schizophrenie und anderen Psychosen (z. B. Chlorpromazin, Fluphenazin, Perazin)
- Antiemetikum: Linderung von Übelkeit und Erbrechen (z. B. Promethazin, Prochlorperazin)
- Antihistaminikum: Behandlung von Allergien und als Schlafmittel (z. B. Promethazin)
- Anästhesiebegleitung: Als Prämedikation und zur Narkoseunterstützung
Wichtige Wirkstoffe aus der Phenothiazin-Gruppe
Bekannte Phenothiazin-Derivate umfassen unter anderem:
- Chlorpromazin – das erste klinisch eingesetzte Antipsychotikum
- Promethazin – antihistaminisch und antiemetisch wirksam
- Fluphenazin – stark antipsychotisch wirksam, auch als Depot-Injektion
- Perazin – in Deutschland gebräuchliches Antipsychotikum
- Thioridazin – in vielen Ländern wegen kardialer Nebenwirkungen vom Markt genommen
Dosierung und Anwendung
Die Dosierung von Phenothiazinen richtet sich stark nach dem jeweiligen Wirkstoff, der Indikation und dem individuellen Patienten. Sie werden in der Regel oral als Tabletten oder Tropfen verabreicht, in akuten Situationen auch intramuskulär oder intravenös. Einige Wirkstoffe stehen als Depot-Injektionen zur Verfügung, die nur alle zwei bis vier Wochen verabreicht werden müssen. Die genaue Dosierung sollte stets von einem Arzt festgelegt werden.
Nebenwirkungen
Phenothiazine können eine Reihe von Nebenwirkungen verursachen, die in ihrer Häufigkeit und Schwere je nach Wirkstoff variieren:
- Extrapyramidale Störungen (EPS): Bewegungsstörungen wie Muskelsteifigkeit, Zittern, unwillkürliche Bewegungen (Spätdyskinesie)
- Sedierung und Schläfrigkeit
- Anticholinerge Effekte: Mundtrockenheit, Verstopfung, Harnverhalt, verschwommenes Sehen
- Orthostatische Hypotonie: Blutdruckabfall beim Aufstehen
- Gewichtszunahme und metabolische Veränderungen
- Hyperprolaktinämie: Erhöhte Prolaktinspiegel, die zu Menstruationsstörungen oder Milchfluss führen können
- Malignes neuroleptisches Syndrom (MNS): Seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation mit hohem Fieber, Muskelsteifigkeit und Bewusstseinsstörungen
- QTc-Verlängerung: Veränderungen im Herzrhythmus, die das Risiko für schwerwiegende Herzrhythmusstörungen erhöhen können
Kontraindikationen und Wechselwirkungen
Phenothiazine sollten nicht oder nur mit großer Vorsicht angewendet werden bei:
- Bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Phenothiazinen
- Schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder verlängertem QT-Intervall
- Schwerer Leberfunktionsstörung
- Kombination mit anderen zentraldämpfenden Substanzen (Alkohol, Sedativa)
- Morbus Parkinson (da die Dopaminblockade die Symptome verschlechtern kann)
Wichtige Wechselwirkungen bestehen mit anderen Antipsychotika, Antidepressiva, Herzmedikamenten sowie Substanzen, die den Stoffwechsel in der Leber beeinflussen (CYP450-Enzyme).
Historische Bedeutung
Die Entdeckung der antipsychotischen Wirkung von Chlorpromazin im Jahr 1952 durch Henri Laborit, Jean Delay und Pierre Deniker gilt als Meilenstein der Psychiatriegeschichte. Sie leitete die Ära der modernen Psychopharmakologie ein und ermöglichte es, viele Patienten erstmals ambulant zu behandeln, die zuvor dauerhaft hospitalisiert werden mussten.
Quellen
- Stahl, S. M. - Stahl's Essential Psychopharmacology, 4. Auflage, Cambridge University Press (2013).
- Mutschler, E. et al. - Mutschler Arzneimittelwirkungen, 10. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart (2013).
- Leucht, S. et al. - Comparative efficacy and tolerability of 15 antipsychotic drugs in schizophrenia: a multiple-treatments meta-analysis. The Lancet, 382(9896), 951-962 (2013). PubMed PMID: 23810019.
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