Anthelminthikum – Wurmmittel einfach erklärt
Anthelminthika sind Arzneimittel, die zur Behandlung von Wurminfektionen (Helminthiasis) eingesetzt werden. Sie wirken gezielt gegen parasitäre Würmer im menschlichen Körper.
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Anthelminthika sind Arzneimittel, die zur Behandlung von Wurminfektionen (Helminthiasis) eingesetzt werden. Sie wirken gezielt gegen parasitäre Würmer im menschlichen Körper.
Was ist ein Anthelminthikum?
Ein Anthelminthikum (Plural: Anthelminthika) ist ein Arzneimittel, das zur Behandlung von Infektionen durch parasitäre Würmer, sogenannte Helminten, eingesetzt wird. Solche Wurminfektionen werden medizinisch als Helminthiasis bezeichnet. Anthelminthika sind weltweit von großer Bedeutung, da Wurminfektionen zu den häufigsten parasitären Erkrankungen des Menschen zählen – insbesondere in tropischen und subtropischen Regionen.
Anwendungsgebiete
Anthelminthika werden gegen eine Vielzahl von parasitären Würmern eingesetzt, darunter:
- Nematoden (Rundwürmer): z. B. Spulwürmer (Ascaris lumbricoides), Madenwürmer (Enterobius vermicularis), Hakenwürmer und Fadenwürmer
- Zestoden (Bandwürmer): z. B. Rinderbandwurm (Taenia saginata), Schweinebandwurm (Taenia solium), Fischbandwurm (Diphyllobothrium latum)
- Trematoden (Saugwürmer): z. B. Leberegel (Fasciola hepatica), Schistosomen (Pärchenegel)
Wirkmechanismus
Je nach Wirkstoff greifen Anthelminthika auf unterschiedliche Weise in den Stoffwechsel oder die Motorik der Parasiten ein:
Hemmung der Glukoseaufnahme
Benzimidazole wie Mebendazol und Albendazol binden an das Tubulin der Parasiten und hemmen die Polymerisation der Mikrotubuli. Dadurch wird die Glukoseaufnahme des Wurms blockiert, was zu einem Energiemangel und letztlich zum Absterben des Parasiten führt.
Lähmung der Wurmmuskulatur
Pyrantel wirkt als cholinerger Agonist und bewirkt eine spastische Lähmung der Wurmmuskulatur, sodass der Parasit den Darmtrakt nicht mehr festhalten kann und ausgeschieden wird.
Piperazin hingegen verursacht eine schlaffe Lähmung der Wurmmuskulatur durch Hyperpolarisation der Nervenmembranen.
Steigerung der Chloridleitfähigkeit
Ivermectin erhöht die Durchlässigkeit der Zellmembranen für Chloridionen, was zu einer dauerhaften Lähmung und zum Tod der Parasiten führt. Es ist besonders wirksam gegen Fadenwürmer (Filarien) und andere Nematoden.
Hemmung des ATP-Stoffwechsels
Praziquantel, das Mittel der Wahl bei Bandwurm- und Saugwurminfektionen, erhöht die Kalziumpermeabilität der Wurmzellmembranen. Dies führt zu Muskelkontraktionen, Paralyse und schließlich zum Absterben des Parasiten.
Wichtige Wirkstoffe im Überblick
- Mebendazol – bei Madenwurm, Spulwurm, Hakenwurm (Benzimidazol)
- Albendazol – breites Wirkspektrum, auch bei Zystizerkose und Echinokokkose
- Ivermectin – bei Flussblindheit (Onchozerkose), Strongyloidiasis, Skabies
- Praziquantel – bei Bandwürmern und Schistosomiasis
- Pyrantel – bei Madenwurm und Spulwurm, auch für Kinder geeignet
- Niclosamid – bei Bandwurminfektionen (hemmt die Synthese von ATP)
Dosierung und Anwendung
Die Dosierung von Anthelminthika richtet sich nach der Art des Parasiten, dem Körpergewicht des Patienten sowie Alter und Begleiterkrankungen. Viele Anthelminthika werden als Einmaldosis oder im Rahmen einer kurzen Behandlungsdauer eingenommen. Bei bestimmten Infektionen (z. B. Echinokokkose) kann eine langfristige Therapie erforderlich sein. Die Einnahme erfolgt meist oral in Tablettenform.
Nebenwirkungen
Anthelminthika sind in der Regel gut verträglich, können jedoch folgende Nebenwirkungen verursachen:
- Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen)
- Kopfschmerzen und Schwindel
- Hautreaktionen (selten)
- Leberwerterhöhungen bei Langzeittherapie (insbesondere bei Albendazol)
- Bei Ivermectin: Mazzotti-Reaktion (immunologische Reaktion beim Absterben der Parasiten)
Anwendung in der Schwangerschaft
Die meisten Anthelminthika sollten in der Schwangerschaft, insbesondere im ersten Trimester, nicht angewendet werden, da potenzielle teratogene Effekte (Schädigung des Ungeborenen) nicht ausgeschlossen werden können. Die Anwendung während der Schwangerschaft sollte stets mit einem Arzt oder einer Ärztin abgestimmt werden.
Resistenzentwicklung
Wie bei vielen Antiparasitika ist auch bei Anthelminthika die Entstehung von Resistenzen – insbesondere bei Benzimidazolen in der Veterinärmedizin – ein wachsendes Problem. In der Humanmedizin werden Resistenzen zunehmend bei der Behandlung von Hakenwürmern beobachtet. Ein verantwortungsvoller Einsatz dieser Medikamente ist daher wichtig.
Quellen
- World Health Organization (WHO): Soil-transmitted helminth infections. Fact Sheet. Geneva: WHO, 2023. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/soil-transmitted-helminth-infections
- Mutschler E, Schäfer-Korting M et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen – Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie. 11. Auflage. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2020.
- Löscher W, Karow H, Kroker R: Pharmakologie und Toxikologie für die Veterinär- und Humanmedizin. 4. Auflage. Stuttgart: Enke Verlag, 2014.
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