Antiandrogen – Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen
Antiandrogene sind Wirkstoffe, die die Wirkung männlicher Geschlechtshormone (Androgene) hemmen. Sie werden u. a. bei Prostatakrebs, Akne und Hirsutismus eingesetzt.
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Antiandrogene sind Wirkstoffe, die die Wirkung männlicher Geschlechtshormone (Androgene) hemmen. Sie werden u. a. bei Prostatakrebs, Akne und Hirsutismus eingesetzt.
Was ist ein Antiandrogen?
Antiandrogene sind eine Gruppe von Wirkstoffen, die die biologische Wirkung der männlichen Geschlechtshormone – der sogenannten Androgene (z. B. Testosteron, Dihydrotestosteron) – abschwächen oder vollständig blockieren. Sie greifen entweder direkt an den Androgenrezeptoren an oder hemmen die Produktion bzw. Umwandlung von Androgenen im Körper. Antiandrogene werden sowohl in der Medizin als auch in der Hormontherapie eingesetzt.
Wirkmechanismus
Androgene entfalten ihre Wirkung, indem sie an spezifische Androgenrezeptoren in den Zielzellen binden. Antiandrogene konkurrieren mit den Androgenen um diese Bindungsstellen und blockieren so deren Wirkung. Man unterscheidet dabei zwei Hauptmechanismen:
- Rezeptorantagonisten: Diese Substanzen binden an den Androgenrezeptor, ohne ihn zu aktivieren, und verhindern so, dass Androgene ihre Signalwirkung entfalten (z. B. Bicalutamid, Flutamid, Spironolacton).
- Inhibitoren der Androgensynthese oder -umwandlung: Diese hemmen Enzyme, die für die Produktion oder Aktivierung von Androgenen notwendig sind (z. B. 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Finasterid, oder GnRH-Analoga, die die Testosteronproduktion in den Hoden unterdrücken).
Medizinische Anwendungsgebiete
Prostatakrebs
Antiandrogene sind ein zentraler Bestandteil der Behandlung des hormonsensitiven Prostatakarzinoms. Da das Wachstum von Prostatakrebszellen häufig durch Androgene gefördert wird, kann eine Blockade dieser Hormone das Tumorwachstum verlangsamen oder stoppen. Häufig werden Antiandrogene in Kombination mit einer chirurgischen oder medikamentösen Kastration (GnRH-Analoga) eingesetzt.
Benigne Prostatahyperplasie (BPH)
Bei der gutartigen Vergrößerung der Prostata (BPH) können 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Finasterid oder Dutasterid eingesetzt werden. Sie hemmen die Umwandlung von Testosteron in das wirksamere Dihydrotestosteron (DHT) und reduzieren so das Prostatavolumen.
Akne und Seborrhoe
Androgene stimulieren die Talgdrüsen der Haut. Bei androgenabhängiger Akne oder übermäßiger Talgproduktion (Seborrhoe) können Antiandrogene – insbesondere bei Frauen – die Symptome deutlich verbessern. Häufig eingesetzt werden Cyproteronazetat (oft in kombinierten oralen Kontrazeptiva enthalten) oder Spironolacton.
Hirsutismus
Hirsutismus bezeichnet das übermäßige Haarwachstum bei Frauen nach männlichem Muster. Da dieses Symptom häufig auf einen erhöhten Androgenspiegel oder eine gesteigerte Androgenempfindlichkeit zurückzuführen ist, können Antiandrogene das Haarwachstum in den betroffenen Bereichen reduzieren.
Androgenetischer Haarausfall
Bei der androgenabhängigen Alopezie (erblich bedingter Haarausfall) hemmen 5-Alpha-Reduktase-Hemmer die Wirkung von DHT auf die Haarfollikel und können den Haarverlust verlangsamen oder stoppen.
Hormonelle Geschlechtsangleichung
Im Rahmen der Geschlechtsangleichung bei Transgender-Frauen (männlich-zu-weiblich) werden Antiandrogene eingesetzt, um die Wirkung von Testosteron zu unterdrücken und eine feminisierende Hormontherapie zu unterstützen.
Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)
Bei PCOS liegt häufig ein erhöhter Androgenspiegel vor, der zu Akne, Hirsutismus und Zyklusstörungen führt. Antiandrogene können hier zur Symptomlinderung beitragen.
Wichtige Vertreter
- Bicalutamid – nicht-steroidaler Androgenrezeptorantagonist, v. a. bei Prostatakrebs
- Flutamid – nicht-steroidaler Androgenrezeptorantagonist, bei Prostatakrebs und Hirsutismus
- Cyproteronazetat – steroidaler Androgenrezeptorantagonist, bei Akne, Hirsutismus und Prostatakrebs
- Spironolacton – Aldosteronantagonist mit antiandrogener Wirkung, bei Akne und Hirsutismus
- Finasterid / Dutasterid – 5-Alpha-Reduktase-Hemmer, bei BPH und Haarausfall
- Enzalutamid – neuerer Androgenrezeptorantagonist, bei kastrationsresistentem Prostatakrebs
Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen von Antiandrogenen hängen vom jeweiligen Wirkstoff und der Dosierung ab. Häufig auftretende unerwünschte Wirkungen umfassen:
- Libidoverlust und sexuelle Dysfunktion (bei Männern)
- Gynäkomastie (Brustdrüsenwachstum beim Mann)
- Hitzewallungen
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Veränderungen der Knochendichte (erhöhtes Osteoporoserisiko bei Langzeitanwendung)
- Leberfunktionsstörungen (insbesondere bei Flutamid)
- Stimmungsveränderungen und depressive Verstimmungen
Bei Frauen können antiandrogene Therapien gut verträglich sein, jedoch sind Antiandrogene in der Schwangerschaft kontraindiziert, da sie die Entwicklung männlicher Feten beeinträchtigen können.
Wichtige Hinweise
Die Einnahme von Antiandrogenen sollte stets unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen – einschließlich Blutbild, Leberwerte und Hormonspiegel – sind während der Therapie erforderlich. Eigenmächtige Dosisanpassungen oder ein abruptes Absetzen können zu unerwünschten Effekten führen.
Quellen
- Lüllmann H., Mohr K., Hein L.: Pharmakologie und Toxikologie, 18. Auflage. Thieme Verlag, 2016.
- Attard G. et al.: Prostate cancer. The Lancet, 387(10013):70-82, 2016. DOI: 10.1016/S0140-6736(14)61947-4
- Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU): S3-Leitlinie Prostatakarzinom, AWMF-Registernummer 043/022OL, aktualisierte Fassung 2021. Verfügbar unter: www.awmf.org
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