Endopeptidase – Definition und Funktion
Endopeptidasen sind Enzyme, die Proteine an inneren Peptidbindungen spalten. Sie spielen eine zentrale Rolle in der Verdauung, Zellregulation und Immunabwehr.
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Endopeptidasen sind Enzyme, die Proteine an inneren Peptidbindungen spalten. Sie spielen eine zentrale Rolle in der Verdauung, Zellregulation und Immunabwehr.
Was ist eine Endopeptidase?
Eine Endopeptidase ist ein Enzym, das Proteine oder Polypeptide spaltet, indem es innere Peptidbindungen – also Bindungen im Inneren der Aminosäurekette – hydrolytisch trennt. Im Gegensatz zu Exopeptidasen, die nur an den Enden einer Proteinkette angreifen, wirken Endopeptidasen mitten im Molekül und zerlegen es so in kleinere Fragmente.
Der Begriff setzt sich zusammen aus dem griechischen endon (innen) und peptidase (Enzym, das Peptidbindungen spaltet). Endopeptidasen gehören zur übergeordneten Enzymklasse der Proteasen (auch Proteinasen genannt).
Wirkmechanismus
Endopeptidasen erkennen spezifische Aminosäuresequenzen oder strukturelle Merkmale im Protein und spalten die Peptidbindung zwischen zwei bestimmten Aminosäuren. Dabei wird ein Wassermolekül verbraucht – dieser Vorgang wird als Hydrolyse bezeichnet.
Je nach dem chemischen Mechanismus, den sie nutzen, werden Endopeptidasen in verschiedene Klassen unterteilt:
- Serinproteasen: Nutzen einen reaktiven Serinrest im aktiven Zentrum (z. B. Trypsin, Chymotrypsin, Elastase).
- Cysteinproteasen: Besitzen einen reaktiven Cysteinrest (z. B. Papain, Caspase).
- Aspartylproteasen: Verwenden zwei Aspartatseitenreste als Katalysatoren (z. B. Pepsin, Renin).
- Metalloproteasen: Benötigen ein Metallion (meist Zink) für ihre Aktivität (z. B. Thermolysin, Matrix-Metalloproteasen).
Biologische Funktionen
Endopeptidasen erfüllen im menschlichen Organismus zahlreiche lebenswichtige Aufgaben:
Verdauung
Im Magen-Darm-Trakt werden durch Endopeptidasen wie Pepsin (Magen), Trypsin und Chymotrypsin (Dünndarm) Nahrungsproteine in kleinere Peptide zerlegt, die anschließend von Exopeptidasen weiter zu einzelnen Aminosäuren abgebaut und vom Körper aufgenommen werden können.
Zellregulation und Signalverarbeitung
Intrazelluläre Endopeptidasen wie Caspasen sind entscheidend an der programmierten Zellabsterben (Apoptose) beteiligt. Sie aktivieren oder inaktivieren gezielt andere Proteine und regulieren dadurch wichtige Zellprozesse.
Immunabwehr
Das Immunsystem nutzt Endopeptidasen, um körperfremde Proteine (z. B. aus Bakterien oder Viren) in kleinere Peptide zu zerschneiden, die dann als Antigene auf der Zelloberfläche präsentiert werden. Dieser Prozess ist grundlegend für die Erkennung und Bekämpfung von Krankheitserregern.
Blutgerinnung und Wundheilung
Serinproteasen wie Thrombin sind zentrale Akteure in der Blutgerinnungskaskade. Sie spalten Fibrinogen zu Fibrin und ermöglichen so die Bildung eines stabilen Blutgerinnsels.
Gewebeumbau
Matrix-Metalloproteasen (MMP) sind Endopeptidasen, die Bestandteile der extrazellulären Matrix abbauen. Sie sind wichtig für Wundheilung, Gewebeentwicklung und können bei übermäßiger Aktivität zu Erkrankungen wie Arthritis oder Tumormetastasierung beitragen.
Medizinische Bedeutung
Endopeptidasen sind nicht nur physiologisch bedeutsam, sondern auch medizinisch hochrelevant:
- Therapeutische Enzyme: Endopeptidasen werden als Arzneimittel eingesetzt, z. B. zur Wundbehandlung, bei Verdauungsinsuffizienz oder als thrombolytische Mittel (Gewebs-Plasminogenaktivator, tPA).
- Diagnostische Marker: Erhöhte oder veränderte Aktivität bestimmter Endopeptidasen kann auf Erkrankungen hinweisen (z. B. erhöhtes Pepsin bei Magenerkrankungen, veränderte Caspasen bei Krebserkrankungen).
- Angriffspunkt für Medikamente: Viele Arzneimittel, z. B. Proteaseinhibitoren bei HIV-Infektion oder Hepatitis C, wirken, indem sie virale Endopeptidasen hemmen und so die Vermehrung von Krankheitserregern unterbinden.
- Bakterielle Toxine: Einige Bakterien produzieren Endopeptidasen als Virulenzfaktoren. Das Botulinum-Toxin ist eine Zink-Endopeptidase, die Nervenproteine spaltet und Lähmungen verursacht.
Endopeptidasen in Nahrungsergänzung und Industrie
Pflanzliche Endopeptidasen wie Bromelain (aus Ananas) oder Papain (aus Papaya) werden in Nahrungsergänzungsmitteln zur Unterstützung der Verdauung vermarktet. In der Lebensmittelindustrie werden sie zum Fleischzartmachen und in der Käseherstellung eingesetzt. In der Pharmaindustrie dienen Endopeptidasen als wichtige Werkzeuge zur Protein-Analytik und Medikamenten-Herstellung.
Quellen
- Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Biochemie. 8. Auflage. Springer Spektrum, 2018.
- Rawlings ND, Barrett AJ, Thomas PD et al. The MEROPS database of proteolytic enzymes, their substrates and inhibitors. Nucleic Acids Research, 2018. PubMed PMID: 29145643.
- Turk B. Targeting proteases: successes, failures and future prospects. Nature Reviews Drug Discovery, 2006. PubMed PMID: 16955069.
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