Aerotolerant – Bedeutung & medizinische Relevanz
Aerotolerante Mikroorganismen können in Gegenwart von Sauerstoff überleben, ohne ihn für ihr Wachstum zu benötigen. Sie sind ein wichtiges Konzept in der Mikrobiologie und Infektionsmedizin.
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Aerotolerante Mikroorganismen können in Gegenwart von Sauerstoff überleben, ohne ihn für ihr Wachstum zu benötigen. Sie sind ein wichtiges Konzept in der Mikrobiologie und Infektionsmedizin.
Was bedeutet aerotolerant?
Aerotolerant bezeichnet Mikroorganismen – meist Bakterien – die zwar keinen Sauerstoff für ihr Wachstum benötigen, ihn aber vertragen können, ohne dabei geschädigt zu werden. Sie unterscheiden sich damit sowohl von aeroben Organismen (die auf Sauerstoff angewiesen sind) als auch von strikt anaeroben Organismen (für die Sauerstoff giftig ist).
Aerotoleranz im Vergleich zu anderen Sauerstoffklassen
Mikroorganismen werden nach ihrer Beziehung zu molekularem Sauerstoff (O₂) in verschiedene Gruppen eingeteilt:
- Obligat aerob: Wachstum nur in Anwesenheit von Sauerstoff möglich (z. B. Mycobacterium tuberculosis).
- Obligat anaerob: Wachstum nur ohne Sauerstoff; Sauerstoff ist für diese Organismen toxisch (z. B. Clostridium tetani).
- Fakultativ anaerob: Wachstum sowohl mit als auch ohne Sauerstoff, bevorzugt jedoch aerobe Bedingungen (z. B. Escherichia coli).
- Mikroaerophil: Benötigt geringe Sauerstoffkonzentrationen (z. B. Helicobacter pylori).
- Aerotolerant anaerob: Wächst ausschließlich durch Gärung (Fermentation), toleriert aber Sauerstoff ohne Schaden (z. B. Lactobacillus spp.).
Wirkmechanismus der Aerotoleranz
Aerotolerante Organismen besitzen spezielle Schutzmechanismen, die sie vor den toxischen Effekten reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) schützen. Zu diesen Mechanismen gehören:
- Superoxid-Dismutase (SOD): Ein Enzym, das Superoxid-Radikale in Wasserstoffperoxid und molekularen Sauerstoff umwandelt.
- Katalase oder Peroxidase: Enzyme, die Wasserstoffperoxid in Wasser und Sauerstoff abbauen und so oxidativen Schaden verhindern.
- NADH-Oxidasen: Diese Enzyme reduzieren Sauerstoff direkt zu Wasser, ohne gefährliche Zwischenprodukte zu erzeugen.
Da aerotolerante Organismen keine Atmungskette besitzen, gewinnen sie ihre Energie ausschließlich über Fermentationsprozesse – unabhängig davon, ob Sauerstoff vorhanden ist oder nicht.
Medizinische und mikrobiologische Bedeutung
Aerotolerante Bakterien spielen in verschiedenen medizinischen und biologischen Bereichen eine wichtige Rolle:
Probiotika und Darmgesundheit
Viele aerotolerante Milchsäurebakterien, insbesondere der Gattung Lactobacillus und Streptococcus, sind in der Lebensmittelproduktion (z. B. Joghurt, Käse) und als Probiotika von großer Bedeutung. Sie können den menschlichen Verdauungstrakt besiedeln, obwohl dort zeitweise Sauerstoff vorhanden ist.
Infektionskrankheiten
Einige aerotolerante Bakterien sind humanpathogen, also in der Lage, beim Menschen Krankheiten zu verursachen. Ein bekanntes Beispiel ist Erysipelothrix rhusiopathiae, der Erreger des Rotlaufs. Das Verständnis der Sauerstofftoleranz hilft bei der Planung von Kultivierungsbedingungen im Labor sowie bei der Wahl geeigneter Therapiestrategien.
Labordiagnostik
In der mikrobiologischen Diagnostik ist die Einstufung eines Erregers als aerotolerant klinisch relevant. Sie beeinflusst, unter welchen Bedingungen Proben transportiert und angezüchtet werden müssen. Aerotolerante Organismen können im Gegensatz zu strikt Anaerobiern auch bei kurzer Luftexposition noch kultiviert werden.
Abgrenzung: Aerotolerant vs. fakultativ anaerob
Ein häufiges Missverständnis ist die Verwechslung von aerotoleranten und fakultativ anaeroben Organismen. Der wesentliche Unterschied liegt in der Energiegewinnung: Fakultativ Anaerobe können sowohl die aerobe Atmung als auch die Gärung nutzen, während aerotolerante Anaerobier ausschließlich fermentieren – auch wenn Sauerstoff vorhanden ist. Sie profitieren metabolisch nicht von Sauerstoff, werden aber auch nicht durch ihn geschädigt.
Quellen
- Madigan, M. T. et al. – Brock Biology of Microorganisms, 15. Auflage, Pearson Education (2018).
- Fischbach, W. et al. – Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag (2021).
- World Health Organization (WHO) – Laboratory Biosafety Manual, 4. Auflage, WHO Press (2020). Verfügbar unter: https://www.who.int
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