Abduktorenschwäche – Ursachen, Symptome & Therapie
Abduktorenschwäche bezeichnet eine verminderte Kraft der Muskeln, die Gliedmaßen vom Körper wegbewegen. Sie kann Gangbild, Stabilität und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
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Abduktorenschwäche bezeichnet eine verminderte Kraft der Muskeln, die Gliedmaßen vom Körper wegbewegen. Sie kann Gangbild, Stabilität und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Was ist eine Abduktorenschwäche?
Der Begriff Abduktorenschwäche beschreibt eine reduzierte Kraft oder Funktionsfähigkeit der sogenannten Abduktoren – also der Muskeln, die eine Gliedmaße vom Körper weg (seitlich) bewegen. Am häufigsten ist die Schwäche der Hüftabduktoren klinisch relevant, da diese Muskelgruppe eine zentrale Rolle für die Stabilisierung des Beckens und des Gangbildes spielt. Betroffen sein können jedoch auch Schulter- oder Knieabduktoren.
Ursachen
Eine Abduktorenschwäche kann durch viele verschiedene Faktoren entstehen:
- Muskuläre Ursachen: Muskeldystrophien, Myopathien, altersbedingte Muskelatrophie (Sarkopenie)
- Neurologische Ursachen: Schlaganfall, Querschnittlähmung, periphere Nervenläsionen (z. B. Schädigung des Nervus gluteus superior)
- Orthopädische Ursachen: Hüftgelenksarthrose, Hüftendoprothese (nach Hüft-TEP), Fehlstellungen des Beckens
- Inaktivität und Immobilisierung: Langfristige Bettlägerigkeit oder Schonhaltung führen zu Muskelabbau
- Postoperative Zustände: Besonders nach Hüftoperationen kann die Abduktorenfunktion vorübergehend oder dauerhaft eingeschränkt sein
Symptome
Die typischen Zeichen einer Abduktorenschwäche umfassen:
- Trendelenburg-Zeichen: Das Becken sinkt beim Einbeinstand auf der nicht betroffenen Seite ab – ein klassischer Hinweis auf geschwächte Hüftabduktoren
- Trendelenburg-Hinken: Ein watschelndes Gangbild, bei dem der Oberkörper beim Gehen zur betroffenen Seite pendelt
- Schmerzen im Bereich der Hüfte oder des seitlichen Oberschenkels
- Eingeschränkte Beweglichkeit bei seitlichen Beinhebungen
- Erhöhte Sturzgefahr durch verminderte Gleichgewichtskontrolle
Diagnose
Die Diagnose einer Abduktorenschwäche erfolgt in der Regel durch:
- Klinische Untersuchung: Beurteilung des Trendelenburg-Zeichens, manuelle Muskeltests, Ganganalyse
- Kraftmessung: Isokinetische Messungen oder Dynamometrie zur objektiven Beurteilung der Muskelkraft
- Bildgebung: MRT oder Ultraschall zur Darstellung von Muskelveränderungen, Sehnendefekten oder strukturellen Ursachen
- Neurologische Diagnostik: Elektromyographie (EMG) und Nervenleitgeschwindigkeit bei Verdacht auf neurogene Ursachen
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Schweregrad der Schwäche:
Physiotherapie und Krafttraining
Gezieltes Training der Hüftabduktoren ist die wichtigste Behandlungsmaßnahme. Übungen wie Seitwärtsbeinheben, Clamshell-Übungen und Gangschulung können die Muskelkraft und Beckenst stabilität deutlich verbessern.
Hilfsmittelversorgung
Bei ausgeprägter Schwäche können Gehhilfen (Gehstock, Rollator) zur Entlastung und Sturzprophylaxe eingesetzt werden.
Operative Behandlung
Bei strukturellen Ursachen, etwa einer Sehnenruptur der Abduktoren oder schwerer Hüftgelenksarthrose, kann ein operativer Eingriff (z. B. Sehnenrekonstruktion oder Hüftendoprothetik) notwendig sein.
Ursachenbehandlung
Neurologische oder systemische Grunderkrankungen werden gezielt behandelt, um eine weitere Verschlechterung der Muskelfunktion zu verhindern.
Quellen
- Krämer, R. et al. – Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag, Stuttgart, 2014.
- Kendall, F. P. et al. – Muscles: Testing and Function with Posture and Pain. Lippincott Williams & Wilkins, 5. Auflage, 2005.
- Grimaldi, A. et al. – Gluteal Tendinopathy: A Review of Mechanisms, Assessment and Management. Sports Medicine, 2015. PubMed PMID: 25715951.
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