Erythrozytenmorphologie – Blutbild & Diagnostik
Die Erythrozytenmorphologie beschreibt Form, Größe und Aussehen der roten Blutkörperchen. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Blutdiagnostik.
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Die Erythrozytenmorphologie beschreibt Form, Größe und Aussehen der roten Blutkörperchen. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Blutdiagnostik.
Was ist die Erythrozytenmorphologie?
Die Erythrozytenmorphologie bezeichnet die mikroskopische Beurteilung von Form, Größe, Farbe und Struktur der Erythrozyten – der roten Blutkörperchen. Im Blutausstrich werden die Erythrozyten unter dem Mikroskop untersucht, um Abweichungen von der normalen Zellmorphologie zu erkennen. Diese Untersuchung ist ein wesentlicher Bestandteil der hämatologischen Diagnostik und liefert wichtige Hinweise auf verschiedene Erkrankungen des Blutes und anderer Organsysteme.
Gesunde Erythrozyten sind bikonkave Scheiben (Diskozyten) mit einem Durchmesser von etwa 6–8 Mikrometern, einer gleichmäßigen rötlichen Farbe und ohne Zellkern. Abweichungen in Form, Größe oder Färbung können auf spezifische Erkrankungen hinweisen.
Normale Erythrozytenmorphologie
Im normalen Blutausstrich zeigen Erythrozyten folgende Eigenschaften:
- Form: runde, bikonkave Scheibe (Diskozyt)
- Größe: gleichmäßig, Durchmesser 6–8 µm (Normozyt)
- Farbe: gleichmäßig rötlich mit zentraler Aufhellung (Normochromie)
- Struktur: kernlos, keine Einschlüsse
Pathologische Veränderungen der Erythrozytenmorphologie
Veränderungen der Erythrozytenmorphologie werden in verschiedene Kategorien eingeteilt. Sie liefern wichtige diagnostische Informationen.
Veränderungen der Größe (Anisozyten)
- Makrozyten: vergrößerte Erythrozyten, z. B. bei Vitamin-B12- oder Folsäuremangel
- Mikrozyten: verkleinerte Erythrozyten, typisch für Eisenmangelanämie oder Thalassämie
- Anisozytose: ausgeprägte Größenunterschiede im Blutausstrich, Hinweis auf Anämien verschiedener Ursachen
Veränderungen der Form (Poikilozyten)
- Sphärozyten: kugelförmige Erythrozyten ohne zentrale Aufhellung, z. B. bei hereditärer Sphärozytose oder autoimmunhämolytischer Anämie
- Elliptozyten / Ovaloblasten: elliptische Zellen, typisch für hereditäre Elliptozytose
- Sichelzellen (Drepanozyten): sichelförmig deformierte Erythrozyten bei Sichelzellanämie
- Fragmentozyten (Schistozyten): Erythrozytenfragmente, Hinweis auf mechanische Hämolyse, z. B. bei thrombotisch-thrombozytopenischer Purpura (TTP) oder hämolytisch-urämischem Syndrom (HUS)
- Akanthozyten: stachelige Erythrozyten bei Lebererkrankungen oder Abetalipoproteinämie
- Echinozyten: gleichmäßig gezackte Erythrozyten, oft ein Artefakt oder bei Urämie
- Targetzellen (Schießscheibenzellen): Erythrozyten mit zentralem Hämoglobinfleck, bei Thalassämie, Hämoglobinopathien oder Lebererkrankungen
- Tränentropfenformen (Dakryozyten): tropfenförmige Zellen bei Myelofibrose oder Knochenmarkinfiltration
Veränderungen der Färbung
- Hypochromie: blasse Erythrozyten mit vergrößerter zentraler Aufhellung, typisch für Eisenmangel
- Hyperchromie: intensiv gefärbte Erythrozyten, z. B. bei Sphärozyten
- Polychromasie: bläulich-rötliche Tönung durch noch vorhandene RNA, Hinweis auf gesteigerte Erythropoese (Retikulozyten)
Einschlüsse in Erythrozyten
- Howell-Jolly-Körper: Kernreste bei funktioneller oder anatomischer Asplenie
- Heinz-Körper: denaturiertes Hämoglobin bei G6PD-Mangel oder Hämoglobinopathien
- Basophile Tüpfelung: Ansammlung von Ribosomen, z. B. bei Bleivergiftung oder Thalassämie
- Cabot-Ringe: ringförmige Einschlüsse, selten bei schweren Anämien
Diagnostische Bedeutung
Die Beurteilung der Erythrozytenmorphologie erfolgt im Blutausstrich (peripherer Blutausstrich), der entweder manuell durch einen Arzt oder Laborspezialisten oder automatisiert durch Hämatologiegeräte analysiert wird. In Kombination mit dem Blutbild (CBC – Complete Blood Count) und weiteren Laborparametern ermöglicht sie die differenzierte Diagnose von:
- verschiedenen Formen der Anämie (Eisenmangel-, megaloblastäre, hämolytische Anämie)
- Hämoglobinopathien (Sichelzellanämie, Thalassämie)
- Erkrankungen der Erythrozytenmembran (Sphärozytose, Elliptozytose)
- mikroangiopathischen Erkrankungen (TTP, HUS, DIC)
- Leber- und Nierenerkrankungen
- Knochenmarkerkrankungen (Myelofibrose, Leukämie)
Durchführung und Auswertung
Für den Blutausstrich wird ein Tropfen Blut auf einem Objektträger ausgestrichen, getrocknet und mit Spezialfärbungen (z. B. May-Grünwald-Giemsa-Färbung) eingefärbt. Anschließend erfolgt die mikroskopische Auswertung bei 400–1000-facher Vergrößerung. Die Befunde werden standardisiert beschrieben und quantifiziert (z. B. vereinzelt, mäßig, deutlich vorhanden).
Quellen
- Hoffmann, J. J. M. L. et al. - Guidelines for the Evaluation of Blood Cell Morphology. International Journal of Laboratory Hematology, 2014.
- Bain, B. J. - Blood Cells: A Practical Guide. 5th edition. Wiley-Blackwell, 2015.
- World Health Organization (WHO) - Use of Anticoagulants in Diagnostic Laboratory Investigations. WHO/DIL/LAB/99.1, 2002.
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