Akutes Atemnotsyndrom (ARDS) – Ursachen & Therapie
Das akute Atemnotsyndrom (ARDS) ist ein lebensbedrohliches Lungenversagen, bei dem die Lunge durch Entzündung und Flüssigkeitsansammlung schwer geschädigt wird.
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Das akute Atemnotsyndrom (ARDS) ist ein lebensbedrohliches Lungenversagen, bei dem die Lunge durch Entzündung und Flüssigkeitsansammlung schwer geschädigt wird.
Was ist das akute Atemnotsyndrom (ARDS)?
Das akute Atemnotsyndrom (englisch: Acute Respiratory Distress Syndrome, kurz ARDS) ist eine schwerwiegende, lebensbedrohliche Erkrankung der Lunge. Es handelt sich um eine Form des akuten Lungenversagens, bei der sich Flüssigkeit in den Luftbläschen (Alveolen) der Lunge ansammelt. Dadurch kann die Lunge nicht mehr ausreichend Sauerstoff ins Blut abgeben. ARDS tritt in der Regel als Folge einer anderen schweren Erkrankung oder Verletzung auf und erfordert eine intensivmedizinische Behandlung.
Ursachen
ARDS kann durch eine Vielzahl von direkten und indirekten Auslösern entstehen:
Direkte Ursachen (Lungenschädigung)
- Lungenentzündung (Pneumonie), z. B. durch Bakterien, Viren oder Pilze
- Einatmen von schädlichen Substanzen (z. B. Rauch, Magensäure)
- Beinahe-Ertrinken
- Lungenkontusion (stumpfes Trauma der Lunge)
Indirekte Ursachen (systemische Erkrankungen)
- Sepsis (lebensbedrohliche Reaktion auf eine Infektion)
- Schweres Polytrauma (Mehrfachverletzungen)
- Massive Bluttransfusionen
- Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
- Schwere Verbrennungen
Symptome
Die Symptome des ARDS entwickeln sich in der Regel innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen nach dem auslösenden Ereignis:
- Starke, rasch zunehmende Atemnot (Dyspnoe)
- Schnelle Atemfrequenz (Tachypnoe)
- Niedriger Sauerstoffgehalt im Blut (Hypoxämie), oft erkennbar an Blaufärbung der Lippen oder Fingernägel (Zyanose)
- Husten, teils mit schaumigem Auswurf
- Verwirrtheit und Bewusstseinstrübung durch Sauerstoffmangel
- Rasselgeräusche beim Atmen
Diagnose
Die Diagnose des ARDS erfolgt nach den sogenannten Berliner Kriterien (2012), die folgende Punkte umfassen:
- Akuter Beginn innerhalb von einer Woche nach einer bekannten Ursache oder neuen bzw. verschlechterten Atemwegssymptomen
- Beidseitige Verschattungen im Röntgenbild oder CT der Lunge
- Ausschluss einer Herzinsuffizienz oder Überwässerung als alleinige Ursache
- Schwere Beeinträchtigung des Oxygenierungsindex (PaO2/FiO2-Verhältnis)
Je nach Schweregrad des Sauerstoffmangels wird ARDS in leicht, mittelschwer und schwer eingeteilt. Weitere diagnostische Maßnahmen umfassen Blutgasanalyse, Laboruntersuchungen sowie bildgebende Verfahren.
Behandlung
Die Behandlung des ARDS findet ausschließlich auf der Intensivstation statt und zielt darauf ab, die Sauerstoffversorgung zu sichern und die auslösende Grunderkrankung zu behandeln:
Beatmungstherapie
Die wichtigste Maßnahme ist die mechanische Beatmung, meist über einen Beatmungsschlauch (Intubation). Dabei wird eine sogenannte lungenprotektive Beatmung eingesetzt, die die empfindliche Lunge schont. Niedrige Atemzugvolumina und ein positiver Beatmungsdruck (PEEP) helfen, die Lunge offen zu halten.
Bauchlagerung
Das regelmäßige Umlagern des Patienten in die Bauchlage (Prone Positioning) hat sich als wirksam erwiesen, um die Sauerstoffaufnahme bei schwerem ARDS zu verbessern.
Medikamentöse Therapie
- Behandlung der Grunderkrankung (z. B. Antibiotika bei Sepsis)
- Kortikosteroide in bestimmten Fällen zur Entzündungshemmung
- Flüssigkeitsmanagement zur Vermeidung weiterer Ödembildung
ECMO
Bei sehr schwerem ARDS kann eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) eingesetzt werden. Dabei übernimmt eine Maschine vorübergehend die Aufgabe der Lunge, Sauerstoff ins Blut einzubringen.
Prognose
ARDS ist mit einer erheblichen Sterblichkeit verbunden, die je nach Schweregrad und Grunderkrankung zwischen 30 und 50 Prozent liegt. Überlebende können langfristige körperliche und kognitive Einschränkungen entwickeln. Frühzeitige Diagnose und konsequente intensivmedizinische Behandlung verbessern die Prognose deutlich.
Quellen
- ARDS Definition Task Force, Ranieri VM et al. - Acute Respiratory Distress Syndrome: The Berlin Definition. JAMA. 2012;307(23):2526-2533.
- World Health Organization (WHO) - Clinical management of severe acute respiratory infection. Geneva: WHO Press, 2019.
- Matthay MA, Zemans RL et al. - Acute respiratory distress syndrome. Nature Reviews Disease Primers. 2019;5:18.
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