Anaerob – Bedeutung, Bakterien & Infektionen
Anaerob bedeutet ohne Sauerstoff. In der Medizin beschreibt der Begriff Prozesse, Bakterien oder Stoffwechselvorgänge, die ohne Sauerstoff ablaufen oder überleben können.
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Anaerob bedeutet ohne Sauerstoff. In der Medizin beschreibt der Begriff Prozesse, Bakterien oder Stoffwechselvorgänge, die ohne Sauerstoff ablaufen oder überleben können.
Was bedeutet anaerob?
Anaerob ist ein Begriff aus der Biologie und Medizin und leitet sich vom Griechischen ab: an (ohne) und aer (Luft) sowie bios (Leben). Er bezeichnet Lebensvorgänge, Organismen oder chemische Reaktionen, die ohne Sauerstoff ablaufen. Das Gegenteil ist aerob, also mit Sauerstoff.
Anaerober Stoffwechsel
Im menschlichen Körper kann Energie sowohl mit als auch ohne Sauerstoff gewonnen werden. Der anaerobe Stoffwechsel wird vor allem dann aktiviert, wenn die Sauerstoffversorgung der Muskeln nicht ausreicht, etwa bei intensiver körperlicher Belastung.
- Anaerobe Glykolyse: Glucose wird ohne Sauerstoff zu Laktat (Milchsäure) abgebaut. Dieser Prozess liefert schnell Energie, führt aber bei längerem Andauern zu Muskelermüdung und dem typischen Brennen in den Muskeln.
- ATP-Resynthese: Kurzfristig kann der Körper auch über das Kreatinphosphat-System (anaerob-alaktazid) Energie bereitstellen, ohne dass Laktat entsteht.
Anaerobe Mikroorganismen
In der Mikrobiologie unterscheidet man verschiedene Gruppen anaerober Mikroorganismen:
- Obligate Anaerobier: Diese Bakterien können ausschließlich ohne Sauerstoff leben. Sauerstoff ist für sie sogar giftig. Beispiele sind Clostridium-Arten (z. B. Erreger von Wundstarrkrampf oder Botulismus) und Bacteroides-Arten.
- Fakultative Anaerobier: Diese Mikroorganismen können sowohl mit als auch ohne Sauerstoff wachsen, z. B. Escherichia coli.
- Aerotolerante Anaerobier: Sie wachsen ohne Sauerstoff, werden durch ihn aber nicht abgetötet.
Medizinische Bedeutung anaerober Bakterien
Anaerobe Bakterien spielen eine wichtige Rolle bei verschiedenen Infektionskrankheiten. Sie kommen häufig in schlecht durchbluteten Geweben, tiefen Wunden oder Bereichen mit eingeschränkter Sauerstoffzufuhr vor.
Typische anaerobe Infektionen
- Abszesse (z. B. im Bauchraum, in der Lunge oder im Zahnbereich)
- Wundinfektionen nach Operationen oder Traumata
- Aspirationspneumonie (Lungenentzündung durch Einatmen von Mageninhalt)
- Gasbrand (verursacht durch Clostridium perfringens)
- Tetanus (Wundstarrkrampf, verursacht durch Clostridium tetani)
- Botulismus (verursacht durch Clostridium botulinum)
Diagnose anaerober Infektionen
Die Diagnose anaerober Infektionen erfordert spezielle Labormethoden, da diese Bakterien beim Kontakt mit Sauerstoff schnell absterben können. Proben müssen daher anaerob transportiert und unter Sauerstoffausschluss kultiviert werden. Typische Hinweise auf eine anaerobe Infektion sind:
- Fötider (übelriechender) Eiter oder Wundgeruch
- Gasbildung im Gewebe
- Lage der Infektion in schlecht durchbluteten oder nekrotischen Gewebearealen
Behandlung anaerober Infektionen
Die Behandlung richtet sich nach dem verursachenden Erreger und der Lokalisation der Infektion. Wichtige Maßnahmen sind:
- Antibiotika: Mittel der Wahl sind häufig Metronidazol, Clindamycin, Amoxicillin/Clavulansäure oder Carbapeneme.
- Chirurgische Sanierung: Abszesse und nekrotisches Gewebe müssen in vielen Fällen operativ entfernt oder drainiert werden.
- Hyperbare Sauerstofftherapie: Bei Gasbrand kann die Behandlung in einer Druckkammer mit reinem Sauerstoff unterstützend wirken.
Anaerob im Sport
Im Sportbereich bezeichnet anaerobes Training hochintensive Belastungen, bei denen der Körper die benötigte Energie überwiegend ohne Sauerstoff bereitstellt. Typische anaerobe Sportformen sind Sprinten, Gewichtheben und hochintensives Intervalltraining (HIIT). Die anaerobe Schwelle beschreibt die Intensitätsgrenze, ab der der Laktatgehalt im Blut stark ansteigt.
Quellen
- Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2013.
- Murray, P. R. et al.: Medical Microbiology. 8. Auflage. Elsevier, Philadelphia, 2015.
- World Health Organization (WHO): Antimicrobial Resistance. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/antimicrobial-resistance (abgerufen 2024).
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