Epigenetikmarker – Definition & Bedeutung
Epigenetikmarker sind molekulare Markierungen auf der DNA oder den Histonen, die die Genaktivität regulieren, ohne die DNA-Sequenz selbst zu verändern.
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Epigenetikmarker sind molekulare Markierungen auf der DNA oder den Histonen, die die Genaktivität regulieren, ohne die DNA-Sequenz selbst zu verändern.
Was sind Epigenetikmarker?
Epigenetikmarker (auch epigenetische Marker genannt) sind chemische Modifikationen, die an der DNA oder an den sie umgebenden Proteinen (Histonen) angebracht werden. Sie beeinflussen, ob und wie stark ein Gen abgelesen wird – also ob ein Gen aktiv oder inaktiv ist. Dabei verändern sie nicht die eigentliche Abfolge der genetischen Buchstaben (die DNA-Sequenz), sondern steuern die Zugänglichkeit und Aktivität der Gene auf einer übergeordneten Ebene. Das Fachgebiet, das sich mit diesen Mechanismen befasst, heißt Epigenetik.
Arten von Epigenetikmarkern
DNA-Methylierung
Die häufigste Form der epigenetischen Markierung ist die DNA-Methylierung. Dabei wird eine Methylgruppe (CH₃) an bestimmte Abschnitte der DNA – meist an sogenannte CpG-Dinukleotide – angeheftet. Eine hohe Methylierung führt in der Regel dazu, dass das betroffene Gen abgeschaltet wird (Genstilllegung). Umgekehrt kann eine verminderte Methylierung zur Aktivierung eines Gens beitragen.
Histon-Modifikationen
Die DNA ist im Zellkern um Proteinkomplexe, die sogenannten Histone, gewickelt. Durch chemische Modifikationen an diesen Histonen – wie Acetylierung, Methylierung, Phosphorylierung oder Ubiquitinierung – kann die Packungsdichte der DNA verändert werden. Eine lockere Packung erlaubt das Ablesen von Genen, eine engere Packung verhindert es.
Nicht-kodierende RNA
Auch bestimmte RNA-Moleküle, die selbst keine Proteine kodieren (z. B. microRNA oder lange nicht-kodierende RNA), gelten als epigenetische Regulatoren. Sie können die Genexpression auf verschiedenen Ebenen beeinflussen und werden zunehmend als epigenetische Marker untersucht.
Bedeutung für Gesundheit und Krankheit
Epigenetikmarker spielen eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Organismus, der Zelldifferenzierung und der Reaktion auf Umwelteinflüsse. Veränderungen im epigenetischen Muster werden mit einer Vielzahl von Erkrankungen in Verbindung gebracht:
- Krebs: Viele Krebserkrankungen gehen mit charakteristischen Veränderungen der DNA-Methylierung oder Histon-Modifikation einher. Tumorsuppressorgene können durch Hypermethylierung stillgelegt werden.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Epigenetische Veränderungen beeinflussen Entzündungsprozesse und das Risiko für Arteriosklerose.
- Neurologische Erkrankungen: Störungen epigenetischer Muster werden bei Erkrankungen wie Alzheimer, Schizophrenie und Depression beobachtet.
- Stoffwechselerkrankungen: Epigenetische Marker können durch Ernährung, Bewegungsmangel oder Stress beeinflusst werden und zur Entstehung von Typ-2-Diabetes oder Adipositas beitragen.
Epigenetikmarker als diagnostisches Werkzeug
In der modernen Medizin gewinnen Epigenetikmarker zunehmend an Bedeutung als Biomarker für die Früherkennung, Prognose und Therapieüberwachung von Erkrankungen. So können beispielsweise spezifische Methylierungsmuster im Blut oder Gewebe Hinweise auf bestimmte Krebserkrankungen oder das biologische Alter eines Menschen geben. Bekannte Beispiele sind:
- Der epigenetische Uhr-Algorithmus (z. B. nach Horvath), der anhand von Methylierungsmustern das biologische Alter von Zellen schätzt.
- Methylierungsbasierte Liquid-Biopsy-Tests zur frühzeitigen Krebserkennung.
- Epigenetische Marker in der Pränataldiagnostik.
Einfluss von Lebensstil und Umwelt
Ein wichtiger Aspekt der Epigenetik ist, dass epigenetische Marker nicht unveränderlich sind. Sie können durch Lebensstilfaktoren wie Ernährung, körperliche Aktivität, Stress, Schlaf, Rauchen und Umweltgifte beeinflusst und zum Teil sogar reversibel verändert werden. Diese Erkenntnisse haben große Bedeutung für die Präventivmedizin und die Entwicklung neuer Therapieansätze.
Epigenetik in der Therapie
Auf Basis epigenetischer Erkenntnisse wurden bereits epigenetische Medikamente (Epi-Drugs) entwickelt, die gezielt in epigenetische Prozesse eingreifen. Dazu gehören:
- DNA-Methylierungsinhibitoren (z. B. Azacitidin, Decitabin): eingesetzt bei bestimmten Blutkrebs-Erkrankungen.
- Histondeacetylase-Inhibitoren (HDAC-Inhibitoren, z. B. Vorinostat): eingesetzt bei bestimmten Lymphomen.
Die Erforschung weiterer epigenetischer Zielstrukturen ist ein aktives Feld der pharmazeutischen Forschung.
Quellen
- Allis, C. D. et al. (Hrsg.): Epigenetics, 2. Auflage. Cold Spring Harbor Laboratory Press, 2015.
- World Health Organization (WHO): Genomics and World Health. Genf, 2002. Verfügbar unter: https://www.who.int
- Horvath, S.: DNA methylation age of human tissues and cell types. Genome Biology, 14(10):R115, 2013. DOI: 10.1186/gb-2013-14-10-r115
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