Anorektale Manometrie – Ablauf, Indikationen und Befunde
Die anorektale Manometrie ist ein diagnostisches Verfahren zur Messung der Druckverhältnisse im Enddarm und Schließmuskel. Sie hilft bei der Abklärung von Stuhlinkontinenz, Verstopfung und anderen Funktionsstörungen des Beckenbodens.
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Die anorektale Manometrie ist ein diagnostisches Verfahren zur Messung der Druckverhältnisse im Enddarm und Schließmuskel. Sie hilft bei der Abklärung von Stuhlinkontinenz, Verstopfung und anderen Funktionsstörungen des Beckenbodens.
Was ist die anorektale Manometrie?
Die anorektale Manometrie (auch: Anorektalmanometrie) ist ein spezielles diagnostisches Messverfahren, das die Druckverhältnisse im Bereich des Enddarms (Rektum) und des Analschließmuskels (Sphinkter) untersucht. Dabei wird mithilfe einer dünnen, flexiblen Messsonde der Druck im Analkanal und im unteren Rektum aufgezeichnet. Das Verfahren liefert wichtige Informationen über die Funktion der Schließmuskulatur und des Beckenbodens und ist ein zentrales Werkzeug in der proktologischen und gastroenterologischen Diagnostik.
Wann wird die anorektale Manometrie eingesetzt?
Die Untersuchung wird bei verschiedenen funktionellen Störungen des Enddarms und des Beckenbodens eingesetzt. Typische Indikationen sind:
- Stuhlinkontinenz: Unfreiwilliger Verlust von Stuhl oder Darmgasen aufgrund einer geschwächten oder geschädigten Schließmuskulatur
- Chronische Obstipation (Verstopfung): Insbesondere bei Verdacht auf eine Beckenbodendysfunktion oder einen Anismus (paradoxe Kontraktion des Schließmuskels beim Pressen)
- Morbus Hirschsprung: Eine angeborene Erkrankung, bei der Nervenzellen im Enddarm fehlen; der fehlende rektoanale Inhibitionsreflex (RAIR) ist ein diagnostisches Kriterium
- Abklärung nach Operationen im Becken- oder Enddarmbereich (z. B. nach Rektumresektion)
- Evaluierung vor und nach einer Biofeedback-Therapie oder Beckenbodenrehabilitation
- Unklare anorektale Schmerzen oder das Levator-ani-Syndrom
Wie läuft die Untersuchung ab?
Vorbereitung
Eine aufwändige Vorbereitung ist in der Regel nicht notwendig. Oft wird lediglich ein kleines Einlaufklistier empfohlen, um den Enddarm von Stuhlresten zu befreien. Die Untersuchung ist ambulant durchführbar und erfordert keine Narkose.
Durchführung
Der Patient liegt in Seitenlage. Eine dünne Messsonde (Katheter) wird vorsichtig in den Analkanal und den unteren Enddarm eingeführt. Die Sonde verfügt über druckempfindliche Sensoren oder wasserperfiundierte Kanäle, die kontinuierlich den Druck messen. Während der Untersuchung wird der Patient aufgefordert, verschiedene Aktionen durchzuführen, darunter:
- Kneifen (willkürliche Kontraktion des Schließmuskels)
- Pressen (Simulation des Stuhlgangs)
- Entspannen der Beckenbodenmuskulatur
Zusätzlich wird ein kleiner Ballon am Ende der Sonde aufgeblasen, um das Rektum zu dehnen und den rektoanalen Inhibitionsreflex auszulösen sowie die rektale Sensibilität und Compliance (Dehnbarkeit) zu beurteilen.
Hochauflösende anorektale Manometrie (HR-ARM)
Moderne Geräte verwenden die hochauflösende anorektale Manometrie (HR-ARM), bei der zahlreiche eng aneinanderliegende Drucksensoren eine detailreiche, farbkodierte Drucktopographie des gesamten Analkanals erzeugen. Diese Methode erlaubt eine präzisere Beurteilung als konventionelle Systeme.
Welche Parameter werden gemessen?
Die anorektale Manometrie liefert folgende klinisch relevante Messwerte:
- Ruhedruck: Gibt Auskunft über den Tonus des inneren Schließmuskels (M. sphincter ani internus); ein erniedrigter Ruhedruck kann auf eine passive Inkontinenz hinweisen
- Kneifdruck (Squeeze-Druck): Misst die willkürliche Kraft des äußeren Schließmuskels (M. sphincter ani externus); relevant bei Drangsymptomatik
- Rektoanaler Inhibitionsreflex (RAIR): Reflexhafte Erschlaffung des inneren Schließmuskels bei rektaler Dehnung; fehlt bei Morbus Hirschsprung
- Rektale Compliance und Sensibilität: Beurteilung der Dehnbarkeit und Empfindungsschwellen des Rektums
- Defäkationsdynamik: Koordination von Schließmuskelrelaxation und Bauchpresse beim Pressen
Risiken und Nebenwirkungen
Die anorektale Manometrie ist ein sicheres und minimal-invasives Verfahren. Schwerwiegende Komplikationen sind sehr selten. Leichte Unannehmlichkeiten wie ein kurzzeitiges Druckgefühl oder minimale Blutungen bei vorbestehenden Hämorrhoiden sind möglich, aber selten. Eine besondere Nachsorge ist in der Regel nicht erforderlich.
Klinische Bedeutung und Therapieplanung
Die Ergebnisse der anorektalen Manometrie sind entscheidend für die Planung der weiteren Therapie. Bei nachgewiesener Schließmuskelschwäche kann eine gezielte Beckenbodenphysiotherapie oder ein Biofeedback-Training eingeleitet werden. Bei strukturellen Defekten werden operative Verfahren wie die Sphinkterrekonstruktion erwogen. Bei Anismus kann eine Behandlung mit Botulinum-Toxin (Botox) in Betracht gezogen werden. Das Fehlen des RAIR ist richtungsweisend für die Diagnose eines Morbus Hirschsprung und leitet weitere Abklärungen ein.
Quellen
- Rao S.S.C. et al. - Advances in Diagnostic Assessment of Fecal Incontinence and Dyssynergic Defecation. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2011.
- Bharucha A.E. et al. - American Gastroenterological Association Technical Review on Constipation. Gastroenterology, 2013.
- Carrington E.V. et al. - The International Anorectal Physiology Working Group (IAPWG) Recommendations: Standardized Testing Protocol and the London Classification for Disorders of Anorectal Function. Neurogastroenterology and Motility, 2020.
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