Antibiotikatherapie – Wirkung, Anwendung & Resistenz
Die Antibiotikatherapie ist die gezielte Behandlung bakterieller Infektionen mit Antibiotika. Sie hemmt das Wachstum von Bakterien oder tötet diese ab.
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Die Antibiotikatherapie ist die gezielte Behandlung bakterieller Infektionen mit Antibiotika. Sie hemmt das Wachstum von Bakterien oder tötet diese ab.
Was ist die Antibiotikatherapie?
Die Antibiotikatherapie bezeichnet den gezielten Einsatz von Antibiotika zur Behandlung von Infektionskrankheiten, die durch Bakterien verursacht werden. Antibiotika sind Wirkstoffe, die entweder das Wachstum von Bakterien hemmen (bakteriostatisch) oder Bakterien direkt abtöten (bakterizid). Sie gehören zu den wichtigsten Errungenschaften der modernen Medizin und haben die Behandlung von einst lebensbedrohlichen Infektionen grundlegend verändert.
Wichtig zu verstehen ist, dass Antibiotika ausschließlich gegen bakterielle Erreger wirken. Bei viralen Infektionen wie Erkältungen, Grippe oder COVID-19 sind sie wirkungslos und sollten nicht eingesetzt werden.
Wann wird eine Antibiotikatherapie eingesetzt?
Eine Antibiotikatherapie wird verordnet, wenn eine bakterielle Infektion vorliegt oder begründet vermutet wird. Typische Indikationen sind:
- Atemwegsinfektionen: z. B. bakterielle Lungenentzündung (Pneumonie), Scharlach, bakterielle Bronchitis
- Harnwegsinfektionen: z. B. Blasenentzündung (Zystitis), Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
- Hautinfektionen: z. B. Wundinfektionen, Erysipel (Wundrose), tiefe Gewebeinfektionen
- Sexuell übertragbare Infektionen: z. B. Chlamydien, Gonorrhoe, Syphilis
- Gastrointestinale Infektionen: z. B. bestimmte Formen der Gastroenteritis oder Helicobacter-pylori-Infektion
- Perioperative Prophylaxe: Vorbeugung von Infektionen vor und nach Operationen
Wirkmechanismen von Antibiotika
Verschiedene Antibiotikaklassen greifen an unterschiedlichen Strukturen oder Prozessen der Bakterienzelle an:
- Hemmung der Zellwandsynthese: Penicilline, Cephalosporine, Carbapeneme und Glykopeptide (z. B. Vancomycin) stören den Aufbau der bakteriellen Zellwand, sodass die Bakterien platzen und absterben.
- Hemmung der Proteinsynthese: Makrolide, Tetracycline, Aminoglykoside und Lincosamide verhindern die Herstellung lebenswichtiger Proteine in der Bakterienzelle.
- Hemmung der DNA-Synthese: Fluorchinolone (z. B. Ciprofloxacin) blockieren Enzyme, die für die Vervielfältigung der bakteriellen DNA notwendig sind.
- Hemmung des Folsaeurestoffwechsels: Sulfonamide und Trimethoprim greifen in den Stoffwechsel von Folsaeure ein, die Bakterien zum Wachstum benötigen.
- Schädigung der Zellmembran: Polymyxine destabilisieren die äußere Membran von gramnegativen Bakterien.
Wichtige Antibiotikaklassen im Überblick
Betalaktam-Antibiotika
Zu dieser Gruppe gehören Penicilline, Cephalosporine, Carbapeneme und Monobactame. Sie sind breit einsetzbar und gut verträglich, können jedoch bei Patienten mit bekannter Penicillinallergie Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen.
Makrolide
Wirkstoffe wie Azithromycin oder Clarithromycin werden häufig bei Atemwegsinfektionen und als Alternative bei Penicillinunverträglichkeit eingesetzt.
Fluorchinolone
Diese Klasse (z. B. Ciprofloxacin, Levofloxacin) wird vor allem bei Harnwegsinfektionen, Atemwegsinfektionen und gramnegativen Erregern eingesetzt. Aufgrund von Nebenwirkungen auf Sehnen und das Nervensystem wird ihr Einsatz zunehmend eingeschränkt.
Tetracycline
Doxycyclin und andere Tetracycline wirken gegen ein breites Erregerspektrum und werden z. B. bei Chlamydien, Borrelien (Lyme-Borreliose) oder Acne vulgaris eingesetzt.
Dosierung und Therapiedauer
Die Dosierung und Dauer der Antibiotikatherapie richten sich nach dem Erreger, dem Infektionsort, der Schwere der Erkrankung sowie dem Allgemeinzustand des Patienten. Grundsätzlich gilt:
- Antibiotika sollten immer vollständig und über die empfohlene Dauer eingenommen werden, auch wenn die Symptome früh nachlassen.
- Ein vorzeitiger Abbruch der Therapie kann dazu führen, dass nicht alle Bakterien abgetötet werden und Resistenzen entstehen.
- Die Tagesdosis und das Einnahmeintervall sind genau einzuhalten, um wirksame Wirkstoffspiegel im Blut aufrechtzuerhalten.
Nebenwirkungen
Wie alle Medikamente können Antibiotika Nebenwirkungen verursachen. Häufige unerwünschte Wirkungen sind:
- Gastrointestinale Beschwerden: Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen oder Erbrechen treten besonders häufig auf.
- Allergische Reaktionen: Von Hautausschlag bis hin zu schweren anaphylaktischen Reaktionen möglich, insbesondere bei Penicillinen.
- Störung der Darmflora: Antibiotika töten nicht nur Krankheitserreger, sondern auch nützliche Darmbakterien ab, was zu Pilzinfektionen (z. B. Candida) oder einer Infektion mit Clostridioides difficile führen kann.
- Photosensibilität: Besonders bei Tetracyclinen und Fluorchinolonen kann erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut auftreten.
- Nieren- und Lebertoxizität: Bei bestimmten Antibiotika (z. B. Aminoglykosiden) müssen Nierenfunktionswerte überwacht werden.
Antibiotikaresistenz
Die Antibiotikaresistenz ist eine der größten Herausforderungen der modernen Medizin. Sie entsteht, wenn Bakterien Mechanismen entwickeln, die sie unempfindlich gegenüber einem oder mehreren Antibiotika machen. Ursachen für die Entstehung und Verbreitung von Resistenzen sind:
- Übermäßiger und unsachgemäßer Einsatz von Antibiotika in der Human- und Tiermedizin
- Nicht vollständig abgeschlossene Antibiotikakuren
- Selbstmedikation ohne ärztliche Verordnung
- Unzureichende Hygienemaßnahmen in medizinischen Einrichtungen
Resistente Erreger wie MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) oder multiresistente gramnegative Bakterien stellen eine ernste Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft die Antibiotikaresistenz als eine der dringlichsten globalen Gesundheitsbedrohungen ein.
Rationaler Antibiotikaeinsatz und Antibiotic Stewardship
Um die Wirksamkeit von Antibiotika langfristig zu erhalten, fördern Gesundheitsbehörden weltweit das Konzept des Antibiotic Stewardship. Dabei handelt es sich um koordinierte Maßnahmen, die sicherstellen sollen, dass Antibiotika nur dann eingesetzt werden, wenn sie tatsächlich notwendig sind, und dass das am besten geeignete Antibiotikum in der richtigen Dosis und Dauer verschrieben wird.
Hinweise für Patienten
- Nehmen Sie Antibiotika nur nach ärztlicher Verordnung ein.
- Brechen Sie die Therapie nicht vorzeitig ab, auch wenn Sie sich bereits besser fühlen.
- Geben Sie Reste von Antibiotika nicht an andere Personen weiter.
- Informieren Sie Ihren Arzt über bekannte Allergien oder andere Medikamente, die Sie einnehmen.
- Bei Auftreten von starken Nebenwirkungen suchen Sie umgehend ärztlichen Rat.
Quellen
- World Health Organization (WHO): Antimicrobial Resistance. Global Action Plan on Antimicrobial Resistance. Geneva: WHO, 2015. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241509763
- Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI): S3-Leitlinie Strategien zur Sicherung rationaler Antibiotika-Anwendung im Krankenhaus. AWMF-Registernummer 092-001, 2019.
- Mandell GL, Bennett JE, Dolin R (Hrsg.): Mandell, Douglas, and Bennett's Principles and Practice of Infectious Diseases. 9. Auflage. Philadelphia: Elsevier, 2020.
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