Adhärenztherapie – Definition und Anwendung
Die Adhärenztherapie ist ein psychotherapeutischer Ansatz, der Patienten dabei unterstützt, ihre Medikation konsequent und eigenverantwortlich einzunehmen. Sie fördert die Therapietreue durch Gesprächsführung und motivierende Techniken.
Tipps & Infos zu Gesundheitsthemen Tipps & Infos zu GesundheitsthemenWissenswertes über "Adhärenztherapie"
Die Adhärenztherapie ist ein psychotherapeutischer Ansatz, der Patienten dabei unterstützt, ihre Medikation konsequent und eigenverantwortlich einzunehmen. Sie fördert die Therapietreue durch Gesprächsführung und motivierende Techniken.
Was ist Adhärenztherapie?
Die Adhärenztherapie ist ein strukturierter, patientenzentrierter Therapieansatz, der darauf abzielt, die Bereitschaft und Fähigkeit von Patienten zu stärken, ihre medizinische Behandlung konsequent fortzuführen. Der Begriff Adhärenz (von lateinisch adhaerere, anhaften, festhalten) beschreibt das Ausmaß, in dem das Verhalten einer Person mit den vereinbarten Empfehlungen eines Behandlers übereinstimmt. Im Unterschied zum älteren Begriff Compliance betont Adhärenz die aktive Mitgestaltung des Patienten im Therapieprozess.
Die Adhärenztherapie wurde ursprünglich für Menschen mit psychischen Erkrankungen entwickelt, insbesondere für Patienten mit Schizophrenie, die häufig ihre antipsychotische Medikation absetzen. Heute findet sie Anwendung bei zahlreichen chronischen Erkrankungen, darunter Diabetes mellitus, Bluthochdruck, HIV-Infektionen und Depressionen.
Ziele der Adhärenztherapie
Das übergeordnete Ziel ist die nachhaltige Verbesserung der Therapietreue. Konkret soll die Adhärenztherapie:
- Ambivalenzen gegenüber der Medikation offen thematisieren und auflösen
- das Verständnis des Patienten für seine Erkrankung und Behandlung verbessern
- negative Überzeugungen und Ängste bezüglich Medikamenten abbauen
- die Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung des Patienten stärken
- eine tragfähige therapeutische Beziehung zwischen Patient und Behandler fördern
Methoden und Vorgehensweise
Die Adhärenztherapie kombiniert Elemente aus verschiedenen bewährten psychotherapeutischen Verfahren:
Motivierende Gesprächsführung
Die motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing) ist ein zentrales Element. Der Therapeut begegnet dem Patienten auf Augenhöhe, exploriert dessen persönliche Einstellungen zur Therapie und hilft ihm, eigene Motivationsgründe für die Behandlung zu entwickeln, ohne Druck auszuüben.
Kognitive Verhaltenstherapie
Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie werden eingesetzt, um dysfunktionale Gedankenmuster über die Erkrankung oder Medikamente zu identifizieren und zu verändern. Fehlannahmen, wie die Überzeugung, dass Medikamente mehr schaden als nützen, werden sachlich aufgegriffen und korrigiert.
Psychoedukation
Durch gezielte Psychoedukation erhalten Patienten verständliche, evidenzbasierte Informationen über ihre Erkrankung, den Wirkmechanismus ihrer Medikamente sowie mögliche Nebenwirkungen. Dieses Wissen bildet die Grundlage für eine informierte Therapieentscheidung.
Problemlösestrategien
Praktische Hindernisse der Medikamenteneinnahme, wie Vergesslichkeit, Nebenwirkungen oder organisatorische Schwierigkeiten, werden gemeinsam identifiziert und durch konkrete Lösungsstrategien adressiert.
Ablauf einer Adhärenztherapie
Die Adhärenztherapie wird in der Regel als Kurzintervention mit 4 bis 8 Sitzungen durchgeführt. Sie kann als Einzel- oder Gruppentherapie angeboten werden. Der Ablauf gliedert sich typischerweise in folgende Phasen:
- Phase 1: Exploration der Einstellungen des Patienten zur Medikation und seiner Krankheitsgeschichte
- Phase 2: Gemeinsame Analyse von Vor- und Nachteilen der Behandlung
- Phase 3: Bearbeitung von Ambivalenzen und negativen Überzeugungen
- Phase 4: Entwicklung eines individuellen Planes zur Aufrechterhaltung der Adhärenz
Anwendungsgebiete
Die Adhärenztherapie wird bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt, bei denen eine langfristige Medikamenteneinnahme erforderlich ist:
- Psychische Erkrankungen (Schizophrenie, bipolare Störung, Depression)
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Bluthochdruck, Herzinsuffizienz)
- Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus Typ 2)
- Infektionskrankheiten (HIV, Tuberkulose)
- Chronisch-entzündliche Erkrankungen (rheumatoide Arthritis)
Wirksamkeit und Evidenz
Mehrere klinische Studien belegen die Wirksamkeit der Adhärenztherapie. Insbesondere bei Patienten mit Schizophrenie konnte eine signifikante Verbesserung der Medikamentenadhärenz und eine Reduktion von Rückfällen nachgewiesen werden. Eine Cochrane-Analyse zeigte jedoch, dass die Effekte moderat und nicht bei allen Patientengruppen einheitlich sind, weshalb die Therapie stets individuell angepasst werden sollte.
Quellen
- Kemp, R., Hayward, P., Applewhaite, G., Everitt, B., David, A. (1996): Compliance therapy in psychotic patients: randomised controlled trial. In: BMJ, 312(7027), S. 345-349.
- Zygmunt, A., Olfson, M., Boyer, C. A., Mechanic, D. (2002): Interventions to improve medication adherence in schizophrenia. In: American Journal of Psychiatry, 159(10), S. 1653-1664.
- World Health Organization (WHO) (2003): Adherence to Long-Term Therapies: Evidence for Action. Genf: WHO Press.
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