Enzymersatztherapie: Definition und Anwendung
Die Enzymersatztherapie ersetzt fehlende oder defekte Enzyme bei genetischen Stoffwechselerkrankungen. Sie lindert Symptome und verlangsamt den Krankheitsverlauf.
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Die Enzymersatztherapie ersetzt fehlende oder defekte Enzyme bei genetischen Stoffwechselerkrankungen. Sie lindert Symptome und verlangsamt den Krankheitsverlauf.
Was ist die Enzymersatztherapie?
Die Enzymersatztherapie (kurz: ERT, von englisch Enzyme Replacement Therapy) ist ein medizinisches Behandlungsverfahren, bei dem dem Koerper von aussen kuenstlich hergestellte Enzyme zugefuehrt werden. Diese ersetzen Enzyme, die aufgrund einer genetischen Erkrankung im Koerper fehlen oder nicht ausreichend funktionieren. Enzyme sind lebensnotwendige Eiweissverbindungen, die bestimmte biochemische Reaktionen im Stoffwechsel steuern. Fehlt ein solches Enzym, koennen bestimmte Substanzen nicht abgebaut werden und reichern sich in Zellen und Organen an, was zu schweren Organschaeden fuehrt.
Anwendungsgebiete
Die Enzymersatztherapie wird vor allem bei sogenannten lysosomalen Speicherkrankheiten eingesetzt. Das sind seltene, angeborene Stoffwechselerkrankungen, bei denen ein Enzymdefekt dazu fuehrt, dass bestimmte Molekuele nicht richtig abgebaut werden und sich in den Zellen anhaeufen. Zu den wichtigsten Erkrankungen, bei denen die ERT eingesetzt wird, gehoeren:
- Morbus Gaucher: Anreicherung von Glucocerebrosid in Milz, Leber und Knochenmark
- Morbus Fabry: Anreicherung von Globotriaosylceramid vor allem in Nieren, Herz und Nervensystem
- Morbus Pompe (auch: Glykogenspeicherkrankheit Typ II): Anreicherung von Glykogen in Muskelzellen, insbesondere in der Herzmuskulatur und der Atemmuskulatur
- Mukopolysaccharidosen (z. B. MPS I, MPS II, MPS VI): Anreicherung von Glykosaminoglykanen in verschiedenen Geweben
- Morbus Niemann-Pick Typ B: Anreicherung von Sphingomyelin in Organen
Wirkmechanismus
Bei der Enzymersatztherapie wird das fehlende Enzym biotechnologisch hergestellt und dem Patienten regelmaessig per intravenoeser Infusion (d. h. direkt in die Blutbahn) verabreicht. Das zugefuehrte Enzym gelangt ueber den Blutkreislauf in die betroffenen Zellen und Gewebe, wo es die aufgestauten Substanzen abbaut. Auf diese Weise werden die Zellen entlastet und die Organfunktionen koennen sich verbessern oder zumindest stabilisiert werden.
Die hergestellten Enzyme tragen in der Regel spezifische Zuckermolekuele an ihrer Oberflaeche (Mannose-6-Phosphat), die als eine Art Adresse dienen und das Enzym gezielt in die Lysosomen der Zellen leiten. Lysosomen sind kleine Zellorganellen, die fuer den Abbau von Substanzen im Koerper zustaendig sind.
Behandlungsablauf und Dosierung
Die Enzymersatztherapie ist in der Regel eine lebenslange Behandlung, da die genetische Ursache der Erkrankung nicht behoben wird. Die Infusionen werden je nach Erkrankung und Praeparat unterschiedlich haeufig verabreicht, haeufig alle ein bis zwei Wochen. Die Behandlung findet meist in spezialisierten Zentren oder ambulant statt und dauert mehrere Stunden. Die genaue Dosierung richtet sich nach dem Koerpergewicht des Patienten sowie der spezifischen Erkrankung und dem eingesetzten Medikament.
Wirksamkeit und Grenzen
Die ERT kann den Krankheitsverlauf bei vielen lysosomalen Speicherkrankheiten deutlich verlangsamen, Symptome lindern und die Lebensqualitaet der Betroffenen erheblich verbessern. Bei Morbus Gaucher gilt sie heute als sehr wirksam und gut vertraeglich. Bei anderen Erkrankungen wie Morbus Fabry oder den Mukopolysaccharidosen sind die Ergebnisse unterschiedlich, da das Enzym nicht alle Gewebe gleichermassen gut erreicht, insbesondere das zentrale Nervensystem, da die Blut-Hirn-Schranke fuer die grossen Enzymmolekuele schwer zu ueberwinden ist.
Die ERT heilt die Grunderkrankung nicht, sie behandelt die Symptome und verlangsamt die Schaedigung. Fuer eine dauerhafte Heilung wird aktuell an Gentherapien geforscht, die den eigentlichen Enzymdefekt auf genetischer Ebene korrigieren sollen.
Nebenwirkungen und Risiken
Die Enzymersatztherapie wird von den meisten Patienten gut vertragen, kann aber Nebenwirkungen verursachen, insbesondere im Zusammenhang mit der Infusion. Haeufige infusionsbedingte Reaktionen sind:
- Uebelkeit, Erbrechen
- Kopfschmerzen und Schwindel
- Hautroetungen oder Ausschlag
- Fieber und Schuttelfrost
- Brustschmerzen oder Atemnot (selten)
In seltenen Faellen koennen allergische Reaktionen bis hin zu einer Anaphylaxie auftreten. Ausserdem koennen manche Patienten im Laufe der Zeit Antikoerper gegen das zugefuehrte Enzym entwickeln, was die Wirksamkeit der Therapie einschraenken kann. Die Behandlung erfolgt daher stets unter aerztlicher Aufsicht.
Kosten und Verfuegbarkeit
Praeparate fuer die Enzymersatztherapie gehoeren zu den teuersten Medikamenten weltweit, da es sich um Orphan Drugs (Arzneimittel fuer seltene Erkrankungen) handelt. Die Jahrestherapiekosten koennen mehrere hunderttausend Euro betragen. In Deutschland werden die Kosten bei entsprechender Diagnose in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen uebernommen. Die Therapie steht in spezialisierten Stoffwechselzentren zur Verfuegung.
Quellen
- Brady, R. O. - Enzyme replacement therapy: conception, chaos and culmination. Philosophical Transactions of the Royal Society B, 358(1433), 915-919 (2003). DOI: 10.1098/rstb.2003.1280
- Platt, F. M., d'Azzo, A., Davidson, B. L., et al. - Lysosomal storage diseases. Nature Reviews Disease Primers, 4, 27 (2018). DOI: 10.1038/s41572-018-0025-4
- Orphanet / INSERM - Informationsportal fuer seltene Erkrankungen und Orphan Drugs. Verfuegbar unter: https://www.orpha.net (abgerufen 2024)
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