Extraanatomisch: Definition & medizinische Bedeutung
Extraanatomisch beschreibt in der Medizin eine Lage, einen Verlauf oder eine Verbindung, die außerhalb der normalen anatomischen Strukturen liegt. Der Begriff wird vor allem in der Gefäßchirurgie verwendet.
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Extraanatomisch beschreibt in der Medizin eine Lage, einen Verlauf oder eine Verbindung, die außerhalb der normalen anatomischen Strukturen liegt. Der Begriff wird vor allem in der Gefäßchirurgie verwendet.
Was bedeutet extraanatomisch?
Extraanatomisch ist ein medizinischer Fachbegriff, der wörtlich "außerhalb der normalen Anatomie" bedeutet. Er beschreibt Strukturen, Verläufe oder chirurgische Verbindungen, die nicht dem natürlichen, physiologischen Verlauf von Organen, Blutgefäßen oder anderen Körperstrukturen folgen. Der Begriff wird besonders häufig in der Gefäßchirurgie verwendet, wenn ein Blutgefäß oder eine Gefäßprothese auf einem ungewöhnlichen, nicht dem normalen Verlauf entsprechenden Weg geführt wird.
Klinische Bedeutung und Anwendung
In der medizinischen Praxis spielt der Begriff extraanatomisch vor allem bei gefäßchirurgischen Bypass-Operationen eine wichtige Rolle. Wenn der normale, anatomische Weg für eine Operation nicht genutzt werden kann -- beispielsweise aufgrund von Infektionen, Vernarbungen, Voroperationen oder einem zu hohen Operationsrisiko -- wird ein alternativer, extraanatomischer Weg gewählt.
Extraanatomische Bypässe in der Gefäßchirurgie
Ein extraanatomischer Bypass ist eine Umgehungsoperation, bei der eine Gefäßprothese oder ein körpereigenes Blutgefäß außerhalb der normalen Gefäßbahn verlegt wird. Ziel ist es, die Blutversorgung eines Körperteils sicherzustellen, ohne den direkten, anatomisch vorgesehenen Weg zu nutzen. Typische Beispiele sind:
- Axillo-femoraler Bypass: Hierbei wird die Blutversorgung des Beines von der Achselarterie (Arteria axillaris) über eine subkutan (unter der Haut) verlaufende Gefäßprothese zur Oberschenkelarterie (Arteria femoralis) geleitet -- ein Weg, der vollständig außerhalb der normalen Gefäßanatomie liegt.
- Femoro-femoraler Crossover-Bypass: Eine Verbindung zwischen beiden Oberschenkelarterien, die quer über den Unterbauch verläuft und somit nicht dem physiologischen Blutgefäßverlauf folgt.
- Axillo-axillärer Bypass: Verbindung zwischen beiden Achselarterien außerhalb des normalen Gefäßverlaufs.
Wann wird ein extraanatomischer Eingriff gewählt?
Ein extraanatomisches Vorgehen wird in der Regel dann bevorzugt, wenn:
- der normale anatomische Zugangsweg durch Infektionen oder entzündliche Prozesse verlegt ist,
- der Patient aufgrund seines Allgemeinzustandes nicht für eine große Operation geeignet ist,
- eine Vorinfrastruktur aus früheren Operationen den direkten Zugang erschwert oder unmöglich macht,
- eine infizierte Gefäßprothese entfernt werden muss und gleichzeitig die Blutversorgung gesichert werden soll,
- das Risiko einer Nachblutung oder Wundheilungsstörung im normalen Operationsfeld zu hoch ist.
Vor- und Nachteile extraanatomischer Verfahren
Vorteile
- Geringeres Operationstrauma durch Vermeidung großer Körperhöhlen (z. B. Bauchraum)
- Anwendbar bei Hochrisikopatienten
- Möglichkeit der Umgehung infizierter oder vernarbter Bereiche
- Kürzere Operationszeiten in bestimmten Situationen
Nachteile
- Geringere Langzeitoffenheitsraten im Vergleich zu anatomischen Bypässen
- Höhere Rate an Bypassverschlüssen langfristig
- Suboptimale Hämodynamik (Blutströmungsverhältnisse) durch unnatürlichen Verlauf
- Risiko von Protheseninfektionen im subkutanen Verlauf
Extraanatomisch in anderen medizinischen Bereichen
Außerhalb der Gefäßchirurgie findet der Begriff extraanatomisch auch in anderen Fachgebieten Anwendung:
- In der Urologie: Extraanatomische Harnleiterschienen oder -bypässe, die außerhalb des normalen Harnleiter-Verlaufs platziert werden.
- In der Transplantationsmedizin: Transplantierte Organe werden oft extraanatomisch positioniert, d. h. nicht an der Stelle des ursprünglichen Organs (z. B. Nierentransplantation in den Beckenkamm statt in die normale Nierenregion).
- In der Neurochirurgie: Liquorableitungen (Shunts), die einen extraanatomischen Verlauf nehmen, um den Liquor in eine andere Körperhöhle abzuleiten.
Quellen
- Hirsch, A.T. et al. -- ACC/AHA Guidelines for the Management of Patients with Peripheral Arterial Disease (2006). Journal of the American College of Cardiology.
- Rutherford, R.B. -- Vascular Surgery, 6th Edition. Elsevier Saunders (2005).
- Brunkwall, J. et al. -- Extraanatomic Bypass Surgery: Indications and Outcomes. European Journal of Vascular and Endovascular Surgery (2010).
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