Entzündungsanämie – Ursachen, Symptome & Behandlung
Die Entzündungsanämie ist eine Blutarmut, die durch chronische Entzündungen im Körper entsteht. Sie tritt häufig bei Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder Tumorerkrankungen auf.
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Die Entzündungsanämie ist eine Blutarmut, die durch chronische Entzündungen im Körper entsteht. Sie tritt häufig bei Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder Tumorerkrankungen auf.
Was ist eine Entzündungsanämie?
Die Entzündungsanämie – auch bekannt als Anämie der chronischen Erkrankung (ACD, von englisch Anemia of Chronic Disease) – ist eine Form der Blutarmut, die als Folge anhaltender Entzündungsprozesse im Körper entsteht. Sie gehört nach der eisenmangelinduzierten Anämie zur zweithäufigsten Anämieform weltweit. Im Gegensatz zu anderen Anämieformen liegt bei der Entzündungsanämie meist kein echter Eisenmangel vor, sondern eine gestörte Eisenverwertung sowie eine verminderte Produktion roter Blutkörperchen.
Ursachen
Die Entzündungsanämie tritt typischerweise im Rahmen verschiedener chronischer Erkrankungen auf. Zu den häufigsten Auslösern gehören:
- Chronische Infektionskrankheiten (z. B. Tuberkulose, HIV, chronische Hepatitis)
- Autoimmunerkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes, entzündliche Darmerkrankungen)
- Tumorerkrankungen (Krebs verschiedener Organe)
- Chronische Nierenerkrankungen
- Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
Im Rahmen dieser Erkrankungen schüttet der Körper entzündungsfördernde Botenstoffe (sogenannte Zytokine) aus. Diese Zytokine – darunter Interleukin-6, Interleukin-1 und Tumornekrosefaktor-alpha – beeinflussen die Blutbildung negativ und führen zu einer Umverteilung und Speicherung von Eisen in bestimmten Körperzellen, sodass es für die Bildung roter Blutkörperchen nicht mehr ausreichend verfügbar ist.
Wirkmechanismus
Ein zentrales Molekül bei der Entzündungsanämie ist das Leberhormon Hepcidin. Entzündungssignale, insbesondere Interleukin-6, stimulieren die Leber zur verstärkten Ausschüttung von Hepcidin. Hepcidin hemmt das Transportprotein Ferroportin, das normalerweise Eisen aus Zellen ins Blut abgibt. Dadurch wird Eisen in Makrophagen (Fresszellen) und anderen Zellen eingeschlossen, steht für die Blutbildung nicht zur Verfügung und der Körper kann trotz ausreichender Eisenspeicher keine ausreichende Menge roter Blutkörperchen produzieren.
Zusätzlich vermindern die Entzündungszytokine die Empfindlichkeit der blutbildenden Vorläuferzellen gegenüber Erythropoetin (EPO), dem wichtigsten Wachstumshormon für rote Blutkörperchen, und reduzieren dessen Produktion in den Nieren.
Symptome
Die Symptome der Entzündungsanämie sind häufig unspezifisch und werden oft der Grunderkrankung zugeschrieben. Typische Beschwerden sind:
- Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)
- Blässe der Haut und Schleimhäute
- Kurzatmigkeit und verringerte körperliche Belastbarkeit
- Schwindel und Konzentrationsstörungen
- Kopfschmerzen
- Beschleunigter Herzschlag (Tachykardie)
Da die Anämie häufig nur moderat ausgeprägt ist, können die Symptome lange Zeit wenig bemerkt werden.
Diagnose
Die Diagnose der Entzündungsanämie erfolgt durch eine Kombination aus Blutuntersuchungen und der Beurteilung der Grunderkrankung. Wichtige diagnostische Parameter sind:
- Blutbild: Erniedrigung der Hämoglobin-Konzentration und des Hämatokrit-Wertes; die roten Blutkörperchen sind meist normochrom (normal gefärbt) und normozytär (normal groß), können bei längerem Verlauf jedoch auch hypochrom und mikrozytär werden.
- Entzündungsmarker: Erhöhte Werte für C-reaktives Protein (CRP) und Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG)
- Eisenstoffwechsel: Niedriges Serumeisen, erhöhtes oder normales Ferritin (Eisenspeicherwert), niedrige Transferrinsättigung, niedriges oder normales Transferrin – dieses Muster unterscheidet die Entzündungsanämie von einem reinen Eisenmangelzustand
- Hepcidin-Spiegel: Oft erhöht (wird nicht routinemäßig gemessen, ist jedoch diagnostisch hilfreich)
- Retikulozytenzahl: Niedrig bis normal, was auf eine eingeschränkte Blutbildung hinweist
Behandlung
Die wichtigste Maßnahme bei der Entzündungsanämie ist die Behandlung der Grunderkrankung. Wird die zugrunde liegende Entzündung erfolgreich behandelt, bessert sich in der Regel auch die Anämie. Darüber hinaus stehen folgende Therapieoptionen zur Verfügung:
Eisensubstitution
Eine Eisenergänzung ist nur sinnvoll, wenn ein echter, laborchemisch nachgewiesener Eisenmangel zusätzlich zur Entzündungsanämie vorliegt. Da orales Eisen bei aktiven Entzündungen häufig schlecht aufgenommen wird, kann in diesen Fällen die intravenöse Eisengabe vorteilhaft sein.
Erythropoetin-stimulierende Substanzen
Bei bestimmten Patientengruppen – insbesondere bei chronischer Nierenerkrankung oder im Rahmen einer Tumortherapie – können Erythropoetin-stimulierende Wirkstoffe (ESA, z. B. Epoetin alfa oder Darbepoetin alfa) eingesetzt werden, um die Produktion roter Blutkörperchen anzuregen.
Bluttransfusionen
Bei schwerer, symptomatischer Anämie kann eine Bluttransfusion erforderlich sein, um den Hämoglobin-Wert schnell anzuheben und die Versorgung der Organe mit Sauerstoff sicherzustellen.
Neue Therapieansätze
Aktuelle Forschungsarbeiten untersuchen den Einsatz von Hepcidin-Antagonisten und anderen gezielten Wirkstoffen, die den Eisenstoffwechsel bei chronischen Entzündungen normalisieren sollen. Diese Ansätze befinden sich jedoch noch überwiegend in der klinischen Erprobung.
Quellen
- Weiss G, Goodnough LT. Anemia of Chronic Disease. New England Journal of Medicine. 2005;352(10):1011–1023.
- Ganz T. Anemia of Inflammation. New England Journal of Medicine. 2019;381(12):1148–1157.
- World Health Organization (WHO). Haemoglobin concentrations for the diagnosis of anaemia and assessment of severity. Geneva: WHO Press; 2011.
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