Aderlass – Wirkung, Anwendung und Risiken
Der Aderlass ist ein medizinisches Verfahren, bei dem gezielt Blut aus dem Körper entnommen wird. Er wird therapeutisch bei bestimmten Erkrankungen wie Hämochromatose oder Polyzythämie eingesetzt.
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Der Aderlass ist ein medizinisches Verfahren, bei dem gezielt Blut aus dem Körper entnommen wird. Er wird therapeutisch bei bestimmten Erkrankungen wie Hämochromatose oder Polyzythämie eingesetzt.
Was ist ein Aderlass?
Der Aderlass (medizinisch: Phlebotomie oder Venaesectio) bezeichnet die gezielte Entnahme einer definierten Blutmenge aus dem venösen Blutkreislauf. Dabei wird in der Regel eine Vene punktiert und eine bestimmte Menge Blut – häufig zwischen 300 und 500 ml – abgeleitet. Das Verfahren wird heute vor allem als therapeutische Maßnahme bei bestimmten Erkrankungen eingesetzt, bei denen ein Übermaß an roten Blutkörperchen oder Eisen im Körper vorliegt.
Geschichte des Aderlasses
Der Aderlass gehört zu den ältesten medizinischen Behandlungsverfahren der Menschheit. In der Antike und im Mittelalter galt er als universelles Heilmittel, das auf der Säftelehre (Humoralpathologie) basierte. Man glaubte, dass ein Ungleichgewicht der vier Körpersäfte – Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle – Krankheiten verursache. Durch das Ablassen von Blut sollte dieses Gleichgewicht wiederhergestellt werden. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert geriet der Aderlass zunehmend in Verruf, da er häufig missbräuchlich und ohne wissenschaftliche Grundlage angewendet worden war. Heute ist er auf klar definierte medizinische Indikationen beschränkt.
Medizinische Indikationen
In der modernen Medizin wird der therapeutische Aderlass bei folgenden Erkrankungen eingesetzt:
- Hämochromatose: Eine Erkrankung, bei der sich übermäßig viel Eisen im Körper ansammelt. Regelmäßige Aderlässe sind die Standardtherapie, um den Eisenspiegel zu senken.
- Polyzythämia vera: Eine Erkrankung des Knochenmarks, bei der zu viele rote Blutkörperchen gebildet werden, was das Thromboserisiko erhöht.
- Porphyria cutanea tarda: Eine seltene Stoffwechselerkrankung, bei der Aderlässe zur Reduktion von Eisenablagerungen eingesetzt werden.
- Sekundäre Polyzythämie: Eine reaktive Erhöhung der roten Blutkörperchen, z. B. durch chronischen Sauerstoffmangel.
Durchführung
Ein therapeutischer Aderlass wird in der Regel ambulant in einer Arztpraxis oder Klinik durchgeführt. Der Ablauf umfasst folgende Schritte:
- Aufklärung des Patienten und Überprüfung der Vitalwerte (Blutdruck, Puls, Hämoglobinwert)
- Desinfektion und Punktion einer geeigneten Vene, meist in der Ellenbeuge
- Ablassen der festgelegten Blutmenge (üblicherweise 300–500 ml) in einen sterilen Beutel
- Verbinden der Einstichstelle und Ruhepause nach dem Eingriff
- Empfehlung zur ausreichenden Flüssigkeitszufuhr nach dem Aderlass
Risiken und Nebenwirkungen
Der Aderlass ist bei sachgemäßer Durchführung ein sicheres Verfahren. Mögliche Nebenwirkungen und Risiken umfassen:
- Kreislaufschwäche oder Schwindel, insbesondere bei empfindlichen Personen
- Hämatom (Bluterguss) an der Einstichstelle
- Ohnmacht (Synkope) in seltenen Fällen
- Anämie (Blutarmut) bei zu häufigen oder zu großen Aderlässen
- Infektionen an der Einstichstelle bei mangelnder Hygiene (sehr selten)
Kontraindikationen
Ein Aderlass sollte nicht durchgeführt werden bei:
- Bestehender Anämie (niedriger Hämoglobinwert)
- Schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder instabiler Hämodynamik
- Sehr niedrigem Blutdruck (Hypotonie)
- Schwangerschaft (in der Regel)
- Gerinnungsstörungen oder Einnahme von Blutverdünnern (je nach Situation)
Aderlass in der Alternativmedizin
In einigen Bereichen der Komplementär- und Alternativmedizin, etwa im Rahmen der traditionellen Humoralpathologie oder der islamischen Medizin (Hijama), wird der Aderlass weiterhin praktiziert. Die wissenschaftliche Evidenz für einen gesundheitlichen Nutzen außerhalb der oben genannten medizinischen Indikationen ist jedoch nicht ausreichend belegt. Patienten sollten solche Angebote kritisch hinterfragen und vorab ärztlichen Rat einholen.
Quellen
- Deutsches Ärzteblatt: Hämochromatose – Diagnostik und Therapie. Dtsch Arztebl Int (2021)
- Tefferi A. - Polycythemia vera and essential thrombocythemia: 2021 update on diagnosis, risk-stratification and management. American Journal of Hematology (2020)
- Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, 268. Auflage (2020)
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