Anorektale Funktion – Aufgaben, Störungen und Diagnose
Die anorektale Funktion beschreibt das Zusammenspiel von Enddarm und After bei der Stuhlkontrolle. Störungen können zu Inkontinenz oder Verstopfung führen.
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Die anorektale Funktion beschreibt das Zusammenspiel von Enddarm und After bei der Stuhlkontrolle. Störungen können zu Inkontinenz oder Verstopfung führen.
Was ist die anorektale Funktion?
Die anorektale Funktion bezeichnet das komplexe Zusammenspiel anatomischer Strukturen und neurologischer Steuerungsmechanismen im Bereich des Rektums (Mastdarms) und des Anus (Afters). Sie ist essenziell für die kontrollierte Speicherung und gezielte Entleerung von Stuhl sowie für die Unterscheidung zwischen festen, flüssigen und gasförmigen Darminhalten.
Anatomische Grundlagen
Das anorektale System besteht aus mehreren wichtigen Strukturen:
- Rektum: Der letzte Abschnitt des Dickdarms, der als Reservoir für Stuhl dient.
- Interner Analsphinkter: Ein glatter, unwillkürlicher Muskel, der dauerhaft kontrahiert ist und für die Basisspannung des Afterverschlusses sorgt.
- Externer Analsphinkter: Ein quergestreifter, willkürlich steuerbarer Muskel, der eine bewusste Stuhlkontinenz ermöglicht.
- Puborektalismuskel: Ein Teil des Beckenbodens, der eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des anorektalen Winkels spielt.
- Analkanal: Der kurze Endabschnitt des Verdauungstrakts, ausgekleidet mit hochsensiblem Gewebe zur Diskrimination der Stuhlkonsistenz.
Physiologische Mechanismen
Kontinenz und Stuhlspeicherung
Im Ruhezustand sorgt der interne Analsphinkter für einen dauerhaften Verschluss des Afters. Tritt Stuhl in das Rektum ein, dehnen sich die Rektumwände, und über den sogenannten rektoanalen Hemmreflex (RAIR) relaxiert der interne Sphinkter kurzzeitig. Der externe Sphinkter kontrahiert dabei willkürlich, um ungewollten Stuhlabgang zu verhindern. Dieser Mechanismus ermöglicht es dem Gehirn, den Stuhl zu erkennen und eine geeignete Situation zur Entleerung abzuwarten.
Defäkation
Die Defäkation (Stuhlentleerung) ist ein koordinierter Prozess: Durch Erhöhung des abdominalen Drucks (z. B. durch Pressen), gleichzeitige Relaxation des Beckenbodens und der Sphinkteren sowie Kontraktion der Rektummuskulatur wird Stuhl entleert. Dabei ändert sich der anorektale Winkel, was die Passage des Stuhls erleichtert.
Sensorik
Der Analkanal verfügt über spezialisierte Rezeptoren, die zwischen festen Stuhlmassen, Flüssigkeiten und Gas unterscheiden können. Diese Feinwahrnehmung ist entscheidend für die präzise Kontrolle der Kontinenz.
Störungen der anorektalen Funktion
Verschiedene Erkrankungen und Zustände können die anorektale Funktion beeinträchtigen:
- Stuhlinkontinenz: Unwillkürlicher Verlust von Stuhl oder Darmwinden, häufig durch Sphinkterschäden, Nervenschädigungen oder Beckenbodenschwäche verursacht.
- Obstipation (Verstopfung): Erschwerter oder seltener Stuhlgang, der auf eine verminderte Rektummotilität, Beckenbodendysfunktion oder strukturelle Veränderungen zurückzuführen sein kann.
- Anismus (dyssynerger Beckenboden): Paradoxe Kontraktion des Beckenbodens beim Pressen, die die Stuhlentleerung erheblich erschwert.
- Rektumprolaps: Vorfall des Mastdarms durch den After, der die Kontinenz und Entleerung beeinträchtigt.
- Morbus Hirschsprung: Angeborenes Fehlen von Nervenzellen im Rektum, das zu schwerer Verstopfung führt.
Diagnose anorektaler Funktionsstörungen
Zur Beurteilung der anorektalen Funktion stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung:
- Anorektale Manometrie: Messung der Druckverhältnisse im Analkanal und Rektum zur Beurteilung von Sphinkterfunktion und Reflexen.
- Defäkografie: Bildgebungsverfahren zur Darstellung der Rektum- und Beckenbodenaktivität während der Entleerung.
- Endoanale Sonografie: Ultraschalluntersuchung zur Beurteilung der Sphinkterstruktur.
- Elektromyografie (EMG): Messung der elektrischen Aktivität der Sphinktermuskulatur.
- Ballonexpulsionstest: Einfacher Test zur Beurteilung der rektalen Entleerungsfähigkeit.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie richtet sich nach der zugrundeliegenden Störung:
- Beckenbodentraining und Biofeedback: Gezielte Übungen zur Stärkung und Koordination der Sphinkter- und Beckenbodenmuskulatur.
- Ernährungsanpassung: Ballaststoffreiche Kost und ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei Obstipation.
- Medikamentöse Therapie: Einsatz von Laxanzien, Antidiarrhoika oder proktologischen Lokaltherapeutika je nach Symptomatik.
- Sakrale Nervenstimulation: Elektrische Stimulation des Kreuzbeinnervs zur Verbesserung der Sphinkterfunktion bei Inkontinenz.
- Operative Eingriffe: Sphinkterrekonstruktion, Rektopexie oder andere chirurgische Verfahren bei strukturellen Schäden.
Quellen
- Bharucha AE, Wald A. Anorectal Disorders. American Journal of Gastroenterology, 2019; 114(6): 863-875. DOI: 10.14309/ajg.0000000000000235
- Whitehead WE et al. Fecal Incontinence and Pelvic Floor Disorders. Gastroenterology, 2009; 136(4): 1054-1060.
- Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie (DGK). Leitlinien zur Diagnostik und Therapie anorektaler Funktionsstörungen. AWMF, 2021. Verfügbar unter: www.awmf.org
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