Argininsynthese – Biochemie & Bedeutung
Die Argininsynthese beschreibt die biochemische Herstellung der Aminosäure Arginin im menschlichen Körper, vor allem in Leber und Niere.
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Die Argininsynthese beschreibt die biochemische Herstellung der Aminosäure Arginin im menschlichen Körper, vor allem in Leber und Niere.
Was ist die Argininsynthese?
Die Argininsynthese bezeichnet den biochemischen Prozess, durch den der menschliche Körper die semi-essentielle Aminosäure Arginin selbst herstellt. Arginin erfüllt zahlreiche wichtige Funktionen im Stoffwechsel, unter anderem als Vorstufe von Stickstoffmonoxid (NO), als Bestandteil des Harnstoffzyklus und als Baustein für die Proteinsynthese. Obwohl Arginin über die Nahrung aufgenommen werden kann, ist die körpereigene Synthese besonders in Phasen erhöhten Bedarfs – etwa bei Wachstum, Verletzungen oder Erkrankungen – von großer Bedeutung.
Biochemischer Mechanismus
Die Argininsynthese findet hauptsächlich in der Leber und den Nieren statt und ist eng mit dem Harnstoffzyklus verknüpft. Die wichtigsten Schritte umfassen:
- Citrullin als Ausgangsstoff: Die Synthese beginnt mit Citrullin, das aus der Aminosäure Glutamin und dem Vorläufermolekül Carbamoylphosphat im Mitochondrium entsteht. Citrullin wird anschließend ins Zytosol transportiert.
- Argininosuccinat-Bildung: Im Zytosol wird Citrullin durch das Enzym Argininosuccinat-Synthetase (ASS) mit Aspartat verbunden, wobei Argininosuccinat entsteht. Diese Reaktion erfordert Energie in Form von ATP.
- Spaltung zu Arginin: Das Enzym Argininosuccinat-Lyase (ASL) spaltet Argininosuccinat in Arginin und Fumarat. Das Fumarat fließt in den Citratzyklus ein, während Arginin für weitere Stoffwechselreaktionen zur Verfügung steht.
- Verwendung oder weiterer Abbau: Arginin kann direkt für die Proteinsynthese genutzt, durch das Enzym Arginase zu Harnstoff und Ornithin abgebaut oder durch die NO-Synthase (NOS) zu Stickstoffmonoxid und Citrullin umgewandelt werden.
Bedeutung für den Stoffwechsel
Arginin ist an einer Vielzahl metabolischer Prozesse beteiligt:
- Harnstoffzyklus: Arginin ist ein zentrales Zwischenprodukt des Harnstoffzyklus und ermöglicht die Entgiftung von Ammoniak in der Leber.
- Stickstoffmonoxid-Produktion: Stickstoffmonoxid, das aus Arginin gebildet wird, reguliert die Gefäßerweiterung, das Immunsystem und die Signalübertragung zwischen Nervenzellen.
- Hormonausschüttung: Arginin stimuliert die Freisetzung von Wachstumshormon, Insulin und anderen Hormonen.
- Wundheilung und Immunfunktion: Arginin unterstützt die Zellproliferation, die Kollagensynthese und die Aktivität von Immunzellen.
Semi-Essentialität von Arginin
Arginin gilt als semi-essentielle oder bedingt essentielle Aminosäure. Das bedeutet, dass ein gesunder erwachsener Mensch in der Regel ausreichend Arginin synthetisieren kann. In bestimmten Lebensphasen oder bei bestimmten Erkrankungen reicht die körpereigene Produktion jedoch nicht aus:
- Neugeborene und Frühgeborene (unreife Synthesekapazität)
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Schwere Verletzungen, Verbrennungen oder chirurgische Eingriffe
- Nierenerkrankungen (eingeschränkte renale Synthese)
- Angeborene Stoffwechselstörungen wie Argininosuccinat-Aziduria oder Citrullinämie
Störungen der Argininsynthese
Genetisch bedingte Defekte in den Enzymen des Harnstoffzyklus können die Argininsynthese erheblich beeinträchtigen. Bekannte Erkrankungen in diesem Zusammenhang sind:
- Citrullinämie Typ I: Defekt der Argininosuccinat-Synthetase, führt zu erhöhten Citrullin-Spiegeln im Blut und einer Ammoniakvergiftung.
- Argininosuccinat-Aziduria (ASA): Defekt der Argininosuccinat-Lyase, führt zu erhöhten Argininosuccinat-Spiegeln und neurologischen Komplikationen.
- Argininämie: Defekt der Arginase, führt zu erhöhten Arginin-Spiegeln und kann zu spastischen Lähmungen und geistiger Behinderung führen.
Diese Erkrankungen werden meist durch Neugeborenen-Screening erfasst und erfordern eine spezielle Diät sowie medizinische Betreuung.
Arginin in der Ernährung und als Supplement
Da die körpereigene Synthese in bestimmten Situationen nicht ausreicht, kann Arginin über die Nahrung oder als Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden. Gute Nahrungsquellen für Arginin sind:
- Nüsse (besonders Walnüsse und Mandeln)
- Samen (Kürbiskerne, Sesam)
- Hülsenfrüchte (Sojabohnen, Linsen)
- Fleisch und Geflügel
- Fisch und Meeresfrüchte
Als Nahrungsergänzungsmittel wird L-Arginin vor allem im Sportbereich, zur Unterstützung der Herzgesundheit sowie zur Förderung der Wundheilung eingesetzt. Die Evidenz für diese Anwendungen ist je nach Indikation unterschiedlich stark.
Quellen
- Brusilow, S.W. & Horwich, A.L. (2019): Urea Cycle Enzymes. In: Scriver et al. (Hrsg.), The Metabolic and Molecular Bases of Inherited Disease. McGraw-Hill.
- Wu, G. & Morris, S.M. (1998): Arginine metabolism: nitric oxide and beyond. Biochemical Journal, 336(1), 1-17. PubMed PMID: 9806879.
- World Health Organization (WHO) / FAO / UNU (2007): Protein and Amino Acid Requirements in Human Nutrition. WHO Technical Report Series, No. 935.
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