Ergotismus – Ursachen, Symptome und Behandlung
Ergotismus ist eine Vergiftung durch Mutterkornalkaloide, die durch den Pilz Claviceps purpurea gebildet werden. Er kann schwere Durchblutungsstörungen oder neurologische Symptome verursachen.
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Ergotismus ist eine Vergiftung durch Mutterkornalkaloide, die durch den Pilz Claviceps purpurea gebildet werden. Er kann schwere Durchblutungsstörungen oder neurologische Symptome verursachen.
Was ist Ergotismus?
Ergotismus ist eine durch Mutterkornalkaloide ausgelöste Vergiftungserkrankung. Diese Alkaloide werden vom Schlauchpilz Claviceps purpurea gebildet, der vor allem Roggen und andere Getreidearten befällt. Das befallene Getreidekorn wird als Mutterkorn (lat. Secale cornutum) bezeichnet. Historisch trat Ergotismus häufig als Massenvergiftung auf, wenn kontaminiertes Mehl verzehrt wurde. Bekannt war die Krankheit im Mittelalter unter den Namen Antoniusfeuer oder Ignis sacer. Heute ist Ergotismus in Industrieländern selten geworden, kann aber bei unsachgemäßem Einsatz ergothaltiger Medikamente auftreten.
Ursachen
Die Hauptursache des Ergotismus ist die Aufnahme von Mutterkornalkaloiden, insbesondere Ergotamin, Ergometrin und verwandten Verbindungen. Dies kann auf zwei Wegen geschehen:
- Nahrungsmittelbedingter Ergotismus: Verzehr von mit Claviceps purpurea kontaminiertem Getreide oder daraus hergestellten Produkten wie Brot oder Mehl.
- Medikamentöser Ergotismus: Überdosierung oder Langzeitanwendung von Ergotaminpräparaten, die z. B. zur Behandlung von Migräne oder zur Geburtsunterstützung eingesetzt werden.
Risikofaktoren für einen medikamentösen Ergotismus sind gleichzeitige Einnahme von CYP3A4-Inhibitoren (z. B. bestimmte Antibiotika wie Erythromycin oder Azolantimykotika), die den Abbau von Ergotamin in der Leber hemmen und damit die Wirkstoffkonzentration im Blut erhöhen.
Formen des Ergotismus
Ergotismus gangränosus (konvulsive Form)
Diese Form ist gekennzeichnet durch eine starke Vasokonstriktion (Gefäßverengung), die zu einer chronischen Minderdurchblutung der Extremitäten führt. In schweren Fällen kann es zu Gangrän (Gewebeabsterben) kommen, insbesondere an Fingern, Zehen, Händen und Füßen. Historisch war dies die häufigste Form bei Massenvergiftungen.
Ergotismus convulsivus (krampfartige Form)
Diese Form betrifft das Zentralnervensystem und äußert sich in Krämpfen, Halluzinationen, Kribbeln und anderen neurologischen Symptomen. Sie wurde historisch besonders in bestimmten Regionen Europas beobachtet.
Symptome
Die Symptome des Ergotismus variieren je nach Form und Schwere der Vergiftung:
- Brennende, kribbelnde Schmerzen in den Extremitäten (sog. Ameisenlaufen)
- Kältegefühl, Taubheit und Blässe der Gliedmaßen
- Fehlen des Pulses an betroffenen Extremitäten
- Schwärzung und Absterben von Gewebe (Gangrän) in schweren Fällen
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Kopfschmerzen und Schwindel
- Krämpfe und epileptiforme Anfälle (bei convulsiver Form)
- Halluzinationen und psychische Veränderungen
Diagnose
Die Diagnose des Ergotismus basiert auf einer Kombination aus Krankengeschichte, klinischer Untersuchung und ergänzenden Untersuchungen:
- Anamnese: Einnahme von Ergotaminpräparaten oder Verzehr von möglicherweise kontaminiertem Getreide
- Klinische Untersuchung: Beurteilung der Durchblutungssituation, Hautfarbe, Puls an den Extremitäten
- Doppler-Sonographie oder Angiographie: Nachweis von Gefäßspasmen und verminderter Durchblutung
- Laboruntersuchungen: Nachweis von Ergotalkaloiden im Blut oder Urin (toxikologisches Screening)
Behandlung
Die Behandlung des Ergotismus richtet sich nach der Schwere der Vergiftung und umfasst:
- Sofortiger Abbruch der Ergotaminzufuhr (Absetzen des Medikaments oder Meiden kontaminierter Nahrung)
- Vasodilatanzien (gefäßerweiternde Mittel) wie Natriumnitroprussid oder Calciumkanalblocker zur Bekämpfung der Gefäßspasmen
- Antikoagulation (Hemmung der Blutgerinnung) zur Vorbeugung von Thrombosen
- Supportive Maßnahmen: Wärme, Schmerztherapie, Flüssigkeitszufuhr
- In schweren Fällen mit Gangrän: Chirurgische Maßnahmen bis hin zur Amputation betroffener Gliedmaßen
- Bei medikamentösem Ergotismus: Überprüfung und Anpassung der Begleitmedikamente (Vermeidung von CYP3A4-Inhibitoren)
Prävention
In modernen Industrieländern wird Ergotismus durch strenge Qualitätskontrollen bei der Getreideproduktion und -verarbeitung weitgehend verhindert. Grenzwerte für Mutterkornalkaloide in Lebensmitteln sind gesetzlich geregelt (z. B. durch die EU-Verordnung). Bei der medikamentösen Anwendung von Ergotaminpräparaten sollten Höchstdosen und Kontraindikationen strikt beachtet werden.
Quellen
- Berde B, Stürmer E. Ergot Alkaloids and Related Compounds. Springer-Verlag, Berlin, 1978.
- de Groot AN. Ergotamine and ergotism. Obstetrical and Gynecological Survey. 1995;50(12):847-849. PubMed PMID: 8570066.
- Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Risks for human health related to the presence of ergot alkaloids in food and feed. EFSA Journal. 2012;10(7):2798. DOI: 10.2903/j.efsa.2012.2798.
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