Abdominalreflex – Bedeutung und Diagnostik
Der Abdominalreflex ist ein neurologischer Oberflächenreflex der Bauchdecke. Er dient der Untersuchung von Schädigungen des Nervensystems und hat diagnostische Bedeutung.
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Der Abdominalreflex ist ein neurologischer Oberflächenreflex der Bauchdecke. Er dient der Untersuchung von Schädigungen des Nervensystems und hat diagnostische Bedeutung.
Was ist der Abdominalreflex?
Der Abdominalreflex (auch Bauchdeckenreflex genannt) ist ein neurologischer Oberflächenreflex, der durch Bestreichen der Bauchhaut ausgelöst wird. Dabei zieht sich die Bauchmuskulatur reflektorisch zusammen, und der Bauchnabel bewegt sich in Richtung des Reizes. Dieser Reflex wird in der neurologischen Untersuchung eingesetzt, um Schädigungen des zentralen oder peripheren Nervensystems zu erkennen.
Anatomie und Wirkmechanismus
Der Abdominalreflex ist ein polysynaptischer Fremdreflex. Er wird durch kutane (hautbezogene) Afferenzen ausgelöst und läuft über mehrere Rückenmarkssegmente:
- Oberer Abdominalreflex: Segmente Th7–Th9 (7.–9. Brustsegment des Rückenmarks)
- Mittlerer Abdominalreflex: Segmente Th9–Th11
- Unterer Abdominalreflex: Segmente Th11–Th12
Das Bestreichen der Bauchhaut mit einem stumpfen Gegenstand – meist von außen nach innen, in Richtung des Nabels – aktiviert Hautrezeptoren. Der Reiz wird über sensible Nervenfasern zum Rückenmark geleitet, dort umgeschaltet und über motorische Fasern zur Bauchmuskulatur zurückgeführt, was die sichtbare Muskelkontraktion auslöst.
Durchführung der Untersuchung
Die Untersuchung erfolgt am liegenden, entspannten Patienten. Mit einem stumpfen Instrument (z. B. einem Reflexhammer oder einem Holzstäbchen) wird die Bauchhaut in drei Etagen – oberhalb des Nabels, auf Nabelhöhe und unterhalb des Nabels – von lateral (außen) nach medial (zur Mitte hin) bestrichen. Beobachtet wird die Bewegung des Nabels sowie die Kontraktion der Bauchwandmuskulatur.
Klinische Bedeutung und Befundinterpretation
Normalbefund
Bei einem gesunden Menschen ist der Abdominalreflex auslösbar: Die Bauchmuskulatur kontrahiert sich ipsilateral (auf der gleichen Seite) und der Nabel weicht in Richtung des Reizes ab.
Abgeschwächter oder fehlender Reflex
Ein abgeschwächter oder nicht auslösbarer Abdominalreflex kann auf folgende Ursachen hinweisen:
- Läsionen des ersten Motoneurons (zentrale Schädigung): z. B. bei Multipler Sklerose, Schlaganfall oder Rückenmarkstumoren
- Läsionen des zweiten Motoneurons (periphere Schädigung): z. B. bei Polyneuropathien
- Zustand nach Bauchoperationen: Narbenbildung kann den Reflex abschwächen
- Adipositas (Übergewicht): Eine ausgeprägte Unterhautfettschicht kann die Reizübertragung vermindern
- Hohes Lebensalter: Im Alter kann der Reflex physiologisch abgeschwächt sein
- Schwangerschaft und Mehrgeborenenstatus: Überdehnung der Bauchdecke kann den Reflex vermindern
Gesteigerte Reflexantwort
Eine gesteigerte Reflexantwort ist beim Abdominalreflex selten und weniger aussagekräftig als bei Muskeleigenreflexen.
Abgrenzung zu anderen Reflexen
Der Abdominalreflex ist vom Kremasterreflex zu unterscheiden, der durch Bestreichen der Oberschenkelinnenseite ausgelöst wird und zu einem Hochziehen des Hodens führt. Beide sind Oberflächenreflexe mit ähnlichem diagnostischen Stellenwert. Ebenfalls abzugrenzen ist der Plantarreflex (Babinski-Reflex), ein weiterer wichtiger Fremdreflex in der neurologischen Diagnostik.
Bedeutung bei Multipler Sklerose
Der Abdominalreflex hat besondere diagnostische Relevanz bei der Multiplen Sklerose (MS). Bei dieser Erkrankung sind die Myelinscheiden der Nervenfasern im zentralen Nervensystem geschädigt. Da der Abdominalreflex sehr empfindlich auf zentrale Leitungsunterbrechungen reagiert, kann sein beidseitiges Fehlen ein frühes Zeichen einer MS-Erkrankung sein – noch bevor andere neurologische Symptome auftreten.
Quellen
- Mumenthaler M., Mattle H. - Neurologie. 13. Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart, 2013.
- Masuhr K.F., Masuhr F., Neumann M. - Duale Reihe Neurologie. 7. Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart, 2013.
- National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS) - Neurological Examination Overview. URL: https://www.ninds.nih.gov (abgerufen 2024).
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