Allergentoleranz – Immunsystem und Allergien
Allergentoleranz bezeichnet die Fähigkeit des Immunsystems, auf harmlose Substanzen nicht mit einer überschießenden Abwehrreaktion zu reagieren. Sie ist Grundlage moderner Therapieansätze wie der Allergen-Immuntherapie.
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Allergentoleranz bezeichnet die Fähigkeit des Immunsystems, auf harmlose Substanzen nicht mit einer überschießenden Abwehrreaktion zu reagieren. Sie ist Grundlage moderner Therapieansätze wie der Allergen-Immuntherapie.
Was ist Allergentoleranz?
Allergentoleranz beschreibt den Zustand, in dem das Immunsystem eines Menschen auf bestimmte Substanzen – sogenannte Allergene – keine übermäßige Abwehrreaktion auslöst. Bei gesunden Menschen besteht gegenüber den meisten Umwelt- und Nahrungsstoffen eine natürliche Toleranz. Bei Allergikern ist diese Toleranz gestört, sodass das Immunsystem selbst harmlose Stoffe wie Pollen, Tierhaare oder Nahrungsmittel als Bedrohung einstuft und mit einer allergischen Reaktion antwortet.
Immunologische Grundlagen
Die Allergentoleranz beruht auf komplexen Mechanismen des Immunsystems. Zentrale Rollen spielen dabei:
- Regulatorische T-Zellen (Treg): Diese spezialisierten Immunzellen dämpfen überschießende Immunantworten und fördern die Toleranz gegenüber Allergenen.
- IgG4-Antikörper: Bei erfolgreicher Toleranzentwicklung werden vermehrt Immunglobulin-G4-Antikörper gebildet, die blockierend wirken und die allergische Reaktion abschwächen.
- Interleukin-10 (IL-10): Dieses entzündungshemmende Botenmolekül wird bei Toleranzentwicklung vermehrt ausgeschüttet und hemmt die Ausschüttung von Entzündungsmediatoren.
Ursachen gestörter Allergentoleranz
Warum manche Menschen eine Allergie entwickeln und andere nicht, ist noch nicht vollständig geklärt. Bekannte Einflussfaktoren sind:
- Genetische Veranlagung: Eine familiäre Vorbelastung (atopische Diathese) erhöht das Allergierisiko erheblich.
- Hygienehypothese: Zu geringe Exposition gegenüber Mikroorganismen in der frühen Kindheit kann die Toleranzentwicklung beeinträchtigen.
- Umweltfaktoren: Luftverschmutzung, Tabakrauch und veränderte Lebensbedingungen beeinflussen das Immunsystem negativ.
- Frühkindliche Ernährung: Eine zu späte oder zu frühe Einführung bestimmter Nahrungsmittel kann die orale Toleranzentwicklung stören.
Orale Toleranz
Ein besonders wichtiger Teilbereich ist die orale Toleranz – die Fähigkeit des Immunsystems, auf Nahrungsmittelbestandteile nicht mit einer allergischen Reaktion zu antworten. Sie entsteht vor allem in früher Kindheit durch die wiederholte Aufnahme von Nahrungsproteinen über den Magen-Darm-Trakt. Wird diese Toleranz nicht aufgebaut, kann sich eine Nahrungsmittelallergie entwickeln.
Allergen-Immuntherapie zur Wiederherstellung der Toleranz
Die wichtigste medizinische Methode zur gezielten Förderung der Allergentoleranz ist die Allergen-Immuntherapie (AIT), auch bekannt als Hyposensibilisierung. Dabei wird dem Patienten das auslösende Allergen in schrittweise steigenden Dosen verabreicht, um das Immunsystem an die Substanz zu gewöhnen und eine dauerhafte Toleranz aufzubauen. Es gibt folgende Formen:
- Subkutane Immuntherapie (SCIT): Das Allergen wird unter die Haut injiziert.
- Sublinguale Immuntherapie (SLIT): Das Allergen wird als Tropfen oder Tablette unter die Zunge gegeben.
- Orale Immuntherapie (OIT): Besonders bei Nahrungsmittelallergien eingesetzt, bei der das Allergen gegessen wird.
Eine erfolgreiche Immuntherapie kann die Symptome dauerhaft reduzieren und im besten Fall eine vollständige Toleranz gegenüber dem Allergen bewirken.
Diagnostik
Zur Beurteilung der Allergentoleranz stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung:
- Prick-Test und Intrakutantest: Hautreaktionstests zur Identifikation von Allergenen.
- Spezifisches IgE im Blut: Messung allergen-spezifischer Antikörper.
- Oraler Provokationstest: Kontrollierte Gabe des Allergens unter medizinischer Aufsicht.
- Basophilenaktivierungstest (BAT): Funktionaler Test zur Beurteilung der Immunreaktion.
Bedeutung für die Prävention
Das Verständnis der Allergentoleranz hat große Bedeutung für die Allergieprävention. Neuere Studien zeigen, dass eine frühzeitige Exposition gegenüber bestimmten Allergenen – insbesondere bei Säuglingen – die Entwicklung von Nahrungsmittelallergien verhindern kann. So empfehlen aktuelle Leitlinien die frühzeitige Einführung von Erdnuss- und Eiprodukten bei Hochrisikokindern zur Förderung der oralen Toleranz.
Quellen
- Akdis, C.A. & Akdis, M. (2015). Mechanisms of allergen-specific immunotherapy and immune tolerance to allergens. World Allergy Organization Journal, 8(1), 17. PubMed PMID: 26023320.
- Bundesärztekammer / AWMF-Leitlinie: Allergen-Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen. AWMF-Registernummer 061-004 (2022).
- Du Toit, G. et al. (2015). Randomized Trial of Peanut Consumption in Infants at Risk for Peanut Allergy (LEAP-Studie). New England Journal of Medicine, 372(9), 803–813.
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