Arteria hyaloidea – Embryonales Augengefäß
Die Arteria hyaloidea ist ein embryonales Blutgefäß im Auge, das während der Fetalentwicklung den Glaskörper und die Augenlinse versorgt und sich nach der Geburt normalerweise vollständig zurückbildet.
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Die Arteria hyaloidea ist ein embryonales Blutgefäß im Auge, das während der Fetalentwicklung den Glaskörper und die Augenlinse versorgt und sich nach der Geburt normalerweise vollständig zurückbildet.
Was ist die Arteria hyaloidea?
Die Arteria hyaloidea (auch Arteria hyaloides genannt) ist ein temporäres Blutgefäß, das ausschließlich während der embryonalen Entwicklung des Auges existiert. Sie entspringt der Arteria centralis retinae, einem Ast der Arteria ophthalmica, und verläuft durch den Glaskörper (Corpus vitreum) bis zur Rückseite der Augenlinse. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die sich entwickelnde Augenlinse und den Glaskörper mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen, solange noch kein eigenständiger Stoffwechsel dieser Strukturen möglich ist.
Entwicklung und Rückbildung
Die Arteria hyaloidea bildet sich ab der etwa 6. bis 7. Schwangerschaftswoche und ist ein wesentlicher Bestandteil des sogenannten Tunica vasculosa lentis, eines vorübergehenden Gefäßnetzes rund um die embryonale Linse. Sie ist Teil des primären Glaskörpersystems, das im Laufe der Fetalentwicklung durch das sekundäre, avaskuläre (gefäßfreie) Glaskörpergewebe ersetzt wird.
Gegen Ende der Schwangerschaft, typischerweise ab der 28. bis 34. Schwangerschaftswoche, beginnt sich die Arteria hyaloidea durch einen programmierten Zelltod (Apoptose) zurückzubilden. Bei einem gesunden Neugeborenen ist das Gefäß vollständig obliteriert (verschlossen) und nicht mehr funktionsfähig. Als anatomisches Überbleibsel verbleibt lediglich der Cloquet-Kanal (Canalis hyaloideus) – ein feiner, optisch leerer Kanal, der von der Sehnervpapille bis zur Rückseite der Linse durch den Glaskörper verläuft und beim Erwachsenen keine klinische Bedeutung hat.
Persistierende Arteria hyaloidea
In seltenen Fällen bildet sich die Arteria hyaloidea nach der Geburt nicht vollständig zurück. Dieses Phänomen wird als persistierende Arteria hyaloidea bezeichnet und kann isoliert auftreten oder im Rahmen des sogenannten PHPV-Syndroms (Persistierender Hyperplastischer Primärer Vitreus, heute auch PFVS – Persistent Fetal Vasculature Syndrome genannt) vorkommen.
Klinische Erscheinungsformen
- Isolierte Persistenz: Ein feines Gefäßband oder ein Stiel zieht von der Papille zur Linsenrückseite. Häufig ohne klinische Bedeutung und ein Zufallsbefund.
- PHPV / PFVS: Komplexere Fehlbildung mit fibrovaskulärem Gewebe hinter der Linse, möglicher Linsenverfärbung, Mikrophthalmus (zu kleines Auge), Glaukom (Grüner Star) oder Netzhautablösung.
Symptome
- Leukokorie (weißer Pupillenreflex) – ein wichtiges Warnsignal bei Neugeborenen
- Sehverschlechterung oder Amblyopie (Schwachsichtigkeit)
- Strabismus (Schielen)
- Erhöhter Augeninnendruck (bei begleitendem Glaukom)
Diagnose
Die Diagnose einer persistierenden Arteria hyaloidea oder eines PFVS erfolgt durch eine augenärztliche Untersuchung, einschließlich:
- Spaltlampenuntersuchung zur Beurteilung der Linse und des vorderen Augenabschnittes
- Ophthalmoskopie (Funduskopie) zur Darstellung des Glaskörpers und der Netzhaut
- Ultraschalluntersuchung des Auges (B-Scan) bei eingeschränkter Einsehbarkeit
- MRT des Auges bei komplexen Befunden oder zur Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen (z. B. Retinoblastom)
Behandlung
Eine isolierte, asymptomatische persistierende Arteria hyaloidea bedarf in der Regel keiner Therapie. Bei klinisch relevantem PFVS hingegen richtet sich die Behandlung nach dem Schweregrad:
- Operative Vitrektomie: Chirurgische Entfernung des fibrovaskulären Gewebes und des veränderten Glaskörpers zur Verbesserung des Sehvermögens
- Kataraktoperation: Bei Linsentrübung (Katarakt) durch das persistierende Gewebe
- Amblyopietherapie: Okklusionsbehandlung (Abdecken des gesunden Auges) zur Förderung der Sehentwicklung des betroffenen Auges
- Glaukomtherapie: Drucksenkende Medikamente oder Operation bei erhöhtem Augeninnendruck
Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung ist entscheidend, um bleibende Sehschäden zu vermeiden.
Quellen
- Sadler TW. Langman's Medical Embryology. 14. Auflage. Wolters Kluwer, 2019.
- Goldberg MF. Persistent fetal vasculature (PFV): An integrated interpretation of signs and symptoms associated with persistent hyperplastic primary vitreous (PHPV). American Journal of Ophthalmology. 1997;124(5):587–626.
- Chung MM, Orlin A. Persistent Hyperplastic Primary Vitreous. American Academy of Ophthalmology – EyeWiki. Verfügbar unter: https://eyewiki.aao.org (abgerufen 2024).
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