Aortenbogenanomalie – Ursachen, Symptome & Therapie
Eine Aortenbogenanomalie ist eine angeborene Fehlbildung des Aortenbogens, die Herz, Gefäße und umliegende Strukturen beeinträchtigen kann.
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Eine Aortenbogenanomalie ist eine angeborene Fehlbildung des Aortenbogens, die Herz, Gefäße und umliegende Strukturen beeinträchtigen kann.
Was ist eine Aortenbogenanomalie?
Eine Aortenbogenanomalie bezeichnet eine angeborene Fehlbildung im Bereich des Aortenbogens – dem Teil der Hauptschlagader (Aorta), der sich bogenförmig vom Herzen nach oben und dann nach unten in den Körper erstreckt. Diese Fehlbildungen entstehen während der embryonalen Entwicklung, wenn sich die Blutgefäßanlagen nicht korrekt ausbilden oder zurückbilden. Je nach Art der Anomalie können umliegende Strukturen wie die Luftröhre (Trachea), die Speiseröhre (Ösophagus) oder große Nervenstränge eingeengt oder verlagert werden.
Ursachen
Aortenbogenanomalien entstehen durch Störungen in der embryonalen Gefäßentwicklung, meist zwischen der 4. und 8. Schwangerschaftswoche. In dieser Phase bildet sich aus mehreren Gefäßbögen (sogenannten Kiemenbögen) das endgültige Gefäßsystem. Bleibt ein Gefäßbogen bestehen, der normalerweise zurückgebildet wird, oder bildet sich ein notwendiger Bogen nicht aus, entstehen verschiedene Anomalien.
- Genetische Faktoren: Chromosomale Veränderungen wie die 22q11-Deletion (DiGeorge-Syndrom) sind häufig assoziiert.
- Umweltfaktoren: Infektionen, Medikamenteneinnahme oder Diabetes der Mutter während der Schwangerschaft können das Risiko erhöhen.
- Multifaktorielle Ursachen: In vielen Fällen ist eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen verantwortlich.
Häufige Formen der Aortenbogenanomalie
Doppelter Aortenbogen (Double Aortic Arch)
Beim doppelten Aortenbogen bestehen zwei vollständige Aortenbögen, die zusammen einen Gefäßring um Luftröhre und Speiseröhre bilden. Dies ist die häufigste symptomatische Aortenbogenanomalie und kann zu Schluckbeschwerden und Atemwegsproblemen führen.
Rechtsläufiger Aortenbogen (Right Aortic Arch)
Normalerweise verläuft der Aortenbogen nach links. Bei einem rechtsläufigen Aortenbogen verläuft er nach rechts. Je nach Begleitgefäßen kann auch hier ein Gefäßring entstehen.
Aberrante Arteria subclavia
Eine aberrante (fehlverlaufende) Arteria subclavia – insbesondere die Arteria lusoria (aberrante rechte Arteria subclavia) – verläuft hinter der Speiseröhre und kann diese einengen. Dies ist eine der häufigsten Aortenbogenanomalien (ca. 0,5–1 % der Bevölkerung).
Pulmonale Schlingengefäße (Pulmonary Sling)
Bei dieser seltenen Fehlbildung entspringt die linke Pulmonalarterie aus der rechten und verläuft zwischen Luftröhre und Speiseröhre, was zu schwerer Atemwegskompression führen kann.
Symptome
Die Symptome hängen stark von der Art und dem Ausmaß der Anomalie ab. Viele Betroffene haben keine oder nur geringe Beschwerden, während andere bereits im Säuglings- oder Kindesalter auffällig werden.
- Atemprobleme: Stridor (pfeifendes Atemgeräusch), Husten, rezidivierende Atemwegsinfekte, Atemnot
- Schluckbeschwerden (Dysphagie): Besonders bei fester Nahrung, auch als Dysphagia lusoria bezeichnet
- Regurgitation: Würgen oder Erbrechen bei Säuglingen und Kleinkindern
- Gedeihstörungen: Mangelnde Gewichtszunahme bei Säuglingen durch Schmerzen beim Schlucken
- Infektanfälligkeit: Häufige Lungenentzündungen durch Aspiration oder Atemwegsobstruktion
Diagnose
Die Diagnose einer Aortenbogenanomalie erfolgt durch verschiedene bildgebende Verfahren:
- Echokardiographie: Ultraschalluntersuchung des Herzens und der großen Gefäße, oft erste diagnostische Maßnahme bei Kindern
- Computertomographie (CT) mit Angiographie: Ermöglicht eine detaillierte dreidimensionale Darstellung der Gefäßanatomie und ist häufig der Goldstandard
- Magnetresonanztomographie (MRT): Strahlungsfreie Alternative zur CT, besonders geeignet für Kinder
- Bronchoskopie: Untersuchung der Atemwege bei Verdacht auf Trachealkompression
- Ösophagographie: Röntgenuntersuchung der Speiseröhre mit Kontrastmittel zum Nachweis einer externen Kompression
Behandlung
Nicht alle Aortenbogenanomalien erfordern eine Behandlung. Asymptomatische Befunde werden häufig beobachtet. Bei klinisch relevanten Beschwerden ist jedoch meist eine operative Korrektur notwendig.
Operative Therapie
Die chirurgische Behandlung ist die Methode der Wahl bei symptomatischen Anomalien. Ziel ist die Beseitigung des Gefäßrings oder die Korrektur der Gefäßfehlanlage. Der Eingriff erfolgt in der Regel im Kindesalter, oft im Säuglingsalter, und hat in spezialisierten Zentren sehr gute Erfolgsraten. Je nach Art der Anomalie kommen folgende Verfahren zum Einsatz:
- Durchtrennung und Ligatur des kleineren Aortenbogens beim doppelten Aortenbogen
- Verlagerung oder Reimplantation aberranter Gefäße
- Bei komplexen Fehlbildungen: Eingriff an der Herzlungenmaschine
Interventionelle und konservative Therapie
In bestimmten Fällen können minimalinvasive Katheterverfahren eingesetzt werden. Konservative Maßnahmen (z. B. Ernährungsanpassung bei milden Schluckbeschwerden) dienen der Symptomlinderung, beheben jedoch nicht die zugrundeliegende Fehlbildung.
Prognose
Die Prognose nach operativer Korrektur ist bei den meisten Aortenbogenanomalien sehr gut. Viele Kinder sind nach dem Eingriff vollständig beschwerdefrei. Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung sind bleibende Schäden an Luftröhre oder Speiseröhre in der Regel vermeidbar. Begleitende Herzfehler oder genetische Syndrome können die Prognose beeinflussen.
Quellen
- Kellenberger CJ. Aortic arch malformations. Pediatric Radiology. 2010;40(6):876–884. DOI: 10.1007/s00247-010-1610-4
- Edwards JE. Anomalies of the derivatives of the aortic arch system. Medical Clinics of North America. 1948;32(4):925–949.
- Lowe GM, Donaldson JS, Backer CL. Vascular rings: 10-year review of imaging. RadioGraphics. 1991;11(4):637–646. DOI: 10.1148/radiographics.11.4.1887121
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