Angiogenesehemmung – Definition & Anwendung
Angiogenesehemmung bezeichnet die gezielte Unterbindung der Neubildung von Blutgefäßen. Sie wird vor allem in der Krebstherapie eingesetzt, um Tumoren die Blutversorgung zu entziehen.
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Angiogenesehemmung bezeichnet die gezielte Unterbindung der Neubildung von Blutgefäßen. Sie wird vor allem in der Krebstherapie eingesetzt, um Tumoren die Blutversorgung zu entziehen.
Was ist Angiogenesehemmung?
Die Angiogenesehemmung (auch Anti-Angiogenese oder Angiogeneseinhibition genannt) bezeichnet den gezielten Eingriff in den Prozess der Angiogenese – also die Neubildung von Blutgefäßen aus bereits bestehenden Gefäßen. Dieser Prozess ist im gesunden Körper wichtig für Wundheilung und Gewebewachstum. In krankhaften Zuständen, insbesondere bei Tumoren und bestimmten Augenerkrankungen, kann unkontrollierte Angiogenese jedoch schädlich sein. Angiogenesehemmer greifen gezielt in diese Gefäßneubildung ein und unterbinden sie.
Bedeutung der Angiogenese in der Medizin
Tumoren benötigen ab einer bestimmten Größe eine eigene Blutversorgung, um mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt zu werden. Sie senden dafür Signalstoffe aus – allen voran den Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) –, die das Wachstum neuer Blutgefäße anregen. Ohne diese Gefäßversorgung können Tumoren nicht weiter wachsen oder Metastasen bilden. Die Angiogenesehemmung zielt darauf ab, diesen Prozess zu blockieren.
Wirkmechanismus
Angiogenesehemmer wirken auf verschiedene Weisen:
- VEGF-Antikörper (z. B. Bevacizumab): Binden direkt an den Wachstumsfaktor VEGF und verhindern, dass er seinen Rezeptor aktiviert.
- VEGF-Rezeptor-Inhibitoren (z. B. Sorafenib, Sunitinib): Blockieren die Signalweiterleitung innerhalb der Endothelzellen der Blutgefäße.
- Endogene Hemmstoffe (z. B. Angiostatin, Endostatin): Körpereigene Proteine, die das Gefäßwachstum natürlicherweise regulieren und therapeutisch eingesetzt werden können.
Anwendungsgebiete
Onkologie (Krebstherapie)
Das wichtigste Einsatzgebiet der Angiogenesehemmung ist die Krebstherapie. Angiogenesehemmer werden häufig in Kombination mit Chemotherapie oder anderen zielgerichteten Therapien eingesetzt. Zugelassene Indikationen umfassen unter anderem:
- Kolorektales Karzinom (Darmkrebs)
- Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom
- Nierenzellkarzinom
- Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs)
- Hepatozelluläres Karzinom (Leberkrebs)
Augenheilkunde
In der Augenheilkunde werden Anti-VEGF-Präparate (z. B. Ranibizumab, Aflibercept) zur Behandlung der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) und des diabetischen Makulaödems eingesetzt. Die pathologische Gefäßneubildung in der Netzhaut wird dadurch gehemmt, was den Sehverlust verlangsamen oder stoppen kann.
Nebenwirkungen
Da Angiogenesehemmer auch physiologische Gefäßprozesse beeinflussen, können verschiedene Nebenwirkungen auftreten:
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Erhöhtes Blutungsrisiko
- Wundheilungsstörungen
- Thromboembolische Ereignisse (Blutgerinnsel)
- Proteinurie (Eiweißausscheidung im Urin)
- Gastrointestinale Perforationen (selten, aber schwerwiegend)
Aktuelle Forschung und Ausblick
Die Forschung zur Angiogenesehemmung ist ein aktives Feld der biomedizinischen Wissenschaft. Kombinationstherapien mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren zeigen vielversprechende Ergebnisse bei verschiedenen Tumorentitäten. Zudem wird untersucht, wie Resistenzmechanismen gegen Angiogenesehemmer überwunden werden können, um die Therapieeffizienz langfristig zu verbessern.
Quellen
- Ferrara N, Kerbel RS. Angiogenesis as a therapeutic target. Nature. 2005;438(7070):967-974. doi:10.1038/nature04483
- Folkman J. Tumor angiogenesis: therapeutic implications. New England Journal of Medicine. 1971;285(21):1182-1186.
- World Health Organization (WHO). Cancer – Targeted Therapy. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/cancer (abgerufen 2024)
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