Anxiolytikum – Angstlösende Medikamente erklärt
Ein Anxiolytikum ist ein angstlösendes Medikament, das zur Behandlung von Angststörungen eingesetzt wird. Es wirkt beruhigend auf das zentrale Nervensystem.
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Ein Anxiolytikum ist ein angstlösendes Medikament, das zur Behandlung von Angststörungen eingesetzt wird. Es wirkt beruhigend auf das zentrale Nervensystem.
Was ist ein Anxiolytikum?
Ein Anxiolytikum (Mehrzahl: Anxiolytika) ist ein Arzneimittel, das gezielt zur Linderung von Angst, innerer Unruhe und Spannungszuständen eingesetzt wird. Der Begriff leitet sich aus dem Lateinischen anxietas (Angst) und dem Griechischen lysis (Auflösung) ab. Anxiolytika gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten weltweit und spielen eine wichtige Rolle in der Behandlung verschiedener psychischer Erkrankungen.
Indikationen
Anxiolytika werden bei einer Vielzahl von Erkrankungen und Zuständen eingesetzt, darunter:
- Generalisierte Angststörung (GAS)
- Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie
- Soziale Angststörung (soziale Phobie)
- Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
- Situative Angst (z. B. vor medizinischen Eingriffen)
- Alkoholentzugssyndrom (bei bestimmten Substanzklassen)
- Schlafstörungen mit ausgeprägter Angstkomponente
Wirkmechanismus
Der Wirkmechanismus eines Anxiolytikums hängt von der jeweiligen Substanzklasse ab. Die wichtigsten Klassen sind:
Benzodiazepine
Benzodiazepine wie Diazepam, Lorazepam oder Alprazolam sind die bekanntesten und am schnellsten wirkenden Anxiolytika. Sie verstärken die Wirkung des hemmenden Neurotransmitters GABA (Gamma-Aminobuttersäure) am GABA-A-Rezeptor im Gehirn. Dies führt zu einer verminderten neuronalen Erregbarkeit und damit zu einer angstlösenden, beruhigenden und muskelentspannenden Wirkung. Aufgrund ihres Abhängigkeitspotenzials sind Benzodiazepine nur zur Kurzzeitanwendung (in der Regel bis zu 4 Wochen) zugelassen.
Buspiron
Buspiron ist ein nicht sedierendes Anxiolytikum, das als partieller Agonist am Serotonin-5-HT1A-Rezeptor wirkt. Es beeinflusst zusätzlich das Dopaminsystem. Im Gegensatz zu Benzodiazepinen tritt die Wirkung erst nach ein bis zwei Wochen ein, weshalb es vorrangig zur Langzeitbehandlung der generalisierten Angststörung eingesetzt wird. Das Abhängigkeitsrisiko ist deutlich geringer.
Antidepressiva als Anxiolytika
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Sertralin oder Escitalopram sowie Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) wie Venlafaxin werden heute als Mittel der ersten Wahl bei vielen Angststörungen eingesetzt. Obwohl sie primär als Antidepressiva klassifiziert werden, entfalten sie eine ausgeprägte anxiolytische Wirkung. Die Wirkung setzt erst nach mehreren Wochen ein.
Pregabalin und Gabapentin
Pregabalin wirkt über eine Hemmung spannungsabhängiger Calciumkanäle im zentralen Nervensystem und reduziert so die Ausschüttung erregender Neurotransmitter. Es ist für die generalisierte Angststörung zugelassen und zeigt ein moderates Abhängigkeitspotenzial.
Hydroxyzin
Hydroxyzin ist ein Antihistaminikum mit anxiolytischer Wirkung. Es blockiert Histamin-H1-Rezeptoren und wirkt sedierend. Es wird als Alternative zu Benzodiazepinen eingesetzt, insbesondere bei Patienten mit einem erhöhten Missbrauchsrisiko.
Dosierung und Anwendung
Die Dosierung eines Anxiolytikums richtet sich nach der Substanzklasse, der Indikation, dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten. Die Einnahme erfolgt in der Regel oral als Tablette oder Kapsel. Bei akuten Angstattacken können Benzodiazepine auch sublingual (unter der Zunge) oder intravenös verabreicht werden. Die Dosierung sollte stets von einer Ärztin oder einem Arzt festgelegt und regelmäßig überprüft werden.
Nebenwirkungen
Anxiolytika können abhängig von der Substanzklasse verschiedene Nebenwirkungen verursachen:
- Benzodiazepine: Schläfrigkeit, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisbeeinträchtigungen, Abhängigkeit und Entzugssymptome bei abruptem Absetzen
- Buspiron: Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, Nervosität zu Beginn der Therapie
- SSRI/SNRI: Übelkeit, Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, anfängliche Zunahme der Angst (sogenanntes Jitteriness-Syndrom)
- Pregabalin: Schwindel, Müdigkeit, Gewichtszunahme, Ödeme
- Hydroxyzin: Mundtrockenheit, Sedierung, Sehstörungen
Wichtige Hinweise und Kontraindikationen
Anxiolytika sollten nicht ohne ärztliche Aufsicht eingenommen werden. Besondere Vorsicht ist geboten bei:
- Schwangerschaft und Stillzeit (insbesondere Benzodiazepine)
- gleichzeitiger Einnahme von Alkohol oder anderen zentral dämpfenden Substanzen
- vorbestehenden Abhängigkeitserkrankungen
- Atemwegserkrankungen wie Schlafapnoe oder schwerer COPD (bei Benzodiazepinen)
- älteren Patientinnen und Patienten (erhöhte Sturzgefahr durch Sedierung)
Psychotherapie als Ergänzung
Anxiolytika ersetzen in den meisten Fällen keine psychotherapeutische Behandlung. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gilt als besonders wirksam bei Angststörungen und wird häufig ergänzend zur medikamentösen Therapie empfohlen. Eine Kombination aus Pharmakotherapie und Psychotherapie zeigt in der Regel die besten Langzeitergebnisse.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) – S3-Leitlinie Angststörungen (2021). Verfügbar unter: https://www.awmf.org
- Bandelow B, Michaelis S, Wedekind D. – Treatment of anxiety disorders. Dialogues in Clinical Neuroscience. 2017;19(2):93–107. PubMed PMID: 28867934.
- World Health Organization (WHO) – Mental Health Action Plan 2013–2030. Genf: WHO Press, 2021.
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